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VermögenWarum wird Bill Gates sein Geld nicht los?

Der Microsoft-Gründer gibt Milliarden aus. Trotzdem schrumpft sein Vermögen nicht. Das liegt auch an einer Regel, die die USA Deutschland voraushaben, schreibt unser Kolumnist.Felix Oldenburg 18.11.2025 - 09:18 Uhr Artikel anhören
Bill Gates, Felix Oldenburg: Es gibt drei Antworten darauf, warum der Microsoft-Gründer sein Geld nicht ausgeben kann, schreibt Oldenburg. Foto: AP, Viktor_Strasse

Bill Gates wird einfach nicht ärmer. Der ehemals reichste Mann der Welt hat sich bereits vor 25 Jahren bei der Gründung der Gates Foundation dazu entschieden, sein gesamtes Geld für Bildung und Gesundheit im globalen Süden einzusetzen. Damals war sein Vermögen 63 Milliarden Dollar wert. Inflationsbereinigt wären das heute 120 Milliarden Dollar.

Seitdem hat die nach wie vor größte Stiftung der Welt etwa einhundert Milliarden Dollar ausgegeben. Zwanzig Jahre später war Bill Gates trotzdem nicht ärmer. 2020 war er hinter Jeff Bezos noch der zweitreichste Mann der Welt mit 98 Milliarden Dollar, was heute ebenfalls 120 Milliarden Dollar entspricht.

Und heute? Auch weitere fünf Jahre später ist er noch 118 Milliarden Dollar wert. Warum schafft es Bill Gates einfach nicht, sein Geld auszugeben? Darauf gibt es gleich drei Antworten, und jede ist eine Lektion für Wohltäter in Deutschland.

Die Gründe für die Entwicklung des Gates-Vermögens

Erstens schaut er nicht nur auf sein eigenes Geld, sondern er mobilisiert ein Vielfaches von anderen Vermögenden. Warren Buffett hat bis 2022 etwa ein Drittel des Budgets der Gates-Stiftung beigesteuert, statt eine eigene Stiftung zu gründen. Und 250 Reiche aus 30 Ländern haben den „Giving Pledge“ unterzeichnet und so eine Billion für gute Zwecke zu ihren Lebzeiten versprochen. In Deutschland gibt es dagegen nur wenige und eher kleine Gemeinschaftsstiftungen, und den Giving Pledge hat bisher nur Hasso Plattner unterschrieben.

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Buffett schreibt ein letztes Mal als Berkshire-Chef an Aktionäre und spendet 1,3 Milliarden Dollar

Zweitens legt die Stiftung ihr Vermögen sehr erfolgreich an, im letzten Jahr hat sie über elf Prozent Rendite erreicht. Selbst die größten deutschen Stiftungen erreichen nur weniger als die Hälfte dieser Rendite. Wichtiger aber: Die Gates Foundation gibt das erwirtschaftete Geld tatsächlich für Förderungen aus, sieben Milliarden Dollar im letzten Jahr allein – ihre deutschen Counterparts laut eigenen Angaben meist nur zwischen ein und zwei Prozent.

Das könnte man ändern: In den USA verlieren gemeinnützige Vermögen ihre Steuervorteile, wenn sie weniger als fünf Prozent ihres Vermögens ausschütten. In Deutschland wäre das auch eine gute Idee. Starten könnten die Stiftungen mit einer Selbstverpflichtung. Sicher würde das auch beim Einwerben von Zustiftungen helfen.

Der Erfolg von Bill Gates bei der Vermögensanlage und Zustiftungen schafft ihm aber ein Problem: Auch seine Stiftung wird das Geld einfach nicht los. Deshalb hat er sie drittens in diesem Jahr noch einmal kräftig umgekrempelt. Viel schneller soll sie nun ihr Geld ausgeben, damit er sein eigenes Versprechen einlöst, nicht als vermögender Mann zu sterben. Und weil es viel teurer wäre, die Probleme erst in einigen Jahrzehnten zu lösen.

Auch in Deutschland würden das einige Stifter gern tun, können es aber nicht. Weil es hierzulande rechtlich kaum möglich ist, zu lernen und Stiftungssatzungen an eine veränderte Welt anzupassen.

Die Vorzüge der Transparenz

Und ein letzter Punkt: Nur weil US-Stiftungen ihre Finanzen offenlegen müssen und Bill Gates darüber spricht, können wir uns überhaupt damit auseinandersetzen.

Melinda French Gates: Andere Strategie als ihr Ex-Mann. Foto: REUTERS

Deshalb können Experten hinterfragen, ob die Gesundheitsprogramme der Gates Foundation tatsächlich funktionieren. Deshalb können Kritiker anmerken, dass die meisten der Unterzeichner des Giving Pledge weiter Vermögen aufbauen statt weggeben – und das Ganze als „Hoarding Pledge“ bezeichnen. Deshalb kann eine Öffentlichkeit diskutieren, ob Bills geschiedene Frau Melinda French Gates mit ihrer Strategie richtiger liegt, ihr Geld ohne eigene Stiftungsbürokratie und direkt in großen Summen an Organisationen zu überweisen.

Die deutschen Stiftungen profitieren zwar von Steuerprivilegien, müssen aber fast nichts veröffentlichen. Und über ihre Finanzen sprechen die Wohltäter selten freiwillig. Ohne informierte Diskussion gibt es aber weder Lernen noch Reformen. Dabei wäre beides dringender nötig als je zuvor.

Felix Oldenburg ist Autor („Der gefesselte Wohlstand“, 2025) und CEO des Stiftungs-Start-ups Bcause. Zuvor leitete er den Bundesverband Deutscher Stiftungen und das Sozialunternehmernetzwerk Ashoka. Mit Unternehmen, Podcast und Newsletter ermutigt er alle, die mehr beitragen können, zu einem neuen Geben.

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Erstpublikation: 14.11.2025, 04:00 Uhr.

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