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Kommentar2024 ist das Jahr, in dem China Südamerika vereinnahmt

Der Westen schläft, und Südamerika lässt Peking gewähren. Europa wird die politische Dynamik bald auch wirtschaftlich zu spüren bekommen.Alexander Busch 14.09.2024 - 11:50 Uhr
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Xi Jinping wird im November den neuen Überseehafen Chancay in Peru einweihen. Foto: IMAGO/Xinhua

Der Westen scheint sich damit abgefunden zu haben, dass Chinas Einfluss in Südamerika als Handelspartner und Investor rasant gewachsen ist. Doch weitgehend unbeachtet stehen in den nächsten Monaten einige Ereignisse an, die auch die politische Dominanz Chinas in der Region deutlich stärken werden.

So wird der chinesische Staatspräsident Xi Jinping im November den neuen Überseehafen Chancay in Peru einweihen. Der chinesische Hafenbetreiber Cosco baut den mit Abstand größten Tiefseehafen auf der Pazifikseite Südamerikas. Der Containerhafen wird die Fahrzeit zwischen Südamerika und China um zehn Tage verkürzen.

Der Hafen ist das Vorzeigeprojekt der chinesischen Belt and Road Initiative (BRI) in Lateinamerika. Damit baut Peking weltweit die Infrastruktur für den Handel nach seinen Interessen um. In Lateinamerika haben 22 von 33 Staaten ein BRI-Abkommen mit China unterzeichnet.

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Peking drängt nun vor allem Brasilien, ebenfalls ein solches Abkommen zu unterzeichnen. Auf dem G20-Gipfel in Brasilia im November will Präsident Xi ein solches Abkommen als jüngsten außenwirtschaftlichen Triumph zum 50-jährigen Jubiläum der brasilianisch-chinesischen Beziehungen präsentieren.

Wichtige Vertreter von Lulas Arbeiterpartei drängen ebenfalls seit Längerem auf einen Beitritt Brasiliens zur BRI-Initiative. Auch die Ex-Präsidentin Dilma Rousseff würde gern als Chefin der New Development Bank – also der „BRICS-Bank“ in Peking – ein großes Investitionsprojekt für die Infrastruktur Südamerikas verkünden. Eine Zug- oder Straßenverbindung an den Pazifik zum neuen chinesischen Hafen in Peru könnte so eines sein.

Mit Uruguay hat China gerade ein Memorandum of Understanding für eine künftige Wirtschaftsgemeinschaft zwischen beiden Staaten unterzeichnet. Ein solches Abkommen würde das Ende des Mercosur in seiner jetzigen Form bedeuten. Denn Uruguay ist Mitglied und müsste dann austreten. Ob es der EU gelingt, das stagnierende Abkommen mit Südamerikas größter Wirtschaftsgemeinschaft vorher abzuschließen, ist offen.

Auch der zunehmend von China dominierte Staatenbund BRICS könnte bei seinem Treffen Ende Oktober in Russland die Aufnahme neuer Mitglieder aus Südamerika verkünden. Vor allem Venezuela und Bolivien wollen unbedingt beitreten. Damit würde Chinas Einfluss in Südamerika deutlich wachsen.

Chinas politische Offensive in Südamerika verläuft schnell, effizient und weitgehend unbemerkt. Während diplomatische Initiativen aus Europa oder den USA in der Region zuverlässig für Polemik sorgen, löst Chinas Vorgehen keinerlei Reaktionen aus.

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