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Kommentar Datenschutz ist kein Hindernis im Kampf gegen Corona

Kritiker bemängeln, der hohe Datenschutz lähme den Nutzen der Corona-Warn-App. Doch das Argument ist nicht nur falsch – es ist gefährlich.
14.12.2020 - 14:47 Uhr 1 Kommentar
Nutzer werden mit einer roten Warnmeldung über eine mögliche Infektion informiert. Quelle: dpa
Corona-Warn-App

Nutzer werden mit einer roten Warnmeldung über eine mögliche Infektion informiert.

(Foto: dpa)

Die Lage ist ernst. Seit Wochen kostet die Corona-Pandemie täglich Hunderte Menschenleben in Deutschland, Zehntausende Bürgerinnen und Bürger stecken sich mit dem Virus an. Damit wird auch der Ruf nach neuen Maßnahmen laut. Mehr Überwachung und weniger Datenschutz sind Forderungen.

Im Zentrum der Diskussion steht die Corona-Warn-App. Ihr hoher Datenschutz lähme ihren Nutzen, lautet die Kritik. Das Argument ist nicht nur falsch, sondern gefährlich.

Datenschutz ist keine Bremse, sondern ein wichtiger Faktor für den Erfolg der App. Gerade weil sich auch üblicherweise sehr skeptische IT-Experten und sogar der Chaos Computer Club faktisch für die App ausgesprochen haben, ist die Akzeptanz der Software so hoch. Rund 24 Millionen Downloads weist das Robert Koch-Institut für die Anwendung aus. Das ist ein hoher Wert, reicht aber noch nicht.

Jetzt fabulieren NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, einige Gesundheitsämter und Oppositionspolitiker über eine Aufweichung des Datenschutzes. Eine genauere Verfolgung der App-Nutzer soll mehr Einblick in den Infektionsverlauf geben. Sogar über einen Zwang zur Installation wird geredet.

Es ist ein Irrglaube, die App werde besser funktionieren, wenn deren Einsatz Pflicht sei. Die Gefahr ist groß, dass die bereits erreichte Zustimmung in der Bevölkerung kippt. Sollten sich Bürger gegen eine Zwangs-App wehren wollen, wäre es einfach, die Funktionsweise zu sabotieren – etwa indem das Smartphone zu Hause gelassen wird oder die für die Messungen wichtige Bluetooth-Technik blockiert wird.

Natürlich schöpft die App ihr volles Potenzial noch nicht aus. Das liegt aber kaum am Datenschutz. Derzeit werden lediglich rund 54 Prozent der Corona-Testergebnisse in der App eingetragen. Die Rate dürfte in vielen Fällen daran liegen, dass das Einpflegen der Untersuchungsergebnisse nicht richtig umgesetzt ist. Eigentlich gibt es einen unkomplizierten Weg über das Scannen eines QR-Codes.

Aber auch die Macher der App müssen nachlegen. Noch immer gibt es Berichte, dass die Messung nicht auf allen Endgeräten reibungslos funktioniert. Dass SAP und Deutsche Telekom die Nutzer auffordern, die App einmal am Tag zu starten, um sicher zu gehen, dass der Abgleich funktioniert, ist ein ganz schlechtes Zeichen.

Diese Kinderkrankheiten hätten lange beseitigt sein sollen. Zudem wäre eine Verfolgung von Infektionsclustern sinnvoll, ist bislang aber noch nicht umgesetzt.

Die App sollte überarbeitet und erweitert werden. Dabei muss es um Fortschritt und bessere Funktionen gehen. Den Datenschutz auszuhebeln wäre der falsche Weg.

Mehr: Die Infektionszahlen steigen und könnten Richtung Weihnachten noch stärker zunehmen. Die Corona-Warn-App hilft trotz geplanter Updates nur bedingt.


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1 Kommentar zu "Kommentar: Datenschutz ist kein Hindernis im Kampf gegen Corona"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Es wäre gut gewesen, wenn der Autor bevor er den Artikel geschrieben hat, sich darüber informiert hätte, warum die Apps in China und anderen asiatischen Ländern funktionieren und bei uns nicht. Es ist in diesen Ländern natürlich so, dass man das Handy bzw. die App immer dabeihaben muss und man z.B. beim Eintreten in den öffentlichen Nahverkehr oder beim Arbeitgeber oder beim Eintreten in ein Geschäft oder wenn man auf der Straße kontrolliert wird, die App vorzeigen muss, die eben sagt, dass man nicht infiziert ist und keinen Kontakt zu infizierten Personen hatte. Sollte man auf dem Weg zu einer Party sein und sein Handy nicht dabei haben, dann hätte man vermutlich auch ein Problem. Natürlich wird das alles auch entsprechend kontrolliert und sanktioniert und die zuständigen Stellen können dann halt auch problemlos nachvollziehen, wen man getroffen hat, bzw. mit wem man längere Zeit zusammen war und ggf. infiziert hat. Wenn man eine App haben möchte, die hilft die Infektionsketten zu unterbinden, dann muss man eben auch bereit sein hier auf erhebliche Einschnitte beim Datenschutz zu verzichten. Man muss sich durchaus fragen, ob es wirklich richtig ist, dass der Datenschutz höher bewertet wird als Menschenleben, die Gesundheit und das Überleben von Betrieben und die Existenzen von zahlreichen Soloselbständigen und Arbeitnehmern. Es nützt nichts, wenn von 82 Mio. Bundesbürgern 25 Mio. die App freiwillig nutzen. Ich nutze die App, sie sagt mir immer, dass ich keine Risikokontakte hatte. Kann sie das wissen, wenn davon auszugehen ist, dass 7 von 10 möglichen Kontakten die App gar nicht nutzen und ein Teil von denen die sie nutzen, das Handy gerade nicht dabei hat? Es wundert mich allerdings nicht, dass Journalisten reflexartig jedes Hinterfragen des Datenschutz abwehren ohne sich vorher ernsthaft damit auseinanderzusetzen, ob das vielleicht an dieser Stelle doch mal Sinn macht.

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