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Kommentar Anleger und Aufseher sind zu Recht von den Betrugsvorwürfen gegen Grenke alarmiert

In Deutschland hat man sich lange schwer damit getan, die Kritik von aktivistischen Investoren ernst zu nehmen. Der Fall Wirecard hat das geändert. Das ist gut so.
16.09.2020 - 17:05 Uhr Kommentieren
Es ist schon jetzt ein sehr wichtiges Signal, dass die Bafin nicht in alte Reflexe zurückfällt und sich wieder nur eine mutmaßliche Marktmanipulation durch Dritte, also beispielsweise Shortseller, anschaut. Quelle: dpa
Attacke auf MDax-Konzern Grenke

Es ist schon jetzt ein sehr wichtiges Signal, dass die Bafin nicht in alte Reflexe zurückfällt und sich wieder nur eine mutmaßliche Marktmanipulation durch Dritte, also beispielsweise Shortseller, anschaut.

(Foto: dpa)

Wären die sehr harten Betrugsvorwürfe gegen den beschaulichen Mittelständler Grenke vor einigen Jahren laut geworden, hätte sie in Deutschland vermutlich niemand ernst genommen. Denn sie kommen von einem britischen Shortseller, einem Investor also, der auf fallende Kurse des Unternehmens setzt und daran verdient, wenn diese Wette – angetrieben durch die Negativschlagzeilen – aufgeht. Ob die Fundamentalkritik berechtigt ist oder nicht, das war hierzulande bis vor Kurzem zweitrangig. Das Feuer von der Seitenlinie war schlicht verpönt. 

Bis zum Fall Wirecard. Denn heute ist klar: Man hatte sich viel zu lange auf die internen Kontrollmechanismen verlassen. Die Finanzaufsicht Bafin auf den Aufsichtsrat, der Aufsichtsrat auf die Wirtschaftsprüfer, die Wirtschaftsprüfer auf gefälschte Zahlen. Wohin es führt, wenn alle diese Instanzen versagen, ist bekannt.

Besonders pikant: Der Abwehrmechanismus gegen unbequeme Kritik von außen ging sogar so weit, dass sich die Bafin die Shortseller vorknöpfte, nicht aber dem schwerwiegenden Vorwurf der Marktmanipulation beim Finanzdienstleister selbst nachging.  

Wenn die spektakuläre Pleite von Wirecard überhaupt etwas Gutes für den Finanzplatz Deutschland gebracht hat, dann ist es die erhöhte Alarmbereitschaft der Anleger und vor allem der Aufseher. Betrugsvorwürfe werden ernst genommen, selbst wenn sie von „Spekulanten“ kommen.

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    Beim Leasinganbieter Grenke ist es nun sogar ein alter Bekannter: Fraser Perring, der bereits 2016 mit dem damals noch anonym veröffentlichten „Zatarra-Report“ aufzudecken versuchte, dass bei Wirecard nicht alles mit rechten Dingen zuging. Das war vier Jahre bevor der Konzern wie ein Kartenhaus in sich zusammenfiel und all jene blamierte, die ihn mit Verve verteidigt hatten.

    Grenke täte gut daran, für maximale Transparenz zu sorgen

    Es ist freilich viel zu früh für ein Urteil darüber, ob auch die Grenke-Bilanz aufgebläht ist und Investoren vorsätzlich getäuscht wurden. Das muss in Ruhe untersucht werden, und der Konzern täte gut daran, maximale Transparenz herzustellen, wie seine Zahlen zustande kommen.

    Aber es ist schon jetzt ein sehr wichtiges Signal, dass die Bafin nicht in alte Reflexe zurückfällt und sich wieder nur eine mutmaßliche Marktmanipulation durch Dritte, also beispielsweise Shortseller, anschaut. Dieses Mal geht sie diesem Manipulationsverdacht auch beim Unternehmen selbst nach. Und das ist das Mindeste, was man erwarten kann.

    Skepsis ist allemal geboten. Shortseller haben sich schon bei anderen Unternehmen – Pro Sieben Sat 1, Aurelius, Ströer – ausgetobt, sie mit kritischen Berichten vor sich hergetrieben und Kasse gemacht, wenn die Aktie abstürzte. Nicht immer bewahrheiteten sich die individuell gemachten Vorwürfe. Aber kritisches Nachfragen schadet nie.

    Mehr: So bringen Shortseller Aktienkurse zum Absturz

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