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Kolumne „Out of the box“Wie viel Freude muss Künstliche Intelligenz machen?

KI lässt sich in Unternehmen nicht per Anweisung implementieren. Statt Logik, Hierarchie und Pflichtschulungen braucht es Neugier und echte Alltagserlebnisse, meint Frank Dopheide.Frank Dopheide 01.10.2025 - 09:12 Uhr Artikel anhören
Frank Dopheide ist Gründer und Geschäftsführer der Unternehmensberatung human unlimited, die sich auf das Thema „Purpose“ spezialisiert hat. Zuvor war er unter anderem Sprecher der Geschäftsführung der Handelsblatt Media Group und Chairman von GREY Worldwide. Foto: Klawe Rzezcy, Getty Images

Die deutschen Unternehmen stehen vor einem großen Berg von Herausforderungen. Künstliche Intelligenz als neuen Mitarbeiter in die Organisation zu bringen, ist eine davon. Die Geschäftsführung träumt davon, dass die Belegschaft den künstlich intelligenten Kollegen mit offenen Armen empfängt, diese zeigt ihm jedoch nur die kalte Schulter. Der Grund dafür sind vier typische Stockfehler im Vorgehen. Wir kennen sie als hierarchisch, logisch, strategisch und mechanistisch.

Logisch: Das Management adressiert den Verstand, es hat schließlich handfeste Argumente. Doch gegen Bauschmerzen und Berührungsangst helfen auch tausend gute Gründe nicht die Bohne. Vor der Logik kommt die „Psychologik“. Denn das altbekannte Hamsterrad läuft reibungslos, wenn auch im roten Bereich. Alte Pfade zu verlassen, kostet Mut, Energie und Nerven. Und die liegen zurzeit blank.

Die Implementierung verlangt zuallererst die emotionale Hinwendung statt rationaler „Hindrängung“. Neugier wirkt besser als jede Handlungsanweisung. Das Interesse schafft die nötige Antriebsenergie. Freude und das persönliche Erlebnis helfen, die emotionale Hürde zu überspringen.

Ein großer freudvoller Aufschlag ist wichtig, um Aufmerksamkeit zu generieren und das Thema zum Gesprächsstoff zu machen. Dafür muss das Thema raus aus dem Intranet und in die Flure und Kaffeeküchen. Wir erinnern uns: als ChatGPT vor nicht mal tausend Tagen das Licht der Weltöffentlichkeit erblickte.

Die Nachrichten waren voll davon, aber noch wichtiger auch im Freundes- und Kollegenkreis wurde ChatGPT zum Gesprächsthema. Die Neugier war geweckt und jeder wollte es mit eigenen Augen sehen, um mitreden zu können. Die Menschen wandten sich der Technologie zu, statt von ihr ab und staunten, was auf einmal technologisch möglich war. Damit war schon viel gewonnen.

Der Weg der Künstlichen Intelligenz in die Organisation geht nicht von oben nach unten, sondern ab durch die Mitte.
Frank Dopheide

Mechanistisch: Die Implementierung ist als digitales Schulungskonzept angelegt. Jeder klickt sich durch. So funktionieren Maschinen, Menschen allerdings nicht. Nicht die Bedienungsanleitung, sondern das spielerische Ausprobieren ist der beste aller Türöffner. Einfachheit und Leichtigkeit sind der Treibstoff, durch den der Funke überspringt.

Wir erinnern uns: Schon Tage nach dem ChatGPT-Launch war die Welt voller persönlicher Geschichten über neu entdeckte Möglichkeiten zur Termin-, Reise- und Karriereplanung, zum Einsatz als Hausaufgabenhilfe, zum Trendscouting oder Englischlernen. Selbst langfristige Finanz- oder Paarberatung waren auf Klick möglich.

Hierarchisch: Die Anweisung von oben klingt schon per Organigramm nach mehr Arbeit. Deshalb gilt: je weniger Hierarchiestufen, desto höher die Übertragungsgeschwindigkeit. Der „Messenger“ (Absender) macht den Unterschied. Die „Order per Mufti“ resoniert weniger als die Geschichte der Kollegen von nebenan. Je ähnlicher das Jobprofil, desto höher die Glaubwürdigkeit. Das sollten sich Unternehmen zunutze machen. Der Weg der Künstlichen Intelligenz in die Organisation geht nicht von oben nach unten, sondern ab durch die Mitte.

Strategisch: Der ökonomische Reflex und die Kostenkalkulation kommen stets zu anderen Prioritäten als das menschliche Bedürfnis. Dabei ist nicht der finanziell sinnvollste Case der Türöffner, sondern der spürbarste, alltägliche Unterschied für den Einzelnen. Da kann der erste Kontakt mit der Künstlichen Intelligenz auch eine ganze Nummer kleiner sein. Die Wetter-App und Google Maps haben es einfach gemacht. Wer will schon darauf verzichten?

Auch für die KI-Implementierung gilt: Die kleinen Dinge sind dabei der große Hebel. Wer auf Knopfdruck von jeder Reisekostenabrechnung befreit ist, spürt die Freude. Wer nach Meeting-Ende den künstlich intelligenten Besprechungsbericht inklusive seiner To-do-Liste in die Hand bekommt, sieht den Unterschied. Damit lässt sich arbeiten.

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Zusammenarbeit macht Freude, auch für Mensch und Maschine. Erst kommt die emotionale Hinwendung, dann die tägliche Anwendung. Statt der klassischen Bedienungsanleitung und Einwilligungserklärung brauchen Mitarbeitende Bewegungs- und Spielraum, um den neuen Kollegen auf Herz und Nieren zu prüfen, um ihn und seine künstlichen Fähigkeiten schätzen zu lernen. Je alltäglicher, desto nachhaltiger. Diese dann zum Gesprächsstoff zu machen, ist der Anfang einer wunderbaren Freundschaft.

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