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Kommentar Die Hängepartie bei der Commerzbank ist aus mehreren Gründen schädlich

Das Frankfurter Institut braucht dringend einen neuen CEO und eine neue Strategie. Wie die Ausrichtung aussieht, ist unklar. Dieses Siechtum ist gefährlich.
21.09.2020 - 04:00 Uhr Kommentieren
Ursprünglich wollte Deutschlands zweitgrößte Privatbank ihre neue Ausrichtung bereits im Sommer 2020 beschließen. Quelle: dpa
Commerzbank-Schriftzug an einer Filiale in Frankfurt

Ursprünglich wollte Deutschlands zweitgrößte Privatbank ihre neue Ausrichtung bereits im Sommer 2020 beschließen.

(Foto: dpa)

Vor einem Jahr hat die Commerzbank ihre Strategie „5.0“ vorgestellt. Doch nach heftiger Kritik von Investoren und Finanzaufsehern musste das Management umgehend versprechen, seine wenig ambitionierten Pläne noch einmal grundlegend zu überarbeiten.

Im Juli kündigten dann Vorstands- und Aufsichtsratschef ihren Rücktritt an – und verlängerten die Hängepartie bei Deutschlands zweitgrößter Privatbank damit auf unbestimmte Zeit. Wie die künftige Ausrichtung aussieht, ist somit weiter unklar – und das ausgerechnet in der ohnehin von großer Unsicherheit gekennzeichneten Coronakrise.

Dieses Siechtum ist aus mehreren Gründen gefährlich. Es frustriert die Beschäftigten, die seit Monaten nicht wissen, ob und wie es für sie weitergeht. Es sorgt dafür, dass sich gerade die besten Mitarbeiter proaktiv andere Jobs suchen. Und es führt dazu, dass die Bank in einem sehr herausfordernden Umfeld lange überfällige Umbaumaßnahmen nicht angeht.

Ärgerlich ist die Situation auch deshalb, weil fast allen Beteiligten klar ist, an welchen Hebeln die Commerzbank ansetzen muss. Sie muss ihr Filialnetz noch deutlicher ausdünnen, Stellen streichen und die Kosten auf diese Weise deutlich senken.

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    Zudem sollte das Institut das Firmenkundengeschäft im Ausland zurückfahren und sich grundsätzlich mehr auf die Profitabilität von Geschäftsbeziehungen und weniger auf Kredit- und Kundenwachstum konzentrieren.

    Meilensteine festlegen und Mitarbeiter mitnehmen

    Der neue Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Jörg Vetter hat kürzlich in einem Interview im Intranet des Instituts deutlich gemacht, dass er großen Umbaubedarf sieht. Nun muss er alles dafür tun, dass die Bank die vielfach richtig analysierten Herausforderungen zeitnah angeht. Dafür braucht es rasch einen neuen CEO, der dann zügig eine neue Strategie verabschieden muss.

    Der neue Chef braucht nicht nur Führungs- und Sanierungserfahrung. Er muss die Mitarbeiter beim anstehenden Umbau auch mitnehmen. Das ist essenziell, denn gegen den Widerstand der Belegschaft kann eine Neuausrichtung der Commerzbank nicht gelingen.

    Nach dem Ausscheiden von Vorstandschef Martin Zielke und Privatkundenchef Michael Mandel, deren Verhältnis zu den Arbeitnehmervertretern zuletzt nachhaltig gestört war, ist auch beim bankinternen Klima ein Neustart nötig.

    Darüber hinaus sollte die neue Führungsspitze beim Umbau des Geldhauses klare Meilensteine definieren, die sie jedes Jahr erreichen will – und dann auch liefern. Nur so kann die Frankfurter Traditionsbank das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen, das sie in den vergangenen Jahren durch das regelmäßige Verfehlen der eigenen Ziele weitgehend verspielt hat.

    Mehr: Commerzbank-Aufsichtsratschef will Strukturen aufbrechen und Kosten senken.

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