Kommentar: Elon Musk stolpert über Grok und über sich selbst

Elon Musk wollte mit einem Update seines KI-Modells Grok einen Triumph feiern. Stattdessen markiert der Schritt eine Zäsur: Sein KI-Chatbot Grok verbreitet antisemitische Verschwörungserzählungen, und X-Chefin Linda Yaccarino tritt zurück. Der KI-Pionier steht plötzlich selbst wie ein Systemfehler da.
Elon Musk war lange der Mann, der das Undenkbare möglich machte: Marspläne, Elektroautos oder wiederverwendbare Raketen. Doch wer sich auf Visionen allein verlässt, verliert den Blick für Risiken. Seit seinem Engagement für US-Präsident Donald Trump hat das öffentliche Ansehen von Musk gelitten. Als technologischer Vordenker wurde er jedoch von vielen im Silicon Valley weiter gefeiert.
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Das Fiasko rund um das Update von Grok beschädigt nun auch sein Bild als Technologie-Visionär. Grok 4 sollte den Textroboter ChatGPT vom Rivalen Sam Altman abhängen. Stattdessen liefert Musk einen Schock: einen Chatbot, der Hitler lobt, eine Chefin, die wortkarg geht und eine Produktvorstellung, die zum Rohrkrepierer wird. Musk verliert die Deutungshoheit über sein KI-Projekt.
Das zentrale Problem ist nicht die Technologie. Musk ringt mit ähnlichen Problemen wie die gesamte Branche. Modelle auf Basis Künstlicher Intelligenz machen Fehler. Das gilt für Grok wie für ChatGPT. Schon Grok 2 fiel mit bizarren Antworten auf, Kritik gab es reichlich. Doch Musk belächelte sie als Mainstream-Angst.
Das Problem von Musk ist fehlende Demut. Der Mythos vom genialen Störenfried trägt nicht mehr, wenn das Produkt Hass verbreitet und das Personal entnervt das Feld räumt. Musk hat ein geniales KI-Modell versprochen, das es heute einfach nicht gibt. Anstatt offen Probleme einzuräumen, verlacht er Kritik und schweigt zu Problemen.
Musk verkennt, dass Technologie keine Bühne für Egos ist, sondern für Verantwortung. Er versprach eine KI, die Wahrheit sichtbar macht, nun wird Grok zum Symbol für algorithmisch erzeugte Hetze.
Wenn Grok 4 scheitert, liegt es nicht an der Technik – sondern an einem CEO, der lieber provoziert als kontrolliert.