Kommentar: Die Gefahr einer Finanzkrise ist bei Europas Banken noch nicht gebannt
Die Coronakrise hat der spanischen Großbank das Quartalsergebnis verhagelt.
Foto: ReutersWer wissen will, wie gefährlich die Coronakrise für Europas Banken ist, der muss nur einen Blick auf das Quartalsergebnis der spanischen Großbank Santander werfen. Im ersten Quartal brach der Gewinn um über 80 Prozent auf nur noch 330 Millionen Euro ein.
In der jetzt anstehenden Quartalssaison dürfte sich bei vielen europäischen Banken ein ähnliches Bild wie bei den Spaniern zeigen. Noch bekommen die Banken die Coronafolgen nicht direkt zu spüren, aber sie stellen sich auf einen Sturm ein, der am Ende noch gefährlicher ausfallen könnte als in der Finanzkrise.
Dabei braucht Europa gerade jetzt stabile Banken so dringend wie nie zuvor. Denn auch in dieser Krise zeigt sich, wenn es hart auf hart kommt, wird Banking sehr schnell zu einer nationalen oder zumindest regionalen Ressource, das zeigen die jüngsten Berichte über den Rückzug amerikanischer Banken vom europäischen Markt.
Die gute Nachricht lautet: Bis jetzt haben Aufseher und Politik entschlossen und konsequent auf die Herausforderungen der Pandemie reagiert und den Banken das Leben deutlich leichter gemacht. Nun wird klar, dass der nach der Finanzkrise eingeschlagene Kurs richtig war. Durch den Druck der neuen Regeln haben die Banken Reserven angelegt, von denen sie jetzt zehren können.
Aber natürlich gibt es auch eine schlechte Nachricht: Im Moment kann keiner sagen, ob und wie lange diese Reserven reichen werden. In den Hauptquartieren der Banken in Paris, Mailand, Madrid und Frankfurt rechnen die Volkswirte derzeit einige ziemlich hässliche Szenarien für die Gesamtwirtschaft durch, die für die Banken ein echter Belastungstest wären, wenn es wirklich so schlimm kommen würde. Die Gefahr, dass die Coronakrise in eine Finanzkrise mündet, ist noch lange nicht gebannt.