Kommentar: Der wahre Stresstest für die Deutsche Bank steht noch aus
Das erste Quartal hat die Deutsche Bank überraschend gut überstanden.
Foto: ReutersDer Deutschen Bank ist allem Anschein nach ein guter Jahresstart geglückt. Über die Qualität des Ergebnisses sagen die Sonntagnacht veröffentlichten Eckdaten des Instituts für das erste Quartal zwar wenig aus. Doch wenn die Bank ihre Bruttoerträge tatsächlich auf dem Niveau des Vorjahres stabilisieren konnte und die höhere Risikovorsorge die Gewinne nur geschmälert und nicht ausradiert hat, ist das auf jeden Fall eine gute Ausgangsbasis.
Die Belastungen, denen das Institut durch die Rezession in Europa ausgesetzt ist, werden sich erst in den kommenden Quartalen niederschlagen. Kurzfristig belebt die Coronakrise sogar das Geschäft: Unternehmen suchen händeringend Kredite und schauen nicht mehr so genau auf den Preis, wie das vor Ausbruch der Pandemie noch der Fall war. Und die Schwankungen an den Märkten dürften dem Handelsgeschäft der Bank üppige Ertragschancen bescheren.
Erst mittelfristig wird sich abzeichnen, welche Schäden Corona in den Bankbilanzen hinterlässt – bei der Deutschen Bank wie auch bei anderen. Denn erst mit der Zeit zeigt sich, in welchem Ausmaß die Konjunktur- und Rettungspakete der Bundesregierung und anderer europäischer Staaten eine Insolvenzwelle und damit hohe Kreditausfälle unter den Firmenkunden und Privatkunden abmildern können. Und erst mit der Zeit zeigt sich, ob die Kurzarbeiterregeln ausreichen, um Zahlungsprobleme bei Privatkunden zu verhindern.
Erste Warnsignale gibt es bereits. So hat sich die Risikovorsorge im Vorjahresvergleich etwa verdreifacht. Das bedeutet nicht zwingend, dass Kredite geplatzt sind. Es ist auch denkbar, dass sie nur als riskanter gelten. Das würde erklären, warum die Bank ihre Kapitalquoten-Ziele für dieses Jahr zwar kassiert hat, mittelfristig aber an ihnen festhält. Dennoch sind die höhere Risikovorsorge wie auch die gesunkenen Kapitalquoten eine Erinnerung daran, dass die Endabrechnung noch aussteht.