Kommentar: Die CDU sollte die Generation Golf nicht vergessen
Jens Spahn (l-r), Bundes-Gesundheitsminister, Armin Laschet, Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Friedrich Merz sind im Rennen um den Parteivorsitz.
Foto: dpaIm innerparteilichen Wahlkampf zwischen Armin Laschet und Friedrich Merz gibt es immer wieder Hinweise von Parteikollegen, mit den Rezepten der 90er Jahre könne man im 21. Jahrhundert nicht mehr bestehen. Das mag kommunikativ im Wahlkampf funktionieren, um den früheren Unions-Fraktionschef Merz als Mann von gestern dastehen zu lassen.
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet ist klug genug, das nicht zu machen. Aber andere CDU-Strategen wie Fraktionschef Ralph Brinkhaus und Landesgruppenchef Alexander Dobrindt vergessen, dass sie damit auch eine Botschaft an die Wählerinnen und Wähler aus dieser Zeit senden.
Dabei ist die sogenannte Generation Golf stark. Die letzten Babyboomer sind nicht nur zahlenmäßig viele. Sie sitzen auch in den Führungsetagen von Politik und Wirtschaft. Natürlich können sich alle noch daran erinnern, dass es in den 90er Jahren rund fünf Millionen Arbeitslosen gab und Deutschland als der kranke Mann Europa dastand.
Damals wurde die neue Mitte erfunden, die eine frische Dynamik ins Land brachte. Die Wirtschaft strukturierte sich erfolgreich um. Gewerkschaften und Politik unternahmen alles für den Wiederaufstieg Deutschlands. Außerdem gab es ein Gefühl der Sicherheit trotz Asylkrise in diesen Jahren.
Die Generation Golf hat sich aus diesem Tief herausgestrampelt. Diese positive Eigenschaft müsste eigentlich die CDU ansprechen, um bei Wahlen weiterhin erfolgreich zu sein. Gerade in der CSU gehören Parteichef Markus Söder und Landesgruppenchef Dobrindt selber zu dieser Generation. Dass sich beide modernisieren und Söder sogar Bäume umarmt, ist das eine. Das andere ist, dass diese große Gruppe an Wählern ungern als gestrig abgestempelt wird.
Die Generation Golf, zu der übrigens auch Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus gehört, steht noch voll im Saft und trägt mit ihrem guten Einkommen den Sozial- und Steuerstaat. Diese Generation hat jetzt die Aufgabe, Deutschland in eine neue Zeit zu führen.
Die Rezepte der 90er Jahre, die Gerhard Schröder bei der Agenda 2010 angewendet hat, waren die Grundlage, die für den Aufschwung und nahezu Vollbeschäftigung im Land sorgte. Kanzlerin Angela Merkel konnte vieles verteilen, was danach erwirtschaftet wurde. Leistung und Wettbewerb sind eben der Motor für Wohlstand. Das hat sich auch im 21. Jahrhundert nicht geändert.
Mehr: Die SPD muss neidisch sein auf die CDU. Mit Laschet, Merz und Röttgen bewerben sich gleich drei hochkarätige Kandidaten um die Führung der CDU. Die SPD lässt das noch etwas mickriger aussehen.