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KommentarDer Wirtschaftsstandort China verliert für ausländische Unternehmen an Glanz

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt kriselt. Und Chinas Staatsführung findet keinen Weg, den Standort auf seiner Erfolgsspur zu halten.Dana Heide 19.04.2022 - 17:00 Uhr Artikel anhören

Irrlichternde Coronapolitik.

Foto: Bloomberg

China galt lange als Eldorado für ausländische Unternehmen. Hohe Wachstumsraten, ein innovatives Umfeld, von dem man lernen kann. Stetig besser werdende Lebensbedingungen für die entsandten Mitarbeiter. Und vor allem: eine im Vergleich zu anderen Wachstumsmärkten hohe Planbarkeit und Stabilität.

Schon seit Jahren bekommt dieses Image immer mehr Kratzer. Doch noch nie hat die Staatsführung unter Xi Jinping ausländischen Unternehmen in der Volksrepublik solch einen Schock versetzt wie in den vergangenen Wochen. Experten schätzen, dass in China derzeit durch die Abriegelung ganzer Städte oder Wohnbezirke deutlich mehr Menschen nicht ihre Wohnung verlassen können, als Deutschland Einwohner hat. Fabriken stehen still, Berichte von teilweise unzumutbaren Bedingungen in Quarantäneeinrichtungen machen die Runde.

Insbesondere in Schanghai, wo die meisten Mitarbeiter ausländischer Firmen wohnen, zeigt sich wie unter einem Brennglas, was für die Unternehmen im Rest Chinas schon seit Beginn der Pandemie bittere Realität ist. Die einstigen Stärken des Wirtschaftsstandorts China sind zu Schwächen geworden.

Wochenlange Ausgangssperren selbst an wichtigen Wirtschaftsstandorten, Fabrikschließungen und Transportbehinderungen machen die Einhaltung von Lieferketten zum Puzzlespiel.

Neue Mitarbeiter aus dem Ausland bekommen Unternehmen nur noch mit Mühe ins Land rein. Und bei jenen, die im Land sind, muss man jederzeit damit rechnen, dass sie nicht zur Arbeit kommen können, weil sie irgendwo weggesperrt sind. Dazu reicht im heutigen China schon, wenn man nur mit jemandem im selben Zug saß, der mit einem Covid-Patienten Kontakt hatte. Die Nerven liegen blank.

China ist durch die drakonische Null-Covid-Strategie der Staatsführung zu einem unsicheren Standort geworden, bei dem Unternehmen jede Woche, manchmal sogar jeden Tag, umplanen müssen. Eine schnelle Besserung der Situation ist nicht in Sicht.

Dabei ist die drakonische Politik zur Eindämmung des Coronavirus im dritten Jahr der Pandemie eher Symptom für das eigentliche Problem: China Staatsführung hätte das Lockdown-Drama, das sich in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt durch die Verbreitung der hochansteckenden Omikron-Variante derzeit abspielt, verhindern können. Und zwar durch flächendeckende Impfungen und bessere Planung.

Vor allem die besonders gefährdeten älteren Bürger sind größtenteils noch nicht einmal mit einer zweiten Dosis geimpft. Experten sagen jedoch, dass der chinesische Impfstoff allenfalls erst nach der dritten Verabreichung überhaupt zuverlässig wirkt. Die wirksameren ausländischen Impfstoffe sind nicht zugelassen.

Doch nicht nur die Covid-Strenge stärkt die Skepsis mit Blick auf den Wirtschaftsstandort China. Hinzu kommt die enorme Flut an neuen Regulierungen, die die Regierung seit Monaten auf die Unternehmen niederprasseln lässt.

Hinter vorgehaltener Hand sagen Wirtschaftsvertreter, dass es inzwischen unmöglich ist, sich an alle diese Regeln zu halten. Das ist durchaus gewollt von der chinesischen Staatsführung, die Gesetze als politische Waffe einsetzen kann. Welche Unsicherheit sie damit jedoch bei den Unternehmen auslöst, blendet sie offenbar aus.

Undurchschaubare Regelflut

Und von der undurchschaubaren Regelflut sind nicht nur ausländische Unternehmen betroffen. Sie paralysiert auch chinesische Tech-Unternehmen wie Alibaba oder Didi – Firmen, die wesentlich zur Innovationsfähigkeit Chinas beitragen und um die die Volksrepublik weltweit beneidet wird. Und das hat das Potenzial, die Innovation Chinas empfindlich zu treffen. Dabei war gerade diese bisher ein Argument für den Wirtschaftsstandort.

Lange Zeit war China allein aufgrund der traumhaften Wachstumszahlen ein Muss-Ziel der deutschen Wirtschaft. Doch auch diese Zeiten drohen zu enden. Denn das Wachstum verlangsamt sich deutlich. Der Konsum schwächelt.

Kurzfristig ist das vor allem dem Lockdown geschuldet und der anhaltenden Immobilienkrise. Doch es ist zu befürchten, dass der Konsum langfristig leiden wird – etwa durch die Überalterung der Bevölkerung. Chinas Führung hat bislang zu wenig dafür getan, dass sich Menschen wieder trauen, mehr Kinder zu bekommen.

Hinzu kommt, dass selbst der verlässliche Wachstumstreiber des Außenhandels nicht nur durch die Lockdown-Politik gefährdet ist. Die chinesische Staatsführung hat in den vergangenen Monaten immer wieder lange verlässliche Partner vor den Kopf gestoßen.

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Dass nun scharenweise ausländische Unternehmen China verlassen, ist unwahrscheinlich. Dafür ist der Markt je nach Branche weiterhin zu attraktiv.

Aber viele werden sich genau überlegen, ob und wie viel sie in der Volksrepublik unter den neuen Umständen noch investieren. Dass sich die chinesische Staatsführung davon wesentlich in ihrer Strategie beeinflussen lässt, muss dennoch bezweifelt werden.

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