Kommentar: Es ist an der Zeit, dass auch Bauern eine CO2-Abgabe zahlen

Kürzlich hat die EU ihren einzigartigen Klimaschutzmechanismus deutlich verschärft: Immer mehr Unternehmen müssen für ihren CO2-Ausstoß zahlen und der Preis dafür steigt in Zukunft deutlich an.
Doch eine Branche kam auch bei der letzten Reform des Emissionshandels ungeschoren davon: die Landwirtschaft. Felder und Vieh können weiterhin kostenlos das Klima schädigen.
Die Umweltauflagen und Subventionskürzungen, die in Frankreich wie in Deutschland die Bauern auf die Straße treiben, sind darum wahrscheinlich erst der Anfang. Der veränderungsmüden Branche stehen noch viel größere Umwälzungen bevor als in der Chemie- und Energiewirtschaft, wo riesige Industrieanlagen abgeschaltet und neu gebaut werden.
Gründe dafür, die Landwirtschaft beim Emissionshandel auszunehmen, gibt es keine – zumindest keine nachvollziehbaren.
Die Landwirtschaft ist der größte Sektor, für den es bisher keinen Plan gibt, wie die Emissionen deutlich gesenkt werden können. Dass die Bauern keine CO2-Abgaben zahlen, geht am Ende zulasten anderer Wirtschaftszweige, bei denen der Einspardruck umso größer ist.
Eine andere Landwirtschaft ist möglich
Die meisten Klimagase fallen in der Landwirtschaft durch Viehhaltung an. Dabei geht es nicht so sehr um CO2, sondern um Methan. Insbesondere Kühe produzieren viel davon. Eine Tonne Methan schädigt das Klima 25-mal so viel wie eine Tonne CO2. Es gibt Möglichkeiten, den Methanausstoß zu senken, etwa durch anderes Futter. Aber ohne einen Preis auf Klimagase sind die Anreize dafür gering.
Der lückenhafte Emissionshandel führt zu absurden Situationen: So machen es die CO2-Abgaben auf Benzin attraktiv, Kraftstoffpflanzen anzubauen und daraus Biobenzin herzustellen. Allerdings entsteht beim Anbau dieser Kraftstoffpflanzen Lachgas, welches das Klima 300-mal so stark schädigt wie CO2. Für das Freisetzen dieses Lachgases zahlen die Bauern nichts.
>> Lesen Sie hier: Sind die Proteste der Landwirte nachvollziehbar? Eine Debatte
Die Landwirtschaft in den Emissionshandel einzubeziehen, wäre gewiss nicht trivial. Zum einen bräuchte es verlässliche Berechnungsmethoden für die freigesetzten Gase. Zum anderen muss auf die Versorgungssicherheit geachtet werden: Europa hat ein Interesse daran, dass wichtige Nahrungsmittel vor Ort angebaut werden. Lösbar sind diese Probleme aber. Die größte Hürde ist die Lobbymacht der Agrarwirtschaft.
Die CO2-Abgaben sollten an die Bauern zurückfließen
Die Verbraucher müssten sich daran gewöhnen, dass manche Produkte teurer werden, insbesondere tierische Lebensmittel. Aus Sicht des Klimaschutzes ist das erstrebenswert. Denn Tierprodukte sind viel aufwendiger zu produzieren als pflanzliche Proteine. Ein Liter Kuhmilch verursacht etwas dreimal so viele Klimagase wie ein Liter Sojamilch – und braucht nebenbei auch etwa das Zehnfache an Fläche und 20-mal so viel Wasser.
>> Lesen Sie hier: „Populistisch und verlogen“ – die entlarvende Bauern-Strategie der AfD
Pläne für einen Agrar-Emissionshandel gibt es in der EU schon lange. Sobald sich nach der Europawahl eine neue EU-Kommission zusammengefunden hat, wird es ihre Aufgabe sein, diese Pläne in die Tat umzusetzen.
Die Proteste der Landwirte sind schon jetzt abzusehen. Darum sollte die EU von Anfang an festlegen, was mit den Klimaabgaben aus der Landwirtschaft passieren soll: Sie müssen wieder in die Branche investiert werden – und den Agrarbetrieben helfen, ihre Produktion klimafreundlich umzustellen.