Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Kommentar Die Pandemie zeigt, wo die gefährlichen Schwächen der Finanzregulierung liegen

Die Aufseher stehen vor einem Dilemma: Sie müssen Schattenbanken strenger regulieren, ohne die technologische Evolution der Finanzierungsmärkte auszubremsen.
19.05.2021 - 03:59 Uhr Kommentieren
Nach der Finanzkrise wanderten viele Finanzierungsgeschäfte von den Banken an die Kapitalmärkte ab. Das sorgt für neue Gefahren für das Finanzsystem. Quelle: Reuters
Die Wall Street in New York

Nach der Finanzkrise wanderten viele Finanzierungsgeschäfte von den Banken an die Kapitalmärkte ab. Das sorgt für neue Gefahren für das Finanzsystem.

(Foto: Reuters)

Erst einmal die gute Nachricht: Der Coronakrise folgt (wahrscheinlich) keine Bankenkrise. Die Angst, dass sich Myriaden von Unternehmenszusammenbrüchen durch die Bankbilanzen fressen und damit die Stabilität des Finanzsystems gefährden, hat sich bislang als übertrieben herausgestellt.

Natürlich ist die Pandemie noch nicht überstanden, aber es besteht die Hoffnung, dass dank der üppigen Staatshilfen weniger Firmen in die Pleite rutschen als befürchtet und dass sich diese Insolvenzen über einen längeren Zeitraum verteilen. Damit sollten die Banken zurechtkommen. Das bedeutet, dass sich die nach der großen Finanzkrise auf den Weg gebrachten Reformen im Großen und Ganzen bewährt haben. Allerdings gelten die strengsten dieser Reformen nur für die klassischen Banken.

Und damit kommen wir zur schlechten Nachricht: Die Stabilität des Finanzsystems geriet trotzdem in Gefahr, zumindest kurzfristig. Diese Gefahr entstand im Reich der sogenannten Schattenbanken. Unter diesem etwas despektierlichen Begriff versteht man Spieler an den Märkten, die ähnliche Geschäfte wie die Banken betreiben, für die aber nicht die gleichen strengen Regeln gelten.

Bei einigen Geldmarktfonds, Kreditfonds, Hedgefonds und speziellen Anleihefonds wurde im März 2020 die Liquidität knapp. Diese Firmen mussten einen Teil ihrer Bestände bei ohnehin fallenden Preisen auf den Markt werfen und beschworen damit die Gefahr einer Abwärtsspirale herauf.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die Marktverwerfungen zu Beginn der Coronakrise stellen die Aufseher vor ein echtes Dilemma: Auf der einen Seite sind die Turbulenzen ein klares Indiz, dass die Schattenbanken strenger reguliert werden müssen. Auf der anderen Seite dürfen diese Regeln nicht so strikt ausfallen, dass sie die Evolution des Finanzsektors ausbremsen.

    Gebannt wurde die Gefahr einer Abwärtsspirale im Frühling vor einem Jahr erst durch das beherzte Eingreifen der Notenbanken, die die Märkte mit Liquidität fluteten. Angesichts der akuten Bedrohung waren diese Maßnahmen berechtigt, sie führen allerdings zu Anreizproblemen.

    Anreizprobleme bei den Schattenbanken

    Vor Ausbruch der Finanzkrise gingen die Investoren davon aus, dass die etablierten Banken von einer impliziten Staatsgarantie geschützt werden. Analog dazu liegt jetzt der Schluss nahe, dass die Zentralbanken ihre schützende Hand über die Schattenbanken halten. Solche Garantievermutungen haben die lästige Eigenschaft, dass sie die Marktteilnehmer dazu verleiten, zu hohe Risiken einzugehen, vor allem in einer langen Boomphase, wie wir sie gerade erleben.

    Es gibt also gute Gründe, Schattenbanken strenger zu regulieren, zumal Zahlen aus den USA belegen, dass ihr Marktanteil massiv gewachsen ist. Allerdings kann man für dieses Wachstum nicht nur die Regulierungsarbitrage verantwortlich machen.

    Streng genommen ist das Etikett Schattenbanken diskriminierend, weil es nach finsteren Machenschaften klingt. Der offizielle Fachausdruck „Non-Bank Financial Intermediaries“ ist nur leider sehr viel weniger griffig. Tatsächlich stecken hinter dem Wachstum der Nichtbanken (neben der Regulierungsarbitrage) zwei Trends: zum einen die immer feinere Ausdifferenzierung der Finanzierungsmärkte, zum anderen die technologische Disruption. In den USA entsteht gerade unter dem Stichwort „Decentralized Finance“ ein Finanzierungsnetzwerk auf Basis der Blockchain-Technologie, das im Extremfall Banken, Börsen und andere Intermediäre überflüssig machen könnte.

    Das klingt nach Utopie, aber auch nach gefährlicher Anarchie. Die Kunst der Regulierer wird darin bestehen, die Risiken der Schattenbanken zu reduzieren, ohne sie wegzuregulieren und damit die etablierten Banken quasi unter Naturschutz zu stellen.

    Gefährliche Kettenreaktionen verhindern

    Wie kann das gelingen? Zum einen ist mehr Transparenz nötig. Als Erstes brauchen die Regulierer einen präzisen Überblick über die Risiken der Nichtbanken. Das ist noch immer nicht selbstverständlich, wie der Kollaps des US-Hedgefonds Archegos bewiesen hat.

    Wichtigstes Ziel muss es sein, gefährliche Kettenreaktionen an den Märkten zu verhindern. Nach der Finanzkrise wurde der regulatorische Werkzeugkasten um sogenannte makroprudenzielle Instrumente erweitert. Die Vorsilbe „makro“ weist darauf hin, dass sich die Maßnahmen nicht auf einzelne Finanzinstitute, sondern auf das gesamte Finanzsystem beziehen. De facto setzen die meisten Instrumente aber bei den systemrelevanten Banken an.

    Die Aufseher können die Institute zum Beispiel zur Bildung von zusätzlichen Kapitalpuffern verpflichten, oder sie können direkt in die Konditionen für Hypothekenkredite eingreifen, um Preisblasen am Immobilienmarkt zu verhindern.

    Es könnte Sinn machen, die makroprudenzielle Aufsicht systematisch auf die Schattenbanken auszuweiten. Die Aufseher könnten dann zum Beispiel noch strenger kontrollieren, ob illiquide Assets wie Unternehmenskredite oder Hochrisikoanleihen nicht zu kurzfristig refinanziert werden. Oder sie könnten in Boomphasen höhere Sicherheiten für die Finanzierung von Schattenbanken fordern. So ließe sich das Vertrauen in den Markt stärken und die Gefahr reduzieren, dass die Investoren alle zur gleichen Zeit in die gleiche Richtung rennen.

    Mehr: Archegos-Skandal kostet über zehn Milliarden Dollar

    Startseite
    0 Kommentare zu "Kommentar: Die Pandemie zeigt, wo die gefährlichen Schwächen der Finanzregulierung liegen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%