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Kommentar Epic Games' Klage ist eine epische Herausforderung für Apple und Google

„Fortnite“-Hersteller Epic Games greift die Marktmächte an – und setzt Fan-Leidenschaft gegen anonyme Geschäftsmodelle. Das verspricht Signalwirkung.
15.08.2020 - 09:29 Uhr Kommentieren
Der Computerspielhersteller zieht gegen die großen Tech-Konzerne ins Feld – und setzt auf Emotionalisierung der Nutzerbasis. Quelle: via REUTERS
Kampagne von Epic Games

Der Computerspielhersteller zieht gegen die großen Tech-Konzerne ins Feld – und setzt auf Emotionalisierung der Nutzerbasis.

(Foto: via REUTERS)

Wer sollte in den Kampf gegen die schier übermächtigen Tech-Giganten aus den USA ziehen, wenn nicht die „Fortnite“-Entwickler? Auf der ganzen Welt vertreiben sich 350 Millionen Menschen ihre Zeit mit dem populären Onlinespiel, 2019 spülte das etwa 1,8 Milliarden Euro in die Kasse von Hersteller Epic Games. Die Siegestänze der Spielfiguren sieht man inzwischen bei Star-Fußballern auf dem Platz ebenso wie bei Kindern auf dem Schulhof. Fortnite ist Popkultur. Kein Wunder, dass sich Epic Games bei dem Hype selbst einiges zutraut. Apple und Google herauszufordern, zum Beispiel.

Das FSK-12-Schlachtgetümmel ist bei Apple und Google aus den App-Stores geflogen, weil Epic Games es gewagt hat, den Kauf der „Fortnite“-eigenen Spielwährung an den Bezahlsystemen der mächtigen Plattformbetreiber vorbei anzubieten. Sprich: Das echte Geld sollte ohne die übliche 30-Prozent-Vemittlungsgebühr direkt beim Hersteller landen. Epic Games verklagte Apple umgehend, praktisch auf Wiederaufnahme in den App-Store. Begleitet wird das von einer wohlkonzertierten PR-Kampagne. Die Vermutung liegt nahe: Epic Games hat den Rauswurf provoziert.

Allein um Geld kann es dabei nicht gehen. Nur rund zwölf Prozent der Spieler nutzen für „Fortnite“ ein Mobilgerät. Wer sich das Spiel auf sein iPhone oder iPad lädt, macht das nicht, weil es das Smartphone-Erlebnis verbessert. Wer das tut, will „Fortnite“ spielen – und wird auch einen Weg finden, es ohne Apple zu tun. Apple und Google wiederum verlieren nur einen von zahlreichen Erfolgstiteln im App-Store. Der Schaden ist also für beide Seiten überschaubar.

Und doch, das Signal sendet weit in die Welt. In dem Streit stehen sich Epic Games, etwa 17 Milliarden Dollar Unternehmenswert, und Apple, zwei Billionen Dollar Börsenwert, juristisch gegenüber. Der „David gegen Goliath“-Vergleich wird bemüht und unterstützt das Narrativ vom tyrannischen Überkonzern Apple, den es zu bezwingen gilt.

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    Das ist maßlos übertrieben, aber in der Öffentlichkeitswirkung überaus effizient. Die „Fortnite“-Spieler sind aufgerufen, in den sozialen Netzwerken Druck auf Apple auszuüben. „#freeefortnite“ heißt es da, als ginge es um politisch Gefangene. Das ist natürlich Unsinn, aber es mobilisiert die emotional stark an den Titel gebundene Spielerschaft – und das ist wohl der wahre Grund für den Vorstoß.

    Zeigt er doch, dass der Erfolg der Plattformökonomie und der dahinterstehenden Quasi-Monopolisten nicht nur erdrückende Marktmacht, sondern auch draufgängerische Angreifer wie Epic Games mit einer allgewaltigen Fangemeinde hervorbringt. Angreifer, die einen unschlagbaren ökonomischen Vorteil haben: Computerspiele wie „Fortnite“ und PUBG buhlen um die gleiche Spielerklientel – jung, technikaffin, potenziell besserverdienender Haushalt. Diese Klientel wächst ständig nach. Immer neue Titel generieren immer neue Fans. Diese Fähigkeit besorgt sogar Erfolgskonzepte wie Netflix, die ihrerseits den klassischen Medienkonsum auf den Kopf stellen.

    Die globalen Gatekeeper Amazon, Google und Apple waren vor 20 Jahren selbst genau solche Herausforderer. Apple hatte zu Zeiten des ersten Macintosh-Computers oder des ersten iPhones eine vergleichbar leidenschaftliche Bindung zu seinen „Jüngern“, die CEO Steve Jobs perfekt auszuspielen wusste. Heute sind die nicht mehr ganz so margenstarken Geräte nur noch ein Teil des Produktportfolios. Das nächste „one more thing“ ist die Cloud. Die globalen Tech-Konzerne setzen allesamt, neben kreativen Steuersparmodellen, zur Gewinnoptimierung inzwischen auf gesichts- und vor allem produktlose Netzwerkdienste. Das freut zwar Aktionäre, im Wachstumsmarkt Gaming allerdings, der in der Coronakrise einen weiteren Push erlebt, verkommen sie trotz eigener Bemühungen, Spieleplattformen zu etablieren, zu Dienstleistern.

    Und auf diese Rolle können sich die Tech-Giganten auf keinen Fall reduzieren lassen wollen, bietet sie doch ein Einfallstor für zahlreiche weitere Attacken wie die von Epic Games. Und vielleicht ist der „Fortnite“-Aufstand, der keiner Konfliktpartei so richtig wehtut, der Auftakt für eine Revolte. Denn wenn die Spielehersteller ihre eigene Marktmacht entdecken, können sie den Großen zumindest die Kontrolle über ihr eigenes Gebiet, das Gaming, abtrotzen.

    Und dann markiert der Fall „Fortnite“ am Ende den Auftakt einer epischen Schlacht. Lohnt sich der Kampf um Unabhängigkeit dann irgendwann nicht mehr nur ideell, sondern auch finanziell, ist für die Digitalwirtschaft viel gewonnen.

    Mehr: Epic Games startet die Rebellion gegen Apple und Google.

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