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Kommentar Bei aller Kritik am Corona-Krisenmanagement: Die Impfkampagne hat Lob verdient

In Deutschland gibt es bald Impfstoff im Überfluss. Die Gründe für den Erfolg sind vielfältig. Für eine Entwarnung ist es aber noch zu früh.
01.07.2021 - 17:10 Uhr 1 Kommentar
Die Impfkampagne zeigt erste Erfolge. Quelle: dpa
Hamburger Impfzentrum

Die Impfkampagne zeigt erste Erfolge.

(Foto: dpa)

Berlin Deutschland nähert sich im Impfmarathon endlich einem enorm wichtigen Etappenziel. Vakzin war lange knapp. Über Priorisierung und lange Wartelisten haben die Regierenden den Mangel, so gut es ging, organisiert. Viel Ärger und Frust in der Bevölkerung waren die Folge. Nun aber kommt Deutschland an einen Punkt, an dem es Impfstoff im Überfluss gibt.

In mehr und mehr Impfzentren gibt es schnell verfügbare Termine, immer mehr Arztpraxen bestellen weniger Impfstoff, als eigentlich verfügbar wäre. Der Bund überlegt schon, wo er übrig gebliebene Dosen einlagern kann. Und bei den Erstimpfungen hat Deutschland mittlerweile sogar die USA überholt. Bis Ende Juli könnte so tatsächlich jeder Erwachsene, der sich immunisieren lassen will, ein Impfangebot erhalten.

Das hätte vor Kurzem niemand für möglich gehalten. Die deutsche Impfkampagne, die größte ihrer Geschichte, eine wahre Jahrhundertaufgabe - sie hat ein Lob verdient. Allen Helfern in den Impfzentren, den Praxen, allen Haus- und Betriebsärzten und Bürokraten im Hintergrund, allen Vakzin-Herstellern, die größtenteils zuverlässig produzieren und liefern, allen, die an dieser Aufgabe mitarbeiten - ihnen kann man für ihren Einsatz auch einmal danken.

Mehr Erstimpfungen als in den USA

Mehr als 45 Millionen Menschen haben dank ihrer mindestens eine Impfung erhalten. Und fast jeder, der sich impfen lassen will, muss nicht mehr Monate auf einen Termin warten. All diese Menschen können sich bereits - oder sehr bald - ein großes Stück unbesorgter durch den Alltag bewegen. Unbesorgter mit Blick auf eine Infektion, auf einen schweren Krankheitsverlauf oder darauf, andere Menschen anzustecken. Dieser Freiheitsgewinn ist neben den sinkenden Fall- und Todeszahlen und den damit verbundenen Lockerungen der wahre Gewinn für unsere Gesellschaft durch die fortschreitende Impfkampagne.

Die Gründe für den Erfolg sind vielfältig: Deutschland hat über die Hausärzte, Impfzentren und Betriebsärzte eine schlagkräftige Impfinfrastruktur aufgebaut, die sich im weltweiten und europäischen Vergleich sehen lassen kann. In absoluten Zahlen hat niemand in Europa so viele Erstimpfungen erhalten wie in Deutschland, auch Großbritannien nicht. Auch bei den Pro-Kopf-Zahlen spielt Deutschland vorne mit.

Der Erfolg liegt auch an Institutionen wie der Ständigen Impfkommission und dem Paul-Ehrlich-Institut. Ihr akribischer Blick auf Nutzen und Nebenwirkungen hat ein enormes Vertrauen in der Bevölkerung geschaffen, das sich in einer hohen Impfbereitschaft widerspiegelt. Das Land profitiert aber auch von der Impfmüdigkeit in den USA - zusätzliche Impfdosen des Herstellers Moderna, die in Übersee nicht gebraucht werden, landen nun in deutschen Oberarmen. Ohne diese Dosen wäre das Juli-Ziel nicht zu halten gewesen, da der Hersteller Biontech/Pfizer in diesem Monat deutlich weniger liefert als noch im Juni.

Der Impfmarathon ist noch nicht zu Ende

Für eine Entwarnung ist es aber noch zu früh. Der Impfmarathon ist noch nicht zu Ende. Zum einen nehmen die täglichen Impfungen seit Kurzem langsam ab. Das kann daran liegen, dass Bürger und Ärzte im Urlaub sind, also weniger Impfstoff nachgefragt und verabreicht wird.

Es kann aber auch an einer einsetzenden Impfmüdigkeit liegen - etwa, weil die Inzidenzen so niedrig sind und die Not weniger offensichtlich ist. Bei Sommer, Sonne und Sangria lassen sich das Virus und ein Termin für die zweite Impfung schnell vergessen. Dabei schützt nur eine vollständige Immunisierung ausreichend gegen die gefährlichere Delta-Variante. Die haben bislang nur 37 Prozent der Deutschen.

Für Euphorie ist es auch deswegen zu früh, weil sehr junge Menschen bislang noch keine Gelegenheit haben, sich impfen zu lassen. Die Zulassung eines Impfstoffs für unter 12-Jährige wird frühestens Ende des Jahres erwartet. Dies erschwert es auch, eine möglichst hohe Impfquote zu erreichen. Die wird wichtiger, je stärker sich die Delta-Variante in Deutschland ausbreitet.

Die Impfkampagne ist im Wesentlichen ein Rennen gegen die Zeit: Je schneller wir impfen, desto weniger Chancen hat das Virus, sich zu verbreiten und für volle Intensivstationen zu sorgen. Im Ziel sind wir erst, wenn die Impfquote hoch genug ist, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden.

Ob Deutschland tatsächlich schnell genug geimpft hat, wird sich also noch zeigen. Die guten Nachrichten dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch einige Etappen im Impfmarathon bevorstehen.

Mehr: Wann die Corona-Pandemie trotz Delta-Variante endet.

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1 Kommentar zu "Kommentar: Bei aller Kritik am Corona-Krisenmanagement: Die Impfkampagne hat Lob verdient"

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  • Soll das ein Witz sein? Die Impfkampagne funktioniert so wenig wie die ganze Corona Geschichte und dann soll das jetzt alles schöngefärbt werden. Wer bezahlt Sie? Meine Tochter in Frankfurt;Anfang 40 mit 3 Kindern , versucht seit Wochen einen Impftermin zu erhalten, nichts funktioniert. Ihr Mann kriegt über B-Vitamin eine Impfung aber Sie nicht. Alles toll in Großdeutschland-oder? Was muß man zu sich nehmen um solche Lobhudelei zu betreiben.

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