Kommentar: Deutschland steckt in der Mindset-Falle

Sebastian Matthes ist Chefredakteur des Handelsblatts.
Foto: Max Brunnert für HandelsblattJeden Samstag schreibe ich einen Newsletter mit ein paar Gedanken über die zurückliegende Woche, über Themen, die uns bewegt, und Dinge, die wir erlebt haben. Darauf gibt es oft Feedback, ein paar Mails, Kommentare bei LinkedIn. Noch nie aber habe ich so viele Rückmeldungen auf eine Ausgabe erhalten wie in der vergangenen Woche, in der ich über eine Szene von der Sicherheitskontrolle am Berliner Flughafen schrieb.
Wie Sie vielleicht wissen, steht man dort durchaus eine Weile. Zunächst waren nicht alle Gepäckscanner geöffnet. Es war 6.30 Uhr und für Berlin damit erst kurz nach Mitternacht. Der Durchgang direkt vor mir war mit einem schwarzen Band gesperrt.
Irgendwann platzierten sich drei Mitarbeiter hinter dem Gepäckband, alles war bereit, doch die Absperrung blieb. Sie standen einfach da, plauderten. Unruhe bei den Reisenden. Fragen, wann es losgehe.
Doch die Flughafenmitarbeiter sagten, es sei nicht ihr Job, das schwarze Band zu öffnen. Eine andere Abteilung sei dafür zuständig, ihr Team dürfe einen bestimmten Bereich der Sicherheitskontrolle nicht verlassen. So seien die Regeln. Nach etwas Hin und Her ergriff einer der Passagiere die Initiative und öffnete die Absperrung selbst. Schon konnte es losgehen.