Märkte Insight: Die Nervosität der Anleger wächst

Die sich verstärkenden Kursschwankungen sind oft ein Vorbote für eine ausgedehntere Korrektur.
Foto: HandelsblattKurz vor dem Ende der Berichtssaison zum zweiten Quartal fällt auf, dass die Anzahl der positiven Überraschungen überwiegt. Im Dax beispielsweise hoben viele Unternehmen ihre Jahresprognosen an, darunter Adidas, Eon, RWE und Mercedes. Gestiegen sind die Aktienkurse dieser Unternehmen aber nicht. Ebenso wenig der Dax. Im Gegenteil: Der Leitindex notiert schwächer als vor Beginn der Halbjahresberichte.
Auffällig ist, dass die Kursausschläge größer werden. Infineon beispielsweise rutschte vor einigen Tagen nach Vorlage seiner Quartalszahlen um mehr als zehn Prozent ab, obwohl der Konzern erneut Rekordzahlen veröffentlichte, seinen optimistischen Ausblick bestätigte und sich sogar über das laufende Jahr hinaus sehr optimistisch zeigte.
Doch die zugleich angekündigten Zukunftsinvestitionen von weiteren fünf Milliarden Euro in Malaysia alarmierten viele Investoren. Bei Skeptikern überwiegt die Sorge, dass am Ende eine Chip-Überproduktion die Preise und damit auch die Unternehmensgewinne unter Druck setzen wird.
Nicht der Mut und die Chancen stehen im Vordergrund, sondern die Risiken und Nebenwirkungen. Ein typisches Zeichen für eine eher von Angst geprägte Börsenphase.
Oder Siemens Energy: Hier erlebten Anlegerinnen und Anleger am Montag eine wahre Kurs-Achterbahnfahrt: Als der Konzern seine Aktionäre zum wiederholten Mal mit einer Milliardenabschreibung und hohen Verlusten konfrontierte, schoss der Aktienkurs erst einmal um bis zu sieben Prozent nach oben.
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Offenbar verbanden Aktionäre damit die Hoffnung, dass nun endlich alle negativen Nachrichten auf dem Tisch sind. Doch dann drehte die Aktie ins Minus und schloss am Ende mit einem Verlust von fast sieben Prozent. Die Tagesschwankungsbreite lag also bei 14 Prozentpunkten. Wie bei Infineon setzten sich auch bei Siemens Energy die Skeptiker durch.
Der Markt wird anfällig für Rückschläge
Eine mögliche Schlussfolgerung aus diesen abrupten Kursreaktionen ist wohl, dass die Luft nach oben dünner wird. Was so viel heißt, als dass die Nervosität an den Börsen zunimmt. Der Markt wird damit anfälliger für Rückschläge.
Diese sich verstärkenden Kursschwankungen sind oft ein Vorbote für eine ausgedehntere Korrektur, also schwächere Börsenzeiten. Möglicherweise hat diese Phase sogar schon begonnen. Denn auch am Dienstag notierten die Börsen schwächer. Der Dax schloss mit 15.774 Punkten 1,1 Prozent im Minus. Der Euro-Zonen-Leitindex Euro Stoxx 50 verlor ebenfalls rund ein Prozent.
Als Auslöser dafür galt die Herabstufung mittelgroßer und kleinerer US-Banken durch die Ratingagentur Moody’s – einschließlich des Hinweises, dass demnächst auch größere Geldhäuser herabgestuft werden könnten. Die Bonitätsprüfer sorgen sich um die Vermögenswerte der Institute angesichts der Krise bei Gewerbeimmobilien.
Dementsprechend eröffneten auch die US-Börsen schwächer: Zwei Stunden nach Handelsbeginn stand der Dow Jones rund ein Prozent im Minus.
Nach dem erneut schwachen Handelstag hat der Dax im August bislang fünf Prozent verloren. Erholungsversuche und größere Käufe optimistischer Anleger gab es in diesem noch jungen Börsenmonat bislang so gut wie nicht. Es sieht momentan ganz nach einer Korrektur aus – so, wie es dem saisonalen Muster entspricht, wonach die Monate August und September für solch eine schwächere Phase traditionell besonders anfällig sind.