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Prüfers KolumneDie Tücken des Job-Datings

Unser Kolumnist beschäftigt sich seit Langem mal wieder mit Stellenanzeigen – und stellt überraschende Parallelen zum Dating-Markt fest.Tillmann Prüfer 08.03.2024 - 17:36 Uhr
Moderne Stellenanzeigen müssen nun formuliert werden wie früher Kontaktanzeigen meint Kolumnist Tillmann Prüfer. Foto: PR, Getty [M]

Ich habe mich schon lange nicht mehr auf eine Stelle beworben. Wenn man sich so umhört, hat man den Eindruck, dass Job-Inserate heute nicht mehr so gemeint sind, dass Unternehmen Gelegenheit bieten, damit interessierte künftige Mitarbeiter sich bei Ihnen bewerben können.

Stattdessen bewerben sich damit Unternehmen bei potenziellen künftigen Mitarbeitern und versuchen, sie irgendwie dafür zu gewinnen, sich bei ihnen zu melden, um sich mal gemeinsam darüber austauschen zu können, ob man sich mitunter vorstellen kann, dass man zusammenarbeiten könne. Das bringt offenbar auch erfahrene Personaler schnell an ihre Grenzen.

Denn moderne Stellenanzeigen müssen nun formuliert werden wie früher Kontaktanzeigen. Aber am Ende des Tages geht es dann ja doch um etwas ziemlich Unangenehmes, nämlich Arbeit.

Arbeit hat neben all dem Großartigen, das sie bietet, auch die Eigenschaft, dass sie anstrengend und zeitintensiv sein kann. Deswegen gibt es dafür ja auch Geld. Wäre Arbeit an sich nur geil, dann würde sie nicht bezahlt werden, sondern etwas kosten. So wie ja alle möglichen Sachen, bei denen sonst Menschen nett zu einem sind, auch etwas kosten.

Ich habe nun in der „Welt“ von einer Umfrage der Plattform Preply gelesen, was die nervigsten Floskeln in Stellenanzeigen sein sollen. Der Spitzenreiter unter den Befragten, war „work hard, play hard“, Jene Floskel soll wahrscheinlich suggerieren, dass das Unternehmen, bei dem man sich bewerben soll, tatsächlich viel von den Mitarbeitern abverlangt, dass aber auch hart gefeiert wird.

Dazu möchte man andeuten, dass es irgendwie jung in dem Unternehmen zugeht. Doch offenbar kommt das „work hard“ nicht so gut an. Auf Platz zwei der unbeliebten Floskeln ist der erwünschte „Alleskönner“ , gleich gefolgt von der Arbeit „jenseits der Nine-to-five-Mentalität“. Folglich kommt alles, was irgendwie nach außerordentlicher Anstrengung aussieht, nach Überstunden und einem geforderten breiten Kompetenzprofil tatsächlich nicht gut an.

Wie Unternehmen besser lügen könnten

Wie würde wohl eine Kontaktanzeige oder ein Tinder-Profil funktionieren, wenn dort stünde: „Ich bin in den ersten drei Tagen ein tatsächlich sehr aufmerksamer Typ, allerdings wirst du nach einigen Wochen feststellen, dass ich am liebsten zu Hause rumhänge und Grand Theft Auto zocke. Außerdem werde ich mich als ziemlich geizig herausstellen, deswegen habe ich auch keine Freunde.“ Es würde nicht funktionieren.

Unternehmen können daraus nur lernen, dass sie künftig ihren Mitarbeitern gegenüber genauso lügen sollten, wie das auch Kontaktanzeigen tun. „Nettes Team sehr gut aussehender Menschen sucht jemanden, der Lust hat, den ganzen Tag mit uns abzuhängen und Netflix zu gucken, Kühlschrank immer voll, es gibt eine Sauna.“ Das würde vielleicht funktionieren.

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Könnte sein, dass sie es nachher doof finden, wenn doch gearbeitet werden soll, das könnte ein Problem werden. Alternativ könnte man von den neuen Mitarbeitern einfach keine Arbeit verlangen, dafür Bezahlung. Das wäre dann ein neues Geschäftsmodell.

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