Kommentar: Bei Fusionen legt Trump den typisch amerikanischen Pragmatismus an den Tag
Der US-Präsident wettert gegen die deutschen Autobauer.
Foto: APVon Donald Trumps Devise „America first“ ist bei den großen Fusionen und Übernahmen in den USA auf den ersten Blick nicht viel zu sehen. Vor allem deutsche Konzerne haben seit dem Antritt des Präsidenten im Jahr 2016 kaum etwas von der oft beklagten Deutschlandfeindlichkeit zu spüren bekommen. Gleich drei Großfusionen sind entweder schon durchgegangen oder stehen kurz davor: Bayer und Monsanto, Linde und Praxair und nun die Telekom-Tochter T-Mobile und Sprint.
Der US-Präsident wettert zwar gern gegen Deutschland. Aber deutsche Konzerne dürfen auch weiter US-Konkurrenten übernehmen, wie das jüngste Beispiel von T-Mobile und Sprint zeigt. Dort hatten die Aufsichtsbehörden, unter anderem das Department of Justice, schon länger ihr Okay gegeben. Nun hat auch ein Gericht eine Klage abgewiesen, die die Fusion hätte verhindern können.
In New York hatten vor allem von den Demokraten regierte Bundesstaaten geklagt, weil sie den Wettbewerb in Gefahr sehen und fürchten, dass die Preise für die Kunden steigen. Die Megaübernahme von Monsanto durch Bayer hat das Justizministerium bereits im April 2018 durchgewinkt. Im Oktober desselben Jahres kam auch das Okay für die Großfusion von Linde und Praxair.
„Was ist los mit Trump?“, mag man da fragen. Von dem Präsidenten ist man andere Töne und Entscheidungen gewohnt, wenn es um Einflussnahme auf die amerikanische Wirtschaft geht. Er wettert gegen die deutschen Autobauer und prangert die unterschiedlich hohen Zölle diesseits und jenseits des Atlantiks an. Aber bei Übernahmen sind die deutschen Firmen letztlich immer erfolgreich geblieben – ohne Veto aus dem Weißen Haus.
Bei den Zusammenschlüssen legen Trump und seine Fusionskontrolleure im Department of Justice tatsächlich einen gewissen, typisch amerikanischen Pragmatismus an den Tag. Doch blauäugig darf auch diese Seite der deutsch-amerikanischen Wirtschaftsverflechtung nicht bewertet werden. Der genaue Blick zeigt, dass es auch hier durchaus um die Wahrung von Trumps Interessen geht.
Fakt ist, dass die Fusionskontrolle in den USA keineswegs weicher geworden ist. Im Gegenteil: Alle Zusammenschlüsse mit deutscher Beteiligung bekamen nur Zustimmung unter hohen Auflagen. So musste Bayer nach langen Verhandlungen mit dem Justizministerium Unternehmensteile im Wert von neun Milliarden Dollar abstoßen, damit der Konzern Monsanto übernehmen durfte.
Auch bei den Gasekonzernen Linde und Praxair ging die Fusion nicht völlig glatt durch. Auf Druck der Wettbewerbshüter musste Linde fast sein komplettes Gasegeschäft in den Vereinigten Staaten abgeben. Wohlgemerkt, diese Unternehmensteile gingen an einen Konkurrenten aus Deutschland: Messer.
Von Deutschlandfeindlichkeit keine Spur
Bei T-Mobile und Sprint ordneten die Kartellwächter an, dass das neu formierte Unternehmen Prepaid-Marken und Frequenzen abgeben muss. Dadurch soll der Aufbau eines weiteren Konkurrenten auf dem Mobilfunkmarkt sichergestellt werden.
Das Justizministerium will gewährleisten, dass die Amerikaner auch nach der Fusion der Nummer drei und der Nummer vier weiterhin zwischen vier Anbietern wählen können. Nur weil er diese Auflagen überzeugend fand, hat der zuständige Richter diese Woche die Klage gegen den Sprint-Deal abgewiesen.
Es sind keine politisch motivierten Steine, die den Unternehmen in den Weg gelegt wurden. Die Forderungen sind vielmehr einer typisch republikanischen Einstellung geschuldet, dass der Staat in den Markt möglichst wenig eingreifen soll.
Nach dieser Logik ist es sinnvoller, Unternehmensteile vor dem Start eines fusionierten Konzerns komplett abzuspalten oder die Konkurrenz direkt anderweitig zu stärken, damit der Wettbewerb erhalten bleibt.
Von Deutschenfeindlichkeit oder „America first“ ist dabei keine Spur. Allerdings agiert der Präsident auch hier nach der Maxime: Was ist gut fürs Land?
Der einst größte Gasekonzern der USA heißt zwar nun Linde, aber Trump weiß, dass er operativ aus den USA heraus geführt wird, wo auch ein großer Teil der Wertschöpfung entsteht. Noch deutlicher ist dies beim Bayer-Monsanto-Deal: Das Biotech-Know-how des US-Saatgutherstellers gehört zwar nun einem deutschen Konzern. In der Praxis aber ist das gesamte Zukunftsgeschäft mit grüner Gentechnik und digitaler Landwirtschaft in den USA angesiedelt. Bayer hat Trump schon sehr früh versichert, dass der Deal nur gut für die USA ist – etwa durch den Aufbau von 8000 neuen Arbeitsplätzen.
Bei T-Mobile und Sprint kommt ein weiteres Versprechen hinzu. Das fusionierte Unternehmen will keine Technologie des chinesischen Anbieters Huawei für den Ausbau seines 5G-Netzes nutzen. Solche Zusicherungen hört man in diesen Tagen in Washington gern. Trump ist ein deutscher Besitzer von Sprint lieber als ein chinesischer Spion im Netz. Am Ende entscheidet er immer nach seiner Maxime: Was ist gut fürs Land?
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