Joggen im Winter: Diese Dinge sollten Jogger bei dieser Jahreszeit beachten
Im Schnee werde ich jedes Jahr wieder zu einem kleinen Jungen – morgens früh im frischen Schnee die ersten Spuren zu hinterlassen, diese Atmosphäre verliert nie ihre Wirkung.
Der Stadtlärm wird gedämpft, das Licht der Straßenleuchten reflektiert im reinen Weiß des Bodens. Winter-Joggerland! Es sind die Momente im Läuferleben, die besonders befriedigend sind. Man muss dafür natürlich deutlich vor Sonnenaufgang draußen sein, egal wie kalt es ist.
Der Kollege C. war skeptisch, als ich jüngst sagte, dass der Winter die beste Zeit zum Laufen sei. Er habe Sorge, bei Minusgraden zu laufen, man könne sich da ja vielleicht schaden. Und er würde dann auch mit einem Schutz vorm Gesicht unterwegs sein.
Es gibt einige vernünftige und die oben schon angerissenen eher romantischen Gründe, die für Laufsport im Winter sprechen. Und einige Dinge, die zu beachten sind.
Nicht überhitzen
Bei körperlicher Anstrengung heizt unser Körper auf. Wir schwitzen, damit wir runterkühlen. Das kostet den Körper Energie und belastet den Kreislauf.
Ich habe mal im Rahmen einer medizinischen Studie während eines Wettbewerbs eine Thermopille geschluckt, die meine Körperkerntemperatur maß, und im Laufe des Tages ging die gut über 39 Grad Celsius.
Wir erleichtern im Winter (und natürlich auch im Frühjahr und Herbst) dem Körper durch Bewegung die Arbeit, die Körpertemperatur zu regeln. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt oder auch darunter bedankt er sich damit, dass er uns schön warm hält.
Während auf dem Fahrrad bei solchen Bedingungen vielleicht noch der Oberkörper warm gehalten werden kann, aber die Gliedmaßen nach einer gewissen Zeit sehr kalt und auch schmerzhaft taub werden können, ist es nicht unwahrscheinlich, dass Sie die Handschuhe, die zu Beginn noch nötig waren, während eines Laufs ausziehen wollen, weil es zu warm wird.
In Zweifel das Tempo rausnehmen
Der Ansicht, dass sehr kalte Luft bei körperlicher Anstrengung die Lunge oder die Bronchien schädigen könnte, begegne ich sporadisch immer wieder. Der sichtbare Atem ist für viele ein Signal, dass es vielleicht Zeit ist, aufs Laufband zu wechseln – und leichtes Ziehen im Brustbein wird als Gefahr gewertet. Im Zweifel unterwegs einfach das Tempo rausnehmen, in aller Regel klärt das unbekannte Empfindungen.
Biathleten oder Skilangläufer brauchen Schnee und Minustemperaturen, sonst könnten sie ihren Sport gar nicht ausüben. Und das klappt auch ganz wunderbar, wenn der Körper Gelegenheit bekommt, sich an die Veränderungen zu gewöhnen.
Das tut er am einfachsten, indem der Hobbysportler sich von den Wetterbedingungen nicht beeindrucken lässt, sondern ganzjährig raus an die frische Luft geht und den Übergang von Hitze zu Kälte quasi moderiert. Change-Management für den Läuferleib.
So funktioniert Eisschwimmen oder auch die Querung des Ärmelkanals – Gewöhnung an Temperaturen. Für uns Hobbyläufer muss es ja nicht Schlafen ohne Decke bei geöffnetem Fenster sein, wie das manche Extremsportler tun.
Blinken wie ein Weihnachtsbaum
Dennoch erfordert das Laufen im Schnee oder zumindest bei Temperaturen deutlich unter zehn Grad einige Vorkehrungen, insbesondere in den dunklen Randstunden des Tages.
Die Füße sind das geringste Problem, sie werden nicht auskühlen, dafür werden sie durch die Laufbewegung viel zu gut durchblutet. Wer nicht gerade knöcheltief durch eine Pfütze mit eisigem Wasser watet, kann da entspannt bleiben.
Der Kopf erfordert in aller Regel jedoch eine hinreichende Isolation. Es fühlt sich, Radfahrer kennen das eher, sehr unschön an, wenn der Kopf kalt wird, zumal verschwitzt im Fahrtwind.
Lange Hose, eine langärmelige Laufjacke und dünne Handschuhe sind für den Körper sinnvoll. Ich persönlich rate davon ab, sich Stoff vor den Mund zu wickeln. Der feuchte Atem durchnässt die Textilie, Verdunstungskälte setzt ein, und Sie erreichen mitunter das Gegenteil dessen, was Sie erreichen wollen.
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Reflektoren, eine einfache gelbe Weste mit ebensolchen Flächen, ein Blinklicht, eine Stirnlampe – die Menge an Läufern, die in komplett schwarzer Kleidung im Dunkeln unterwegs sind, fasziniert mich immer wieder. Wer auch nur geringen Kontakt zu anderen Verkehrsteilnehmern hat, sollte sich sichtbar machen. Überfahren oder zumindest angefahren zu werden, vor allem von Radfahrern, mit denen wir Läufer uns schon mal Wege teilen, ist deutlich ungesünder, als kalte Luft einzuatmen.
Schnell los, dann bremsen
Der erste Schritt vor die Tür bei lausigen Wetterbedingungen ist zugegebenermaßen immer ein wenig ungemütlich, vielleicht beißt der Wind im Gesicht. Da hilft eine Strategie, die dem Gegenteil entspricht, was üblicherweise geraten wird – langsam aufwärmen.
Gleich zu Beginn für vielleicht 100 bis 500 Meter zügig loslaufen, um den Puls in Schwung zu bringen und den Körper zum Aufheizen zu bewegen, hilft, die Anfangszitterei im Rahmen zu halten. Danach wird’s schön, Ehrenwort!
No-Gos für Läuferinnen und Läufer
Es gibt aber eine Wettersituation, bei der ich persönlich unter keinen Umständen die Laufschuhe schnüre: Glatteis, gefrierender Regen, Eis unter dem Schnee – das Risiko zu rutschen, ist dann schlicht zu groß.
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Frischer Schnee hingegen bietet einen guten Grip, allzu hoher Schnee wiederum ist dann wirklich nur noch für die überzeugtesten Frischluftathleten. Beschwerliches Fortkommen, nasse Füße und Waden sind kein Vergnügen, wenn auch nicht gefährlich.
Aber ansonsten gilt es, gerade die Tage mit frischem Schnee, die Stunden mit sternenklarem Himmel zu nutzen und laufend außergewöhnliche Momente in der Natur zu erleben – besser als spazierend, dabei wird einem viel schneller kalt.
Das alles hier sollte ich gar nicht empfehlen, denn zu den schönen Nebeneffekten des Winters gehört es, dass sich eben doch weniger Menschen aufraffen, die im Sommer überfüllten Laufstrecken leerer werden und sich die Wackeren ein wenig heldenhaft fühlen dürfen, dass sie den widrigen Umständen trotzen. Auch wenn es mit die schönsten des Laufens sein können.
Erstpublikation: 05.12.2024, 11:32 Uhr.