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  4. DIW-Studie: Vermögensungleichheit höher, als gedacht

KommentarEine Vermögensteuer würde die Spaltung verschärfen

Laut einer neuen DIW-Studie ist die Vermögensungleichheit höher als gedacht. Eine Vermögensteuer ist aber keine Lösung. Die Priorität sollte woanders liegen.Martin Greive 16.07.2020 - 08:41 Uhr

Deutschland weiß über seine Vermögenden so gut wie nichts, zeigt eine DIW-Studie.

Foto: dpa

Die neue DIW-Studie zur Ungleichheit bringt endlich etwas Licht ins Dunkel. Während Armut in Deutschland in alle Ecken ausgeleuchtet ist, weil sich Sozialbedürftige vor dem Staat nackig machen müssen, weiß das Land über seine Vermögenden so gut wie nichts.

Eine verlässliche Politik braucht aber eine solide Datengrundlage, um auf dieser Basis Verteilungsfragen zu klären. Die Ergebnisse der DIW-Studie dürfen nur nicht fehlinterpretiert werden in der Art, jetzt zum großen Halali auf Vermögende blasen zu können.

Ja, die Vermögensungleichheit scheint sogar noch etwas höher zu sein, als bislang angenommen wurde, und schon da lag Deutschland international in der Spitzengruppe.

Deshalb eine Vermögensteuer noch lauter zu fordern, wie es einige Politiker bereits tun, würde die Ungleichheit aber nicht verringern, sondern verschärfen. Zuerst einmal müssen die Ergebnisse im rechten Licht betrachtet werden: Die hohe Vermögensungleichheit in Deutschland hat spezifische Ursachen.

Viele Ostdeutsche hatten nach der Wende weder Immobilienbesitz noch Ersparnisse, sondern starteten bei null. Dieser Rückstand lässt sich auch in 30 Jahren nicht aufholen.

Zum Zweiten ist die hohe Ungleichheit auch einem stark ausgebauten Sozialstaat geschuldet. Studien zeigen: Je stärker ein Staat umverteilt, desto geringer ist das Vermögen der unteren Einkommensbezieher. Deshalb ist die Vermögensungleichheit in den als sehr sozial geltenden skandinavischen Ländern auch noch höher als in Deutschland.

Betriebsvermögen statt Swimmingpool

Vor allem aber zeigt die DIW doch gerade eines: Vermögende verbringen eben nicht, wie eine Kampagne auf Twitter kürzlich nahelegte, ihren Tag Cocktail schlürfend im Liegestuhl, sondern sie sind diejenigen, die besonders viel arbeiten. Sie sind die Leistungsträger.

Und ihr Geld steckt eben nicht in goldenen Swimmingpools, sondern in Betriebsvermögen, das produktiv für die Gesellschaft eingesetzt wird, weil daran Millionen Arbeitsplätze hängen.

Die Wiedereinführung einer Vermögensteuer würde genau diese Arbeitsplätze gefährden. In der Coronakrise ist die Substanz vieler Unternehmen ohnehin schon angekratzt, eine Vermögensteuer würde ihnen den Rest geben.

Wer Vermögende steuerlich stärker belasten will, sollte dies über eine höhere Erbschaftsteuer tun. Diese ist nach den misslungenen Reformversuchen vergangener Jahre wahrscheinlich ohnehin wieder verfassungswidrig. Eine einfachere Erbschaftsteuer mit großzügigen Stundungsmöglichkeiten dürfte auch Betriebe nicht überfordern.

Priorität sollte aber etwas ganz anderes haben: Ungleichheit bekämpft die Politik am effektivsten, wenn sie unteren Einkommen den Vermögensaufbau erleichtert. Und indem sie sich endlich dem wahren Ungleichheitsproblem in Deutschland widmet: den mangelnden Aufstiegschancen von Kindern aus ärmeren Familien.

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