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Kommentar Ein Gesetz allein kann einen zweiten Fall Wirecard sicher nicht verhindern

Das Wirecard-Gesetz ist kein Fehlschuss, aber auch nur der Einstieg in eine verschärfte Bilanzkontrolle. Ob Bafin, Aufsichtsräte oder Abschlussprüfer: Alle Akteure müssen nachlegen.
20.05.2021 Update: 20.05.2021 - 18:47 Uhr Kommentieren
Die Aufarbeitung seit einem Jahr hat Fehlverhalten bei vielen Beteiligten dokumentiert. Quelle: Reuters
Akte zum Fall Wirecard

Die Aufarbeitung seit einem Jahr hat Fehlverhalten bei vielen Beteiligten dokumentiert.

(Foto: Reuters)

Seit Donnerstag ist amtlich, wie die Zukunft des Finanzmarkts Deutschland per Gesetz gesichert werden soll: Das sogenannte FISG ist vom Bundestag verabschiedet worden. Die Politik reagiert damit auf den Wirecard-Skandal und will die Bilanzkontrolle reformieren – von der Finanzaufsicht über die Wirtschaftsprüfung bis zur Unternehmensführung.

Die Ambitionen und Erwartungen sind groß. Aber kann das Gesetz zur Stärkung der Finanzmarktintegrität einen zweiten Fall Wirecard wirklich verhindern? Sicherlich nicht. Ein Gesetz allein wird das nicht schaffen, dafür enthält es zu viele Selbstverständlichkeiten und zu wenig durchgreifende neue Ideen.

Es wäre aber falsch, das FISG daher als überflüssig und wirkungslosen Schnellschuss abzutun. Es setzt prinzipiell an den wunden Punkten im System der deutschen Bilanzkontrolle an, dessen Versagen durch den Wirecard-Skandal offengelegt wurde. Hinter dem Gesetz steckt erkennbar die Idee, Täter abzuschrecken, die Finanzaufsicht zu schärfen und Wirtschaftsprüfer auf ihre ureigene Aufgabe zu verpflichten: nämlich die Korrektheit von Abschlüssen zu bestätigen.

Die dazu nun beschlossenen Schritte kann man sicherlich mit guten Argumenten zerpflücken. Gerade bei der Regulierung der Abschlussprüfer ist das Gesetz nicht der große Wurf. Dass Firmen von öffentlichem Interesse nun alle zehn Jahre ihr Prüfungsunternehmen wechseln müssen, ist schon seit 2016 von der EU verordnet. Jetzt wird praktisch nur eine Sonderregelung gestrichen, die sich Deutschland damals ausbedungen hat.

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    Ob zehn oder 15 Jahre: Es ist ohnehin fraglich, ob eine schnellere Rotation die Prüfungsqualität deutlich verbessert. Studien zeigen, dass gerade in den ersten Jahren nach einem Wechsel die meisten Prüfungsfehler unterlaufen. Für die Wirtschaftsprüfer ist diese Rotation zudem problemlos – auch nach zehn Jahren kennt man den Mandanten so gut, dass man sich nach Abgabe des Prüferauftrags dort erfolgreich als Berater bewerben kann.

    Kein totales Beratungsverbot für Prüfer

    Beim erklärten Ziel, Prüfungsarbeit und Beratungsleistungen stärker zu trennen, geht das Gesetz nur einen kleinen Schritt. Abschlussprüfer dürfen den Mandanten künftig nicht mehr bei Steuer- und Bewertungsfragen beraten. Das ist für die Branche aber verschmerzbar. Anders wäre es gewesen, wenn ein Beratungsverbot nach Abgabe des Prüfungsmandats im Gesetz verankert worden wäre.

    Defizite des Gesetzes gibt es auch mit Blick auf die Pläne zur Reform der öffentlichen Bilanzkontrolle. Dass die Finanzaufsicht Bafin nun endlich zu einer Eingreiftruppe bei Verdacht auf bilanzielle Ungereimtheiten werden soll, ist zwar gut und längst überfällig.

    Allerdings ist dafür zunächst ein echter Kulturwandel bei der Bafin nötig. Es ist auch noch nicht erkennbar, wie die vorherrschende Intransparenz im System der Bilanzkontrolle beseitigt werden soll. Seit Jahren arbeiteten Behörden wie die Bafin, die Deutsche Prüfungsstelle für Rechnungslegung (DPR) und vor allem die Abschlussprüfer-Aufsicht Apas bei der Überprüfung der Rechnungslegung hinter fest verschlossenen Türen. Ermittlungen werden erst Jahre später publik, die Verantwortungen bleiben unklar.

    Immerhin: Die Bafin bekommt durch den Wegfall der DPR eine zentrale Rolle und kann künftig in bestimmten Fällen die Namen der Unternehmen publik machen, gegen die sie ermittelt. Dann rückt die Firma samt ihrem Abschlussprüfer ins Visier der Öffentlichkeit.

    Bilanztrickser werden abgeschreckt

    Ein solches „naming and shaming“ trifft einen entscheidenden Punkt bei dem Vorhaben, die Rechnungslegung sicherer zu machen – nämlich die Abschreckung von Tätern und die Pflicht von Unternehmen und Prüfungsgesellschaften, genauer in die Rechnungslegung zu sehen. Genau dieses Ziel hat auch die deutlich verschärfte Haftung für die Prüfer im FISG.

    Nur mit maximaler Abschreckung, kritischerem Blick und größtmöglicher Transparenz kann das System der Bilanzkontrolle einen zweiten Fall Wirecard verhindern. Dies gilt für gesetzliche Eingriffe ebenso wie für die Verantwortung und tägliche Arbeit von Aufsichtsräten und Abschlussprüfern.

    Das Argument, gegen ausgeklügelten Betrug wie bei Wirecard sei man einfach machtlos, zieht längst nicht mehr. In der Aufarbeitung des Falls seit Juni 2020 hat sich gezeigt, dass es für Bilanzkontrolle, Aufsichtsräte und Abschlussprüfer in all den Jahren genug Momente gab, die rote Flagge zu hissen und sich nicht länger blenden zu lassen.

    Das FISG kann nur der Einstieg in eine verschärfte Bilanzkontrolle sein. Ob Bafin, Prüfer oder Aufsichtsräte: Alle Akteure werden nachlegen müssen.

    Mehr: Fünf Maßnahmen der Koalition, damit sich der Fall Wirecard nicht wiederholt

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