Kommentar: Die neue Strategie ist für Scout24 die einzige Chance
Im Plattformgeschäft geht es längst nicht mehr bloß um die Gegenüberstellung von Angebot und Nachfrage und den Vergleich von Preisen.
Foto: ReutersScout24 ist nicht mehr, was es mal war. Als „Betreiber verschiedener Vergleichsportale“ wurde die Gruppe oft beschrieben. Nach dem Verkauf von Autoscout24 und Finanzcheck.de ist im Kern nur noch Immoscout24 übrig: das Portal, das Wohnungssuchende, Immobilienbesitzer und Makler zusammenbringt. Und das ist eine Chance – vielleicht sogar die einzige für das Münchener Unternehmen.
Der Markt der Vergleichsanbieter ist hart umkämpft. Längst sind die Tech-Riesen Google und Amazon in viele Marktsegmente vorgedrungen. Scout24 steht trotzdem gut da, mit ansehnlichen Zahlen für 2019. Der Konzernumsatz stieg um mehr als 15 Prozent, die bereinigte Wachstumsrate liegt bei über 13 Prozent.
Dass die Aktie zunächst fiel, dürfte daran liegen, dass Anleger auf spektakuläre Überraschungen gehofft hatten. Der Kurs bewegte sich zuletzt auf Allzeithoch.
Vorstandschef Tobias Hartmann hat zuletzt häufig betont, es gäbe „kaum Synergien“ zwischen dem Auto- und Immobiliengeschäft. Das wirkte wie ein hilfloser Versuch, den Verkauf von Autoscout unter dem Druck strategischer Investoren zu verteidigen. Aber das ergibt Sinn – nicht nur mit Blick auf Scout24.
Im Plattformgeschäft geht es längst nicht mehr bloß um die Gegenüberstellung von Angebot und Nachfrage und den Vergleich von Preisen. Wer sich darauf beschränkt, hat gegen Google und Amazon mit ihrer Bekanntheit und ihren Datenmengen keine Chance.
Ein Ausweg: Der Fokus auf Segmente, in denen Kunden und Verkäufer mehr Rat suchen und Zeit investieren, zum Beispiel weil es um viel Geld geht – wie beim Kauf einer Wohnung. Allerdings sind die Nutzer nach einer Transaktion auch schnell wieder weg.
Es ist riskant, sich auf ein Geschäft zu konzentrieren, aber auch vorausschauend: Scout24 bietet Kunden und Verkäufern in wachsendem Umfang Rundumservices. Nur sind die Bedürfnisse von Nutzern im Auto- und im Immobilienmarkt völlig unterschiedlich. Die Trennung macht also Sinn.