Kommentar: Commerzbank: Je früher das neue Management den Umbau angeht, desto besser
Einen neuen Aufsichtsratschef hat die Commerzbank gefunden, jetzt fehlt nur noch ein neuer Vorstandschef.
Foto: BloombergEs ist ein wichtiger erster Schritt: Nach den Chaoswochen mit dem Doppelrücktritt von Vorstands- und Aufsichtsratschef hat die Commerzbank mit dem Ex-Landesbanker Hans-Jörg Vetter zumindest einen neuen Aufsichtsratschef gefunden. Die Ernennung, die der Großaktionär Bund gegen den Widerstand des zweiten großen Anteilseigners Cerberus durchgesetzt hat, ist aber erst der Anfang eines hochkomplexen Projekts mit ungewissen Erfolgsaussichten.
Vetters wichtigste Aufgabe ist es jetzt, so schnell wie möglich einen neuen, talentierten Vorstandschef für die zweitgrößte deutsche Privatbank zu finden. Dabei liegt die Betonung genauso auf „schnell“ wie auf „talentiert“. Allen Beteiligten ist klar, dass die Commerzbank eine neue Strategie braucht. Die Neuausrichtung dürfte schmerzhaft werden und viele Stellen kosten, weil das Geldhaus noch immer versucht, für zu viele Kundengruppen zu viele Produkte anzubieten. Die Commerzbank muss deutlich schlanker und fokussierter werden, und das möglichst schnell. Denn die Coronakrise dürfte so ziemlich der schlechteste Zeitpunkt sein, um sich eine langfristige Strategiediskussion zu leisten. Das gilt gerade für die Commerzbank.
Im Herbst und Winter dürfte die befürchtete Pleitewelle bei den deutschen Unternehmen tatsächlich ins Rollen kommen. Im Moment kann noch niemand genau sagen, wie hart diese Welle die Banken am Ende treffen wird, aber mit ihrem Engagement beim heimischen Mittelstand zählt die Commerzbank wahrscheinlich zu den gefährdeteren Adressen.
Die Zeit drängt also. Je früher das neue Topmanagement den Umbau angeht, desto besser. Bei diesem Prozess spielt die vom US-Fonds Cerberus angezettelte Revolte eine ambivalente Rolle. Auf der einen Seite wirkte sie wie ein Katalysator, weil die ungewöhnlich harsche Attacke gegen den scheidenden Vorstandschef Martin Zielke und gegen Ex-Aufsichtsratschef Stefan Schmittmann klargemacht hat, wie schwierig die Lage der Commerzbank wirklich ist.
Auf der anderen Seite hat die Kampagne von Cerberus mittelbar zum Doppelrücktritt von Zielke und Schmittmann geführt. Das dadurch entstandene Machtvakuum verzögert die Sanierung der Großbank weiter, wertvolle Zeit geht mit der Suche nach einem neuen Führungsduo verloren.
Deshalb ist es eine kluge Entscheidung von Cerberus, den Konflikt um die neue Strategie nach dem verlorenen Kampf um den Posten des Aufsichtsratschefs vorerst nicht weiter zu eskalieren. Natürlich lässt sich über die künftige Ausrichtung der Commerzbank trefflich zanken, schließlich steht für Investoren, Mitarbeiter und den Bund jede Menge auf dem Spiel. Aber die Kontrahenten sollten die gefährlichen Nebenwirkungen eines Dauerstreits nicht vergessen.