Kommentar: Die SPD muss neidisch sein auf die CDU
Wenn die Christdemokraten ihren neuen Vorsitzenden wählen, dürfte so mancher in der SPD allerdings etwas zähneknirschend zusehen. Denn die CDU schickt personell eine so hochkarätige Kandidaten-Garde ins Rennen, dass man nur neidisch werden kann.
Inhaltlich verkörperten die insgesamt 16 SPD-Kandidaten im Rennen um den Vorsitz ein weites Spektrum. Nur: Abgesehen von Olaf Scholz kandidierten lediglich Personen aus der 3. oder 4. Reihe für die Chef-Rolle. Der SPD mangelt es nicht an Spitzenpersonal, umso auffälliger war die Zurückhaltung bei der Suche nach einer neuen Führung.
Franziska Giffey, Stephan Weil, Malu Dreyer und Manuela Schwesig entschieden sich – aus unterschiedlichen Gründen – gegen eine Kandidatur. Die große Aufgabe, die Partei aus der schwierigsten Phase ihrer Geschichte zu führen, überließen sie lieber anderen.
Über den ganzen Wettbewerb hinweg haderten viele Sozialdemokraten mit der Auswahl. Dies gipfelte in der überraschenden Wahl von Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken. Das Außenseiter-Duo wird in Teilen der Partei noch immer etwas skeptisch beäugt. Unfreiwillig stehen sie etwas symptomatisch für die Mittelmäßigkeit und die Ansprüche einer 15-Prozent-Partei. Die vermeintlich besten Leute – wie Giffey und Weil – sitzen derweil am Spielfeldrand, obwohl sie dringend benötigt würden.
Bei der CDU ist es anders. Armin Laschet, Norbert Röttgen und Friedrich Merz wagen eine Kandidatur und riskieren dabei auch eine Niederlage. Beim Sonderparteitag am 25. April steht der CDU ein Showdown bevor, ein Kampf der Giganten gewissermaßen. Die Partei kann zwischen drei großen Namen wählen. Ein echtes Luxusproblem.
Drei Männer, alle aus NRW: An den Kandidaten gab es zuletzt Kritik. Viel entscheidender ist jedoch etwas anderes. Die Christdemokraten stecken nach 15 Jahren Kanzlerschaft Angela Merkel in einer existenziellen Krise. Umso wichtiger ist es, möglichst zugkräftiges Personal ins Rennen und in den kommenden Bundestagswahlkampf zu schicken.
Laschet, Merz und Röttgen wollen in einer schwierigen Zeit Verantwortung übernehmen. Das ist mutig. Die SPD lässt das noch etwas mickriger aussehen.