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KommentarDie neue US-Energiepolitik – mit Ideologie gegen Ideologie

Die US-Regierung stoppt milliardenschwere Windkraftprojekte. Was als Kampf gegen eine vermeintlich grüne Ideologie verkauft wird, könnte Unternehmen und Verbraucher teuer zu stehen kommen.Laurin Meyer 16.09.2025 - 14:55 Uhr
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Im Coachella Valley, im US-Bundesstaat Kalifornien, steht einer der größten Windparks der USA. Foto: Photographer's Choice RF/Getty Images

Mit wirtschaftlichen Interessen oder gar Logik lässt sich kaum noch erklären, was die US-Regierung derzeit treibt: Binnen weniger Wochen hat Präsident Trump den Bau mehrerer Windparks mit einem Milliardenvolumen gestoppt – Projekte, die zum Teil kurz vor der Fertigstellung standen und bald ans Netz hätten gehen können.

Das Vorgehen gegen erneuerbare Energien entbehrt jeder ökonomischen Vernunft. Statt auf Fakten setzt die Regierung auf Ideologie – ausgerechnet, um eine vermeintlich grüne Ideologie zu bekämpfen. Die vorgebrachten Gründe gegen Wind- und Solarenergie wirken fadenscheinig: von Landschaftsverschandelung bis hin zu nebulösen Sicherheitsrisiken. Am Ende könnte die USA dieser Kurs doppelt teuer zu stehen kommen.

Zum einen verunsichert er massiv die Branche. Wenn bereits im Bau befindliche Projekte nachträglich gestoppt werden, drohen den Unternehmen enorme finanzielle Ausfälle. Das beschädigt das Vertrauen weit über den Energiesektor hinaus: Wer künftig in den USA investieren will, muss damit rechnen, dass Spielregeln plötzlich neu geschrieben werden – ein Bruch mit einem zentralen Grundsatz marktwirtschaftlicher Ordnung.

Erzählung von vermeintlich grüner Ideologie hat Schwächen

Zum anderen droht ein Preisaufschlag für die Verbraucher. Trump hatte seinen Wählern versprochen, die Stromkosten spürbar zu senken. Tatsächlich stiegen sie zuletzt schneller als die Inflation. Während verfügbare erneuerbare Kapazitäten nicht ans Netz gehen, zwingt die Regierung alte, teure Gas- und Kohlekraftwerke in die Verlängerung. Gleichzeitig wächst der Strombedarf rasant, nicht zuletzt wegen der stromhungrigen Rechenzentren für KI-Anwendungen, die überall im Land entstehen.

Die US-Regierung scheint bereit zu sein, diesen Preis zu zahlen – dabei hat ihre Erzählung von der grünen Ideologie auffällige Schwächen. Anders als in Deutschland hat Washington nie den Fehler gemacht, Spitzenlastquellen vorschnell aus dem System zu drängen. Kernenergie gilt parteiübergreifend als Technologie der Zukunft, Tech-Konzerne sichern sich Lieferverträge für vielversprechende Small Modular Reactors (SMRs). Unter Joe Biden wurde sogar Wasserstoffproduktion aus fossilen Energieträgern subventioniert, und die US-Ölförderung erreichte unter dem Demokraten ein Rekordniveau.

Doch die Trump-Regierung hält unbeirrt an ihrem Zerrbild fest – wohl auch für einen schnellen Punktsieg bei der Kernwählerschaft. Doch der vermeintliche Sieg über die grüne Ideologie könnte sich am Ende als Niederlage der wirtschaftlichen Vernunft erweisen.

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