Kolumne Geoeconomics: Warum es ein Fehler des Kanzlers war, die USA so unter Druck zu setzen
Die Entscheidung zur Lieferung von 14 Leopard-2-Panzern ist umstritten.
Foto: Getty ImagesDas Jahr 1977. Mitten im Kalten Krieg hält Bundeskanzler Helmut Schmidt vor dem Londoner Institut für strategische Studien (IISS) eine aufsehenerregende Rede: Die Stationierung der neuen sowjetischen Mittelstreckenrakete SS-20, die spezifisch Westeuropa bedrohe, könne die Nato nicht tatenlos zur Kenntnis nehmen. Ein glaubwürdiger Abschreckungsverbund setze angesichts dieser neuartigen sowjetischen Bedrohung Europas voraus, dass die USA im Ernstfall nicht gezwungen sein würden, gleich auf die Ebene der Interkontinentalraketen zu eskalieren.
Man könne schließlich nicht erwarten, dass die USA ihre Städte und ihr Territorium wegen einer ausschließlich auf Europa gerichteten sowjetischen Bedrohung der Totalvernichtung aussetzen würden. Kurz gesagt: Aus der Sicht von Helmut Schmidt war die Glaubwürdigkeit der Abschreckung infrage gestellt. Sein Vorschlag: Um das „Gleichgewicht des Schreckens“ wiederherzustellen, sollte das Bündnis mit gleicher Münze reagieren, also seinerseits nukleare Mittelstreckenwaffen in Europa dislozieren.
Nur so könne die nukleare Kopplung und damit die Glaubwürdigkeit der Abschreckung wiederhergestellt werden.
In der Folge kam es zum berühmten Nachrüstungsbeschluss, 108 amerikanische Pershing-II-Raketen und 464 Cruise-Missiles sollten in Europa stationiert werden. Die Folge waren gewaltige Antikriegsdemonstrationen, nicht nur in Deutschland, aber dann auch amerikanisch-sowjetische Verhandlungen, die schlussendlich zur „doppelten Nulllösung“ führten, also zur Eliminierung der gesamten Waffengattung nuklearer Mittelstreckensysteme.