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Globale Trends

Handelsblatt-International-Correspondent Torsten Riecke analysiert jede Woche in seiner Kolumne interessante Daten und Trends aus aller Welt. Sie erreichen ihn unter [email protected].

(Foto: Klawe Rzeczy )

Kolumne „Globale Trends“ Von Shell zu Amazon: Die Weltwirtschaft wird digitaler, klimafreundlicher – und gefährlicher

Zu viel Macht, zu hohe Profite, zu wenig Steuern: Umstrittene Superstar-Konzerne dominieren die Weltwirtschaft. Gesellschaft und Politik müssen dagegenhalten.
31.05.2021 - 10:29 Uhr Kommentieren

Superstars kannte man früher nur aus dem Showbusiness und Sport. Dass seit einigen Jahren auch Ökonomen diesen Superlativ benutzen, liegt an Firmen wie Amazon. Der weltgrößte Onlinehändler hat in den vergangenen Tagen und Wochen gezeigt, warum man ihn nur noch mit Superlativen messen kann.

Für knapp 8,5 Milliarden Dollar hat Amazon gerade das Hollywood-Filmstudio MGM gekauft. In den ersten drei Monaten verdiente der US-Konzern gut acht Milliarden Dollar. Das sind nicht nur 220 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2020, sondern ist auch mehr, als die deutsche Industrieikone Siemens in einem Jahr verdient.

Amazon hat im Corona-Jahr 2020 fast 500.000 neue Mitarbeiter eingestellt und mit rund 40 Milliarden Dollar mehr als jedes andere US-Unternehmen investiert. Firmengründer Jeff Bezos ist mit einem Vermögen von 177 Milliarden Dollar der reichste Mann der Welt.

Im vergangenen Jahr stieg Amazon erstmals unter die 20 wertvollsten Unternehmen der Welt auf und belegte gleich Platz vier. Nicht mehr zur Avantgarde der Top 20 gehören dagegen die Ölkonzerne Exxon Mobil (2010 noch auf Platz 1), Shell (9) und Chevron (16).

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    Dass Big Oil von Richtern und Aktionären zu Klima-Dinosauriern verurteilt wird, während der Superstar Amazon heller denn je leuchtet, ist mehr als ein Zufall: Über die Hälfte der 20 wertvollsten Konzerne der Welt gehörte vor zehn Jahren noch nicht zum Kreis der Erlesenen.

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    Schumpeters schöpferische Zerstörung scheint also zu funktionieren: Alte Superstars wie Exxon verglühen, neue wie Amazon entstehen. Big Tech löst Big Oil ab. Ausnahmen wie Saudi Aramco bestätigen den Trend. Die Weltwirtschaft wird digitaler, klimafreundlicher – und gefährlicher!

    Amazon ist auch dafür ein gutes Beispiel: Der Konzern sieht sich in den USA der ersten Kartellklage gegenüber. Der District of Columbia wirft dem Onlinehändler vor, mit seiner Marktmacht die Preise künstlich nach oben zu treiben. Auch Apple, Facebook und der Google-Mutter Alphabet werfen Wettbewerbshüter den Missbrauch ihrer Marktmacht vor.

    Ähnliche Vorwürfe gab es in der Vergangenheit immer wieder gegen die Ölmultis. Die sind mit dem Aufkommen von Elektromobilität und erneuerbaren Energien verschwunden. Geblieben ist das Problem wirtschaftlicher Macht. Es hat sich sogar potenziert, weil die neuen Superstars die Weltwirtschaft weit mehr dominieren, als es Big Oil jemals vermochte.

    Während der Mittelwert der Gewinnmarge der 50 wertvollsten Unternehmen in den letzten 30 Jahren von sieben auf über 18 Prozent gestiegen ist, hat sich der Median für die effektive Abgabenquote dank Steuertricks auf 17,4 Prozent halbiert. Facebook zahlte 2020 gar nur rund zwölf Prozent Steuern, hatte aber eine Gewinnspanne von 34 Prozent. Eine internationale Mindestbesteuerung der globalen Superstars ist deshalb überfällig.


    Lina Khan, gerade von US-Präsident Biden in die Wettbewerbsbehörde FTC berufen, hat Amazon bereits 2017 eine „räuberische Preispolitik“ auf seinen Plattformen vorgeworfen. Ähnlich problematisch ist der Einfluss der Superstars auf die Löhne. So warnt der MIT-Ökonom David Autor: „Wenn die Globalisierung oder technologische Veränderungen die Erlöse auf die produktivsten Firmen in jeder Branche verlagern, wird die Konzentration auf den Gütermärkten zunehmen, da die Branchen immer mehr von Superstar-Firmen dominiert werden, die hohe Gewinnspannen und einen geringen Anteil der Arbeit an der Wertschöpfung haben.“

    Volkswirte machen diese sogenannte „Monopsony“ für ein schleppendes Lohnwachstum und eine steigende Einkommensungleichheit in den USA verantwortlich. Die Marktmacht der Superstars wirkt jedoch in beide Richtungen: Amazon hat gerade die Stundenlöhne für mehr als eine halbe Million seiner US-Beschäftigten um bis zu drei Dollar erhöht und damit die ohnehin grassierenden Inflationsängste wegen einer Preis-Lohn-Spirale noch verstärkt.

    Kein Wunder also, dass Superstars nicht nur auf dem Radar der Kartellwächter leuchten, sondern auch für Notenbanker zum Problem werden. Konzerne wie Apple und Google generieren so viel Cashflow, dass sie damit ihre Investitionen locker finanzieren können. Hinzu kommt, dass Superstars weniger in Maschinen und mehr in Software investieren. Solche immateriellen Kapitalformen sind jedoch bei den Kreditgebern nicht gern als Sicherheit gesehen. All das führt dazu, dass die Zinspolitik der Notenbanken in einer von Superstars dominierten Wirtschaft weniger wirksam ist.

    Bislang war die schöpferische Zerstörung durch technologischen Fortschritt ein zuverlässiges Korrektiv gegen eine allzu große Dominanz einzelner Superstar-Firmen. Damit sich der Wettbewerb als Entdeckungsverfahren auch in einer „Winner takes it all“-Wirtschaft durchsetzen kann, braucht es jedoch zusätzlich gesellschaftlichen und politischen Druck.

    Mehr: Amazon kauft Filmstudio MGM für 8,45 Milliarden Dollar.

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