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SportDeshalb sollten Sie nicht jedem Lauftrend blind hinterherlaufen

Sport unterliegt Moden – selbst eine so natürliche Bewegung wie das Laufen. Unser Kolumnist hat zahlreiche Trends kommen und gehen sehen. Eines haben alle gemeinsam.Thorsten Firlus 11.09.2025 - 16:24 Uhr Artikel anhören
Kolumnist Firlus, Läufer: Immder dem nächsten Trend hinterher. Foto: Firlus, Dpa

Haben Sie sich schon mal gefragt, warum einige Läufer kleine Gewichtshanteln in den Händen halten? Warum auch Radprofis eine Art Pflaster auf der Nase tragen? Warum einige Schwimmer immer mit nach Spielzeug anmutenden Gerätschaften am Rand des Schwimmbeckens auflaufen?

Kennen Sie Ausdauersportler, die ihre Ernährung um Kreatine ergänzen? Die von Ketose faseln? Die Angst haben, die „Zone 2“ zu verlassen? Die, bevor sie zu einer gemeinsamen Laufrunde aufbrechen, ein Fartlek-Training vorschlagen?

Der Laufsport ist eigentlich profan: einen Fuß vor den anderen, möglichst so schnell, dass irgendwann jeder Schritt ein kleiner Flug wird. Daran hat sich im Wesentlichen seit Jahrzehnten nichts geändert.

Was sich ändert, sind die Trends, die damit einhergehen im Ausdauersport. Die Wissenschaft erzielt fortwährend Erkenntnisse darüber, was in unseren Körpern passiert, wenn wir sie belasten. Daraus generieren sich Anwendungen und Methodiken, die teils als Produkte in das Leben von uns Hobbysportlern sickern.

Niemand läuft mehr mit Barfußschuhen

Meine intensivste Laufphase fiel in die Ära des Barfußlaufens. Sprich, die Laufschuhe, ohne die es nicht ganz geht mindestens als Schutz gegen Steinchen und Scherben, sollten so wenig der „natürlichen“ Laufbewegung des Fußes im Wege stehen wie möglich.

Weg! Macht keiner mehr. Trend: vorbei. Heute ist maximale Dämpfung der heiße Scheiß, die ersten Modell erinnern an ein Hooverboot. Ich weiß noch, wie die ersten Modelle der Schuhe mit sehr hohen Sohlen auf den Markt kamen: Man bestaunte die Läufer. Heute: Standard.

Hohe Trittfrequenz auf dem Rad, niedrige, kurze Kurbeln, lange Kurbeln? Und wie viele Kohlehydrate bekommen Sie inzwischen die Stunde den Magen runter? Je mehr, desto gelbes Trikot. Was bei den Profis immer systematischer angelegte Konzepte sind, degeneriert beim Amateur schnell zum bloßen „Viel hilft viel“.

Das galt auch mal für die Menge an Kilometern, die man als Läufer pro Woche zurücklegen sollte. Viel galt als sinnvoll. Je mehr, desto Training. Irgendwann kamen die kritischen Stimmen, die mehr auf gezielte Reize setzen, die „leere“ Kilometer für wenig sinnvoll halten – zumindest wenn es um Leistungsverbesserung gehen soll. Das geistige Wohlbefinden steht selten im Fokus. Ich halte das für unterschätzt. Mir liegen leere Kilometer ohne Aufgabe und Druck. Aber das nur am Rande.

Welchem Ratgeber ich noch folge

Selbstverständlich gilt alles, was Trends auszeichnet, so lange als Stand der Dinge, bis das Nächste kommt. Das ist in allen Ratgebern so. Was also tun?

Ich habe in all den Jahren Menschen kennengelernt, die Trends ignorieren und eigentlich geradezu gegen jede Empfehlung leben und trainieren – und damit sehr schnell sind. Und welche, die vieles richtig zu machen scheinen, aber im entscheidenden Moment im Wettbewerb Probleme bekommen.

Was im Prinzip immer gleich bleibt, das sind wir selbst. Die Evolution ist fix, aber auch nicht so fix, dass unsere Körper sich so schnell ändern. Die Laufverletzungen bleiben die gleichen, die Prozesse unseres Stoffwechsels hinken vielleicht noch etwas hinterher.

Der Einzige, der final entscheiden kann, welcher Trend sinnvoll für Sie selbst ist, sind eben Sie selbst.

Thorsten Firlus ist Handelsblatt-Redakteur und ambitionierter Sportler. Im Handelsblatt-Wochenende lässt er Sie alle 14 Tage an seinen Erkenntnissen teilhaben.

Erstpublikation: 04.09.2025, 17:42 Uhr.

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