1. Startseite
  2. Meinung
  3. Kommentare
  4. Alexander Wynaendts: Der neue Aufsichtsratschef der Deutschen Bank hat viele Stärken – und zwei Schwächen

KommentarDer neue Aufsichtsratschef der Deutschen Bank hat viele Stärken – und zwei Schwächen

Alexander Wynaendts ist ein Überraschungskandidat als Chefkontrolleur. Seine Qualitäten überwiegen die Probleme, die die Entscheidung mit sich bringt.Michael Maisch 21.11.2021 - 13:57 Uhr Artikel anhören

Bei dem Kandidaten gibt es zwei Schwächen zu monieren.

Foto: Thorsten Jochim für Handelsblatt

„Der wichtigste Import aus Holland seit Rudi Carrell“, witzelte am Wochenende ein Frankfurter Banker. Tatsächlich ist die Deutsche Bank bei der langen Suche nach einem neuen Aufsichtsratschef in den Niederlanden fündig geworden. Alexander Wynaendts, den Ex-Chef des Versicherers Aegon, hatte kaum einer in der Frankfurter Finanzszene auf dem Kandidatenzettel für die Nachfolge von Paul Achleitner. Aber das muss ja nicht schlecht sein.

Wynaendts bringt viele Qualitäten mit, die die Deutsche Bank braucht: Er kennt sich im Investmentbanking aus und im Privatkundengeschäft, er hat viele Jahre lang einen global aufgestellten Finanzkonzern geführt, und er hat Erfahrung als Krisenmanager gesammelt, was ja nie verkehrt ist, wenn es um die Deutsche Bank geht.

Vielleicht noch wichtiger: Der Niederländer bringt Technologieexpertise mit, dafür spricht zumindest, dass er im Verwaltungsrat von Uber und im Beirat von Salesforce sitzt. Und schließlich hat er in seiner Zeit bei Aegon 87 Deals eingefädelt, diese Expertise beim Thema Übernahmen und Abspaltungen dürfte der Deutschen Bank in den kommenden Jahren zugutekommen.

Zwei Schwächen gibt es aber doch zu monieren bei dem Kandidaten, der sich in einem Ausleseprozess durchgesetzt hat, der einmal mit rund 50 Namen begonnen hat. Wynaendts fehlen Verbindungen in die deutsche Politik. Kein kleines Manko bei einem Institut, das in der Vergangenheit quasi von einer Reputationskrise in die nächste rutschte.

Über den guten Ruf eines Unternehmens wird vor allem auf dem Heimatmarkt entschieden, nicht in Europa und nicht in den USA oder Asien. Das dürfte einer der Gründe sein, warum die Bank dem Niederländer mit Norbert Winkeljohann einen in Deutschland bestens vernetzten Vizeaufsichtsratschef an die Seite stellt. Ob diese Hilfskonstruktion funktioniert, muss sich erst noch zeigen.

Wynaendts sollte schnell in den Aufsichtsrat einziehen

Verwandte Themen
Deutsche Bank
Christian Sewing
Aufsichtsräte
Paul Achleitner
Europa
EZB

Das zweite Problem betrifft das Timing des Wachwechsels an der Aufsichtsratsspitze. Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing bastelt derzeit an der neuen Strategie, die auf den bis Ende 2022 terminierten Sanierungsplan folgen soll. Im kommenden März will Sewing das Grundsatzprogramm vorstellen. Das Problem dabei: Wynaendts soll erst auf der Hauptversammlung im Mai in den Aufsichtsrat gewählt werden.

Natürlich fällt die Strategie erst einmal in den Aufgabenbereich des Vorstands, und selbstverständlich kann der Niederländer auch von außen Einfluss auf die Richtungsentscheidungen nehmen. Aber es wäre sehr sinnvoll, ihn so schnell wie möglich in den Aufsichtsrat der Deutschen Bank zu holen.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt