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Kolumne „Out of the box“Laden Sie diese Menschen ab sofort aus Ihren Meetings aus

Nörgeln ist erfolgversprechender als machen. Dahinter steckt ein perfides Geschäft. Lassen Sie sich davon nicht anstecken, denn die Zukunft wird anders gebaut, warnt Frank Dopheide. 22.08.2023 - 12:16 Uhr
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Frank Dopheide ist Gründer und Geschäftsführer der Unternehmensberatung Human Unlimited, die sich auf das Thema „Purpose“ spezialisiert hat. Zuvor war er unter anderem Sprecher der Geschäftsführung der Handelsblatt Media Group und Chairman von Grey Worldwide.

Foto: Klawe Rzezcy, Getty Images

Willkommen im Zeitalter der Aufmerksamkeitsökonomie.

Hier wird Wert in Lautstärke gemessen, nicht in Leistung. Bedeutung und Einfluss erwirbt man nicht durch Können, sondern durch Kommentieren.

Der Buchkritiker findet mehr Gehör als der Schriftsteller. Der Analyst hat mehr Einfluss als ein Unternehmer*in. Follower sind wichtiger als Mitarbeitende.

Es geht nicht darum, ein Problem zu lösen, sondern das Fernsehduell zu gewinnen. Nörgeln ist erfolgversprechender als machen. Ein einfaches Rechenmodell. 

Die wirkmächtigsten Konzerne der Welt haben sich inzwischen auf die Seite der Lautsprecher geschlagen. Aufmerksamkeit ist ein Geschäftsmodell, das der Welt den Kopf verdreht und den Verstand raubt. Nicht wirklich neu, aber wirklich dramatisch.

Vor über einem Jahrhundert hat Theodore Roosevelt, als Präsident der USA, den Menschen dazu ins Gewissen geredet. Heute sind seine Worte aktueller als am Tag der Ansprache.

Es ist nicht der Kritiker, der zählt.
Theodore Roosevelt

„Es ist nicht der Kritiker, der zählt. Nicht der, der süffisant kommentiert, wie der Wagemutige strauchelt, und besser weiß, wie der Macher es hätte machen sollen. 

Die Anerkennung verdient der Mensch, der sich persönlich in den Ring wagt, dessen Gesicht von Staub, Schweiß und Verletzungen gezeichnet ist. Der tapfer ist und sich nach Kräften bemüht. Der sich irrt, der wieder und wieder zu kurz springt.

Keine Leistung wurde je außergewöhnlich, ohne die Fehler, ohne die Mängel. Es ist der, der versucht zu tun, was jetzt getan werden muss. Der wahre Begeisterung kennt. Und tiefe Hingabe. Der sich mit Haut und Haaren für die gute Sache einsetzt. Der erst ganz am Ende die Anerkennung seiner außergewöhnlichen Leistung erlebt − im besten Fall. 

Und der im schlimmsten Fall, seinem Scheitern, zumindest scheitert, während er wagt, das Undenkbare zu wagen. Sein Platz wird nie bei jenen kaltherzigen und großmäuligen Zusehern sein, die weder wahren Sieg noch echte Niederlage kennen.“

250
Millionen Stunden
verbringt Deutschland jeden Tag im Internet.

Aller seiner Erkenntnis zum Trotz läuft die Entwicklung in die falsche Richtung und gewinnt an Fahrt. Die Unternehmen und ihre Kanäle sind für alle Kritik offen. Jede Stimme zählt, wird getrackt und gewertet, auch wenn sie nicht reden, sondern lärmen will. 

Drei Stunden täglich schwimmen die Deutschen im Schnitt pro Kopf im Netz. 250 Millionen Stunden verbringt unser Land im Internet – jeden Tag. Dabei fließt viel Zeit in die Erzeugung und Verbreitung negativer Energie.

Gift, das alles und jeden lähmt. Auch die Unternehmen und das Land.

Nur die Wagemutigen nehmen die Dinge noch in die Hand. Sie treffen nicht auf Wohlwollen, sondern auf Kopfschütteln, Pfiffe und Fäuste: Rettungskräfte, Virologen, Politiker, Manager und Bademeister. Zuerst verlieren sie das Gehör, dann den Gestaltungswillen.

Kaum jemand bringt noch die Kraft auf, in den Ring zu steigen. Selbst hochdotierte Jobs sind nicht mehr leicht zu besetzen.

Deutschland hat das Stockholm-Syndrom

Die Entwicklung nimmt Fahrt auf. Deutschland zeigt erste Symptome des Stockholm-Syndroms − die Sympathie für die Übeltäter nimmt zu, die Zustimmungswerte steigen.

Die Menge unserer Tage, so scheint es, will nicht Macher, sondern Zuschauer sein. Sie möchte amüsiert werden, gucken und kommentieren. Teilnehmen, ohne selbst eine aktive Rolle zu übernehmen. 

Anders, als es in den sozialen Medien scheint, wird Zukunft nicht aus Likes gebaut. Das schwächste Glied in der Lieferkette ist der Mensch, der sich in den Ring wagt und etwas wagt.

Wir müssen aus der Denkfalle raus. Schweigen ist nicht Gold, sondern gefährlich. Der Klügere gibt nach, ist ein Denkfehler und der direkte Weg zur bedrohten Spezies.

Macher brauchen wieder Gehör

Machen wir die Macher stark: in den Medien und im täglichen Meeting.

Goodwill als Führungsprinzip für alle, die was wagen. „Behandle die Menschen so, als wären sie, was sie sein sollten, und du hilfst ihnen zu werden, was sie sein können“, lehrte schon Goethe.

Finde ich einen Unterschied zwischen den Daten und den Geschichten, gucke ich es mir genau an. Üblicherweise sind die Zahlen falsch.
Amazon-Gründer Jeff Bezos

Menschen können Naturgesetze aushebeln und über sich hinauswachsen, wenn sie von Goodwill getragen werden.

Schenken Sie ihnen mehr Gehör, Aufmerksamkeit und Budget. Laden Sie die Kommentatoren aus den Meetings aus. Lesen Sie keine Mails von Forwardern und cc-Setzern.

Neues funktioniert nie auf Anhieb. Lassen Sie sich deshalb nicht von Zahlen blenden. 

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Jeff Bezos blickt auf zwei Seiten: „Finde ich einen Unterschied zwischen den Daten und den Geschichten, gucke ich es mir genau an. Üblicherweise sind die Zahlen falsch.“

Und verbringen Sie weniger Zeit in den sozialen Medien. Das wirkt nachweislich gesundheitsfördernd.

Frank Dopheide
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