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KI-Messe WAICChina inszeniert das technologische Kräftemessen mit den USA

Auf der KI-Messe WAIC präsentiert China seine neuesten Technologien. Doch auch wenn die Messe kaum internationales Publikum anzieht, sind US-Unternehmen wie OpenAI und Nvidia allgegenwärtig.Martin Benninghoff 11.07.2024 - 10:28 Uhr
Technologiemesse WAIC in Shanghai: Tanzende Roboter gegen die Dominanz der USA. Foto: IMAGO/NurPhoto

Die Weltkonferenz für Künstliche Intelligenz (WAIC) in Shanghai war in China als internationales Großereignis angekündigt worden. Rund 300.000 Menschen waren nach Angaben der Veranstalter in der vergangenen Woche und am Wochenende vor Ort, um die neuesten KI-Entwicklungen zu sehen. Mit dabei waren tatsächlich auch führende westliche Tech-Konzerne wie Microsoft und Tesla.

Doch wie so oft in der Volksrepublik entpuppte sich die Messe von Weltrang als stark chinesische Leistungsschau. Chinas KI-Größen wie iFlytek durften zeigen, was sie können, dominiert wurde das Geschehen auch von Tech-Konzernen wie Baidu, Tencent, Huawei und Alibaba sowie Hunderten Start-ups. Die Besucher? Ganz überwiegend Chinesen.

Chinas Branche trat selbstbewusst auf, gleichzeitig war der Vorsprung der US-Konzerne OpenAI und Nvidia allgegenwärtig. Nicht durch die physische Präsenz an den Ständen, aber als Bezugspunkt, als Konkurrent, als Maß aller Dinge.

Milliarden Dollar Risikokapital fließen in Chinas KI

Dabei ist die offizielle Erzählung eine andere: China holt auf, zeigt Stärke, jubeln die Staatsmedien seit Monaten. Ministerpräsident Li Qiang eröffnete die Messe im Herzen Shanghais, was zeigt, wie wichtig der Regierung das Thema ist.

Das sagt allerdings wenig über die Qualität von Chinas Innovationen aus, zumal die Branche unter staatlicher Kontrollwut, Zensur und den US-Sanktionen leidet. So sind die für das Datentraining von KI-Modellen wichtigen neuesten Hochleistungschips von Nvidia in China nicht zu bekommen – und die marktführende App ChatGPT zieht sich weiter aus der Volksrepublik zurück. Vor allem die Anwendungen von Open AI sind in China aber noch immer das Maß aller Dinge – Mahnung und Ansporn zugleich für die Tech-Szene.

In der wöchentlichen Kolumne schreiben Handelsblatt-Korrespondenten im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in Asien. Foto: Klawe Rzeczy

Seitdem ChatGPT im Herbst 2022 die chinesische Tech-Szene bei seiner Einführung kalt erwischte, investiert die Volksrepublik massiv in ihre Schlüsseltechnologien, zu denen auch die Künstliche Intelligenz gehört. Das Institut Preqin schätzt, dass allein im ersten Halbjahr 2024 Risikokapital in Höhe von 5,6 Milliarden Dollar in KI geflossen ist, die Hälfte der Gesamtsumme des Jahres 2023. Auf der WAIC in Shanghai ist entsprechend auch ein Technologiefonds der Stadt Shanghai vertreten.

Dutzende Firmen werben mit heimischen OpenAI-Alternativen und versprechen, zum Leistungsniveau der US-Konkurrenz aufzuschließen. Großen Andrang gab es etwa beim KI-Anbieter Sensetime. Das Update seines Sprachmodells Sensenova 5.5 soll eine Leistungssteigerung von 30 Prozent bringen, das sei „vergleichbar mit dem viel gepriesenen GPT-4o“, hieß es. Chinas KI-Primus iFlytek stellte ein Update seines Chatbots Sparkdesk vor, der im Vergleich zu den amerikanischen Vorbildern „erhebliche Fortschritte" gemacht habe, erklärte Firmenchef Liu Qingfeng.

Die Mitarbeiter am Stand wollten das nicht kommentieren, später meldete sich einer über den Multifunktionsmessenger Wechat: „Wir respektieren ChatGPT und lernen von ihnen“, schrieb er. „Aber wir stehen nicht in direkter Konkurrenz zu OpenAI, weil wir ein großes einheimisches Modell anbieten.“ China und die USA sollten „zusammen erfolgreich sein, sich aufeinander verlassen und gemeinsam Wachstum generieren“.

Die Zensur bremst die Entwicklung

Doch wer soll sich ernsthaft für KI-Modelle interessieren, deren Inhalte politisch zensiert werden? Viele Chinesen nutzen bislang die US-Alternativen über einen VPN-Tunnel, der für Privatnutzer gar nicht erlaubt ist. Und die begrenzte Rechenleistung führt dazu, dass sich chinesische KI-Unternehmen stärker auf klar abgrenzbare industrielle Anwendungen konzentrieren als auf allgemeine KI-Modelle, die viel mehr Leistung binden.

Mit großer Verbreitung: Generative KI wird einer Studie zufolge nirgendwo so häufig eingesetzt wie in der Volksrepublik. In China nutzten 83 Prozent der Unternehmen die Technologie, ergab eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage der Softwarefirma SAS und von Coleman Parker.

Auch an anderer Stelle zeigte sich, wie sehr Chinas Tech-Branche vom Wettbewerb mit den USA geprägt ist. Schon am Eingang zogen mehr als ein Dutzend humanoide Roboter aus chinesischer Produktion die Blicke auf sich. Auf der Messe, auf der Tesla-Chef Elon Musk einst vor „Killer-Robotern“ warnte, zeigten sich aber nur die Maschinen selbst regungslos. Nur wenige Meter weiter, am Tesla-Stand, war einer von Teslas humanoiden Optimus-Robotern hinter Glas ausgestellt. Futuristisch, aber irgendwie auch: tot.

Denn marktreif sind weder Musks Industrieroboter noch manche Alternative aus Chinas Produktion humanoider Roboter. Teslas Superroboter soll zwar eines Tages in der Industrieproduktion eingesetzt werden. Experten sind jedoch skeptisch, ob menschenähnliche Roboter, die viel Rechenleistung benötigen, effizient und nicht viel zu teuer sind.

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„Optimus“ am Stand von Tesla: Der Roboter blieb regungslos, war aber eine der Hauptattraktionen in Shanghai. Foto: AP

Die Entwicklung stecke ohnehin noch in den Kinderschuhen, sagte Neo Ni, Chef des Shanghaier Start-ups OY Motion. Das Tech-Start-up entwickelt unter anderem filigrane Roboterhandprothesen für Menschen, die bei einem Unfall Gliedmaßen verloren haben. Bei industriespezifischen Roboteranwendungen ist China allerdings sehr weit - der zu erwartende Preiskampf könnte auch deutsche Entwickler in die Knie zwingen.

Der Begeisterung der chinesischen Besucher für das US-Unternehmen tat das keinen Abbruch, kaum ein Objekt zog mehr Schaulustige an als Teslas „Optimus“. Auch diesen Wettstreit haben die USA vorerst für sich entschieden. Der Konkurrenzkampf ist aber bestimmt nicht am Ende.

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