Kommentar: Für China sind Zölle von 145 Prozent nicht schlimmer als von 34 Prozent

34 Prozent, 54 Prozent, 104 Prozent, 145 Prozent – fast im Tagestakt erhöht US-Präsident Donald Trump die Zölle auf chinesische Importe. Er bezeichnet China als „großen Übeltäter“ und behauptet, Staatschef Xi Jinping wolle unbedingt ein Abkommen schließen, wisse aber nicht, wie. Das klingt nach einer dramatischen Eskalation. Doch für die Volksrepublik sind Zölle von 145 Prozent nicht schlimmer als von 34 Prozent.
Der Grund: Viele chinesische Exporte in die USA wie Computerteile, Smartphones, Spielzeug und Videospiele haben eine Gewinnspanne von rund 30 Prozent, wie eine Analyse der Ratingagentur S&P zeigt. Bei Bekleidung sind es 37 Prozent. Das heißt: Schon Zölle von 34 Prozent machen den US-Markt für die meisten chinesischen Exporteure unattraktiv. Trump hat sein Abschreckungspotenzial also bereits voll ausgeschöpft.
Das bedeutet aber auch, dass für chinesische Unternehmen der wichtige US-Absatzmarkt de facto ab sofort wegbricht. Es sei denn, die US-Kunden sind bereit, den durch die Zölle entstehenden Preisaufschlag zu akzeptieren. Dies dürfte aber nur bei Spezialprodukten der Fall sein, für die Hersteller aus anderen Ländern oder aus den USA selbst keinen Ersatz liefern können.