Kommentar: Die Debatte über die telefonische Krankmeldung läuft falsch

Die Krankenkassen melden Rekordzahlen bei den Krankschreibungen, und wie auf Knopfdruck gibt es eine Debatte über die Möglichkeit, sich telefonisch krankschreiben zu lassen.
FDP-Chef Christian Lindner will niemandem vorwerfen, die Regelung auszunutzen. Aber er schiebt gleich hinterher, dass es leider „eine Korrelation zwischen dem jährlichen Krankenstand in Deutschland und der Einführung der Maßnahme, die als guter Bürokratieabbau gedacht war“, gebe.
» Lesen Sie auch: Krankheitsfälle bei Beschäftigten erneut gestiegen
Auch einige Arbeitgeber melden sich mit dem Tenor zu Wort. Aktuell schließen sich die Geschäftsführer von Gebäudereinigungsfirmen diesem Vorwurf an und führen die hohen Krankenstände auf die telefonische Krankmeldung zurück.
Dass es bislang dazu nur vereinzelte Wortmeldungen gibt, hat seine Gründe. Auf den ersten Blick scheinen die Einschätzungen lebensnah zu sein. Doch keine wissenschaftliche Studie kann den Zusammenhang zwischen dieser Regelung und den steigenden Krankenständen belegen.
Möglicherweise sind viele Menschen nach der Coronapandemie auch sensibler geworden. So empfiehlt das Robert Koch-Institut, bei einer Erkältung drei bis fünf Tage zu Hause zu bleiben.
Jeder kennt schon wieder einen Coronafall in seinem privaten Umfeld
Statt sich aber über die telefonische Krankschreibung zu streiten, sollten viel eher die Zustände im Gesundheitswesen beunruhigen. Arztpraxen sind überfüllt, die Mediziner müssen immer mehr bürokratische Aufgaben übernehmen, und das Risiko von Long-Covid nimmt mit jeder weiteren Infektion zu.
Die telefonische Krankmeldung bietet eine sinnvolle Entlastung für Ärzte und Patienten. Sie gibt die Möglichkeit, sich bei leichten Infekten ohne unnötige Praxisbesuche krankschreiben zu lassen – besonders in der Erkältungssaison eine wichtige Erleichterung. Der Winter kommt erst noch, und jeder kennt doch schon wieder in seinem privaten Umfeld eine Person, die an Corona erkrankt ist.
Die Kritik an der telefonischen Krankmeldung verkennt, dass diese Maßnahme Teil einer modernen und fortschrittlichen Gesundheitsversorgung ist. Sie ebnet den Weg für eine leichtere Patientenbetreuung, die auch Videosprechstunden und digitale Anamnesebögen umfasst. Diese neuen Ansätze könnten den Kontakt zum Arzt und die Organisation der Praxen vereinfachen.
Fernangebote wie die telefonische Krankmeldung erleichtern nicht nur den Zugang zu medizinischer Versorgung, sondern senken auch die Hemmschwelle, rechtzeitig ärztlichen Rat zu suchen. Langfristig könnten sie sogar Kosten senken, indem Patienten schneller den richtigen Arzt erreichen und unnötige Untersuchungen vermeiden. Anstatt diese Entwicklungen zurückzudrehen, sollte der Fokus darauf liegen, wie die Gesundheitsversorgung weiter modernisiert werden kann.