Sport: Wie Sie Ihren Trainingsplan auf Dienstreisen gestalten können
Für die gute Vorbereitung eines Wettbewerbs, das gilt für Profis wie für Amateure, sind Abweichungen von den Plänen Gift. Im schlimmsten Fall erfordern Verletzungen eine Trainingspause, im besten Fall fällt einfach mal eine Einheit aus wegen einer Familienfeier.
Auch wenn seit der Pandemie und dem Siegeszug der Videokonferenzen die Zahl der Geschäftsreisen nie wieder auch nur annähernd das Niveau von 2019 erreicht hat, spielen sie mit 107 Millionen Dienstreisen in Deutschland noch immer eine gewichtige Rolle im Leben der arbeitenden Menschen.
Fremde Umgebung, fremde Infrastruktur, fehlende Mitgliedschaft im Fitnessstudio, Wechsel der Zeitzone, Gepäckmenge, verplante Tagesabläufe – die Ursachen, dass die gewohnte Sporteinheit flachfällt, sind mannigfaltig. Manchmal ist es auch nur der späte Abendtermin für die Geselligkeit.
Was ich an Dienstreisen so schätze
Dennoch sind Dienstreisen immer auch eine gute Gelegenheit, die Routinen zu durchbrechen, Abwechslung in die Belastung einzustreuen und neue Motivation für die Anstrengungen zu finden. Einige der schönsten Sporterlebnisse verdanke ich Jetlags und Trips in entlegenste Winkel, in die ich sonst nie gekommen wäre.
Schneespuren in Aue-Bad Schlema, Stille am Bosporus um sechs Uhr morgens, ein leerer Times Square noch viel früher. Mein Fotoalbum ist voll mit Schnappschüssen aus unbekannten Gegenden voller Reiz.
Einige Dinge helfen, um dann auch wirklich zumindest eine abgespeckte Form des Trainings absolvieren zu können, wenn etwa gerade kein Schwimmbad in der Nähe ist, für eine dreistündige Radfahrt Rad und Zeit fehlen.
Glücklich sind jene, die zum einen vor allem im Fitnessstudio trainieren. Kaum ein besseres Businesshotel, das nicht mindestens ein paar Geräte hat, auf denen Kraft und Ausdauer zu trainieren sind. Mitgliedschaften in Ketten wie Urban Sports erlauben es gar, auch in Studios fern der Heimat zu trainieren. Wer das in seine Reisepläne einpflegt, sollte ausreichend Zeit für Bewegung finden.
Welcher Sport auf jeder Dienstreise funktioniert
Der Laufsport, die wohl universellste Sportart von allen, ist per se überall zu betreiben, wo fester Untergrund ist. Hotels sind seit Jahren darauf vorbereitet, nicht nur eine Übersicht über Laufstrecken rund um das Hotel zu geben, sondern die morgendlichen Läufer nach deren Rückkehr mit einer kleinen Station mit Wasser, Handtüchern und Obst zu versorgen.
Sollte keine Karte vorhanden sein, können heute gut Webseiten wie Komoot helfen, in der Umgebung erprobte Laufstrecken zu finden. Solche Funktionen bieten selbstverständlich auch Strava oder die Programme Flow und Connect von Polar und Garmin an. Es ist kein Hexenwerk, erprobte Strecken zu finden.
Ich selbst mag die Überraschung und laufe los, auch in Gegenden, die ich nicht kenne. Eine einfache Art der Navigation half mir stets in Zeiten, in denen meine GPS-Uhr nicht auch die Funktion „Nach Hause navigieren“ anbot: immer geradeaus laufen. Nach der Hälfte der gewünschten Zeit oder Distanz drehen und exakt den Weg zurück. Wenn eine Abzweigung unvermeidlich ist, nur diese gut merken, auch einmal mit einem Blick zurück. Markante Punkte wie bunte Gebäude oder Plakate helfen.
Im Gegenzug bekommt die Hobbyläuferin und der Hobbyläufer vor allem in den touristischen Metropolen eine Stadtbesichtigung der besonderen Art. Die frühen Stunden des Tages entlocken noch jeder Metropole einen besonderen Reiz, und dank des forscheren Tempos streift man unter Umständen mehr Sehenswürdigkeiten, als man sonst in drei Tagen Städtetrip schaffen würde.
Für mehrtägige Reisen ist daheim wichtig, die ausreichende Zahl an Sportsachen einzupacken, denn dass man immer eine Gelegenheit zum Waschen findet, außer man setzt auf die kostspieligen Services der Hotels, ist unwahrscheinlich. Badehose IMMER einpacken, auf einmal ist doch eine Gelegenheit für ein paar Bahnen da und so manches Mal habe ich kurz davor gestanden, eine neue zu kaufen.
Wenn die Gegebenheiten so sind, dass sich entweder wegen außerordentlicher Temperaturen oder unklarer Sicherheitslage Ausflüge in die unbekannte Umgebung nicht empfehlen, kein eigener Fitnessraum vorhanden ist, dann bleibt am Ende vielleicht immer noch die gute alte Liegestütze und andere Klassiker der Leibesertüchtigung. Alles, was es dafür braucht, ist der Boden im Hotelzimmer.
Thorsten Firlus ist Handelsblatt-Redakteur und ambitionierter Sportler. Im Handelsblatt-Wochenende lässt er Sie alle 14 Tage an seinen Erkenntnissen teilhaben.
Erstpublikation: 01.10.2025, 14:37 Uhr.