1. Startseite
  2. Meinung
  3. Kommentare
  4. Salzbachtalbrücke A66: Deutschlands marode Infrastruktur bremst die Verkehrswende aus

KommentarDeutschlands marode Infrastruktur bremst die Verkehrswende aus

Die Sperrung einer Brücke sorgt für Chaos rund um Wiesbaden. Der Fall zeigt: Für eine nachhaltige Mobilität müssen wir bei der Instandhaltung der Infrastruktur umdenken.Jens Koenen 22.06.2021 - 12:58 Uhr Artikel anhören

Systematisch wurde die Infrastruktur in einer der stärksten Wirtschaftsnationen Europas kaputtgespart.

Foto: dpa

Klaus Rohletter hat den Vergleich sicher mit Bedacht gewählt. Wiesbaden dürfe kein zweites Genua werden, warnte der Verkehrsexperte der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände zu Wochenbeginn. Eine Anspielung auf die 2018 eingestürzte Morandi-Brücke in der italienischen Metropole.

Eingestürzt ist die Salzbachtalbrücke der Autobahn 66 bei Wiesbaden zwar noch nicht. Aber sie ist offenbar nicht mehr weit davon entfernt. Jedenfalls haben die Behörden das Bauwerk erst einmal auf unbestimmte Zeit gesperrt. Mit dramatischen Folgen für die hessische Landeshauptstadt: Die Stadt ist nur noch über Umwege zu erreichen. Unternehmen stöhnen, Pendler wissen nicht, wie sie zur Arbeit kommen sollen.

Über die Brücke führt eine der Hauptverkehrsadern nach Wiesbaden. Darunter verlaufen Bahngleise, die ebenfalls gesperrt wurden. Weder ICE noch Regionalzüge und S-Bahnen können die Stadt derzeit ansteuern. Ein Zustand, der wohl noch einige Zeit andauern wird.

Es ist ein Verkehrsinfarkt, der absehbar war. Viel zu lange wurde die Sanierung von Straßen, Brücken und Schienen in Deutschland aufgeschoben. Systematisch wurde die Infrastruktur in einer der stärksten Wirtschaftsnationen Europas kaputtgespart.

Das ist lange bekannt und nicht neu. Neu ist allerdings, dass die Folgen in einer Zeit zutage treten, in der die Verkehrswende dringend benötigt wird. Der Klimawandel und seine Folgen erhöhen den Handlungsdruck. Künftig sollen die Menschen weniger Auto und mehr Bahn fahren. Doch wie soll das gelingen, wenn die existierende Infrastruktur noch nicht einmal die aktuelle Last tragen kann?

Deutschland bleibt eine Großbaustelle

Verwandte Themen
Bahnverkehr
Wirtschaftspolitik
Verkehrspolitik
Deutschland

Zwar ist im Fall von Wiesbaden eine Autobahnbrücke marode, die Bahnstrecke ist nur indirekt betroffen. Doch der Fall zeigt, wie schlecht die Verkehrsinfrastruktur für das Mammutvorhaben Verkehrswende gerüstet ist. Wer vom Auto auf die Schiene umsteigen will, muss wohl noch auf Jahre viel Geduld mitbringen. Auch das Schienennetz ist marode. Überall wird gebaut und saniert, längere Reisezeiten und Umwege gehören zum Alltag.

Vorerst ist das nicht zu ändern, die Republik wird noch eine Zeit lang eine einzige Großbaustelle bleiben. Doch Wiesbaden ist eine klare Mahnung an die Verantwortlichen: Wenn wir die Verkehrswende erfolgreich bewältigen wollen, müssen wir künftig pfleglicher mit der Infrastruktur umgehen. Das heißt Vorsorge und nicht warten, bis der Patient krank ist.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt