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Prüfers KolumneMein Friseur traut Aktien nicht

„Cash only“ – es ist seltsam, dass ein Staat grundsätzlich davon ausgeht, dass seine Bürger betrügen – nur weil er ihnen nicht ständig auf die Finger schauen kann.Tillmann Prüfer 12.04.2025 - 13:43 Uhr Artikel anhören
Tillmann Prüfer ist Mitglied der Chefredaktion des „Zeit-Magazins“. Foto: Handelsblatt

In vielen Cafés kann man heute nur mit Bargeld zahlen. Bei meinem Friseur geht auch nur Bargeld – das Kartengerät sei leider kaputt, sagt er. Er komme einfach nicht dazu, es auszutauschen. Er habe eben viel zu tun, mein Friseur. Außerdem sagt er, dass er sämtliche digitalen Zahlungsformen hasst. Ein Grund dafür: die Datenspuren, die sie hinterlassen. Man könne dann kein Geld mehr am Finanzamt vorbeischleusen.

Aus den Koalitionsverhandlungen war zu hören, dass künftig jeder Restaurantbesitzer eine bargeldlose Zahlungsart anbieten soll. In der „Welt am Sonntag“ stand, der Staat verliere durch „Cash only“ jährlich rund 15 Milliarden Euro an Steuern. Die Wirtschaft hingegen murrt – dem Staat falle eben mal wieder nur mehr Bürokratie ein, anstatt innovativ zu sein. Man hört ja oft, dass gerade kleine Restaurants alle möglichen Probleme haben, überhaupt über die Runden zu kommen. Viele Betriebe machen dicht.

Mein Verdacht: Die meisten Menschen essen lieber bei einem Steuerhinterzieher als gar nicht mehr im Restaurant. Eigentlich ist es doch eine clevere Idee, sich bar bezahlen zu lassen. Warum gibt es denn Bargeld, wenn man es am Ende gar nicht benutzen soll? Soll künftig auch das Taschengeld nur noch bargeldlos ausgezahlt werden, damit der Staat gleich nachvollziehen kann, ob sich die Kinder da Steuerschlupflöcher schaffen?

Ich vermute ohnehin, dass viele Branchen überhaupt nur funktionieren, weil sie so halb legal sind. Deswegen sind sie aber nicht automatisch schlecht – immerhin haben Menschen dadurch Arbeit und etwas zu tun. Das ist doch besser, als wenn sie steuerlich korrekt zu Hause sitzen.

Misstrauen ist kein gutes Fundament

Außerdem finde ich es seltsam, dass ein Staat grundsätzlich davon ausgeht, dass seine Bürger betrügen – nur weil er ihnen nicht ständig auf die Finger schauen kann. Die Grundlage jeder Beziehung sollte Vertrauen sein. Das kennt man doch aus dem Privaten: Wenn Partner voneinander verlangen, dass alles mit Datenspuren belegbar sein muss, weil man sich sonst misstraut – dann ist es nicht gut um diese Beziehung bestellt. Am Ende muss man die Scheidung fürchten. Misstrauensverhältnisse sind keine guten Verhältnisse.

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Der beste Staat wäre doch einer, der darauf vertrauen kann, dass die allermeisten Menschen ehrlich genug sind, um ihn nicht megamäßig zu bescheißen. Und manches will man doch auch gar nicht wissen, oder?

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Ich fände es vielleicht sogar ganz schön, wenn ich am Monatsende eine Lohntüte in die Hand gedrückt bekäme. Dann hätte ich das Gefühl, wirklich etwas geleistet zu haben – und würde den Euro auch wieder mehr wertschätzen. Vielleicht würde ich gleich zum Friseur gehen und mir einen neuen Haarschnitt verpassen lassen.

Mein Friseur sagt übrigens, er habe seine gesamte Altersvorsorge in Gold angelegt. Er traue Aktien nicht. Vielleicht hat er wirklich Ahnung von Geld.

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