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Kommentar Die späte Rache der Aktienrückkäufe

Viel zu lange haben Unternehmen einen Großteil ihrer Gewinne in Aktienrückkäufe gesteckt. Jetzt haben sie nicht genug Cash, um die Coronakrise zu überleben.
17.03.2020 - 05:27 Uhr Kommentieren
Die Fluggesellschaft will mit ihren Aktienrückkäufen pausieren. Quelle: AFP
Flugzeuge von American Airlines

Die Fluggesellschaft will mit ihren Aktienrückkäufen pausieren.

(Foto: AFP)

Das Coronavirus bringt eine unangenehme Wahrheit ans Licht: Aktienrückkäufe sind schädlich für Unternehmen. Vor allem jetzt, wo die Konzerne einen langen Atem brauchen, um die kommenden Monate zu überbrücken, rächt sich die Aktionärspflege um jeden Preis.

Lange konnten viele Unternehmen gar nicht genug Aktien zurückkaufen, um ihren Börsenkurs anzukurbeln und damit die Aktionäre bei Laune zu halten. Für diese künstliche Verknappung des Angebots haben sie nicht nur einen Großteil ihrer Gewinne ausgegeben. Sie haben sich dafür zum Teil sogar verschuldet.

Jetzt stehen sie mit leeren Kassen da, zittern um ihr Überleben und rufen – wie etwa die Airlines – nach dem Staat. Aber in den vergangenen Jahren haben sie ihre Gewinne munter in Aktienrückkäufe und Dividenden gesteckt.

Laut einer Studie von JPMorgan Chase haben US-Unternehmen die Buybacks in der Vergangenheit bis zu 30 Prozent mit Anleihen finanziert. Das heißt, sie haben sich am Markt Geld geliehen, um Aktien zurückzukaufen. Ein pervertiertes System.

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    Unternehmen wie General Electric haben nach den Berechnungen des auf das Thema spezialisierten Professors Bill Lazonick zwischen 2009 und 2018 insgesamt 227 Prozent der Gewinne in Aktienrückkäufe und Dividenden gesteckt. Bei Boeing waren es 121 Prozent. Bei IBM 109 Prozent.

    Aber auch Pharmafirmen wie Pfizer oder Amgen haben nach diesen Berechnungen mehr dafür ausgegeben, ihre Aktionäre zufriedenzustellen, als sie Geld verdient haben. Summen, die sie in diesen Zeiten auch für die Forschung an Medikamenten gegen das Coronavirus hätten nutzen könnten.

    Google und Facebook müssen sich keine Sorgen machen

    Ganz anders sieht es für Google oder Facebook aus. Sie haben kaum Aktien im freien Handel zurückgekauft, brauchen sich keine Sorgen machen. Sie können sich nun großzügig zeigen und mit ihren gefüllten Kassen bei Corona-Tests helfen und ihre Mitarbeiter und Zulieferer in diesen schwierigen Zeiten ordentlich behandeln. Ganz ohne Staatshilfe.

    Allzu hohe Aktienrückkäufe sind grundsätzlich ein Warnsignal. Sie sind ein Zeichen dafür, dass die Unternehmen nicht wissen, wohin mit ihrem Geld. Sie haben also nicht genug Ideen, in welche zukunftsträchtigen Innovationen sie investieren sollten oder wie sie die Anleger sonst überzeugen sollten, dass sich ein Investment in ihre Aktien lohnt. Und sie wollen das Geld nicht als Reserven zurücklegen.

    Jetzt rächt sich dieser rein Aktienmarkt getriebene Ansatz, den auch viele Anleger fordern. Die Unternehmen schlagen Alarm. Delta, American Airlines und andere Fluggesellschaften haben bereits angekündigt, dass sie ihre Aktienrückkäufe pausieren. Das ist auch das Mindeste. Schließlich fordern sie gerade 50 Milliarden Dollar Staatshilfen. Ein Vielfaches dessen, was sie nach dem 11. September bekommen haben.

    Auch mehrere US-Banken – ebenfalls Dividenden- und Rückkauf-Könige – haben erklärt, dass sie ihre angekündigten Programme erst einmal auf Eis legen. Vielleicht bereiten auch sie sich schon darauf vor, erneut um Staatshilfen zu betteln.

    Die norwegische Bankenaufsicht hat die Institute in Skandinavien aufgefordert, Dividenden zu streichen und Rückkaufprogramme abzublasen.
    Das ist auch richtig so. Grundsätzlich sollten alle Unternehmen und Banken dazu verpflichtet werden, die nächsten Jahre keine Aktienrückkäufe zu tätigen, wenn sie Staatshilfen annehmen.

    Die USA haben das bereits einmal versucht, aber nicht wirklich durchgesetzt. Diesmal sollten die Regeln wasserdicht sein.

    Mehr: Hedgefonds wittern in der Coronakrise ihre Chance.

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