Kommentar: Die Dauerprovokation von Diess ist der falsche Weg für Volkswagen
Die Arbeitnehmer-Vertreter im VW-Aufsichtsrat sprechen ihrem Vorstandsvorsitzenden das Misstrauen aus.
Foto: dpaEs sind bemerkenswerte Dinge, die im Moment in Wolfsburg geschehen. Die Arbeitnehmervertreter im Volkswagen-Aufsichtsrat sprechen ihrem Vorstandsvorsitzenden das Misstrauen aus, weil er seine Arbeit aus ihrer Sicht nicht mehr ordentlich erledigt. In der deutschen Unternehmensgeschichte ist das eine Ausnahmesituation, in der Historie gibt es keinen vergleichbaren Fall.
Herbert Diess hat sich diese Entwicklung selbst zuzuschreiben. Denn Volkswagen ist ein besonderes Unternehmen. Auch ein Konzernchef wie Diess muss einsehen, dass er die historisch bedingten Sonderrechte des Betriebsrates und des Landes Niedersachsen nicht aufheben kann. Er muss mit dem Betriebsrat eng zusammenarbeiten, ob er nun will oder nicht.
Deshalb war es völlig unverständlich, dass er zunächst nicht auf der für diesen Donnerstag angesetzten Betriebsversammlung erscheinen wollte. Seit bald zwei Jahren hat es in Wolfsburg kein Mitarbeitertreffen mehr gegeben, die Coronapandemie hatte das verhindert.
Diess und sein Umfeld haben die Symbolik dieses Treffens nicht verstanden, als sie sich zunächst gegen die Teilnahme an der Betriebsversammlung entschieden hatten. Wegen der langen Coronapause musste der Betriebsrat seine Absage erst recht als Provokation und Missachtung von Mitbestimmungsrechten verstehen.