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KommentarEs ist Handelskrieg und keiner geht hin

Mit Gegensanktionen ist es nicht getan. Die EU sollte den US-Präsidenten mit einem überraschenden Befreiungsschlag in Verlegenheit bringen.Torsten Riecke 01.04.2025 - 04:25 Uhr
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US-Präsident Donald Trump will Einfuhren nach Amerika mit neuen Zöllen sanktionieren. Foto: DOUG MILLS/The NewYorkTimes/Redux/laif

Für Donald Trump ist es der „Tag der Befreiung“. Für den Rest der Welt ist es der Startschuss für einen globalen Handelskrieg. Wenn der US-Präsident am Mittwoch nicht nur die bereits angedrohten Strafzölle auf Autoimporte in Kraft setzt, sondern mit einem Rundumschlag noch weitere Einfuhren in die USA mit Sonderabgaben belegt, markiert das eine weitere Zeitenwende: Die regelbasierte Weltwirtschaftsordnung wird abgelöst von einem geoökonomischen Machtkampf, in dem das Recht des Stärkeren gilt.

Wie soll Europa auf den handelspolitischen Rundumschlag eines US-Präsidenten reagieren, der sich nicht von ökonomischer Vernunft, sondern von einem selbstzerstörerischen Protektionismus leiten lässt? Die EU ist gut beraten, an ihrer bisherigen Doppelstrategie festzuhalten und gezielte Vergeltungssanktionen gegen Produkte aus den Trump-Hochburgen in den USA mit Konzessionen zu kombinieren.

Alle Industriezölle auf null stellen

Das reicht jedoch nicht. Europa muss gegenüber Trump in die Offensive gehen und sollte den Handelskrieger im Weißen Haus mit dem entwaffnenden Vorschlag in Verlegenheit bringen, alle transatlantischen Zölle auf Industriegüter abzuschaffen. Der frühere EU-Präsident Jean-Claude Juncker hatte dieses Ziel mit Trump bereits während dessen erster Amtszeit 2018 anvisiert. Die Autozölle auf null zu senken, wäre ein guter Anfang, um eine Eskalation zu vermeiden, bei der beide Seiten nur verlieren würden.

US-Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman hat Handelskriege einmal als Konflikte beschrieben, „in denen jede Seite den Großteil ihrer Munition dazu verwendet, sich selbst ins Knie zu schießen“. Die Reaktionen der Wirtschaft zeigen, wer die Leidtragenden von Trumps verquerem Rachefeldzug gegen die Handelspartner Amerikas sind.

Der US-Börsenindex S&P 500 ist seit dem Amtsantritt des Zollkriegers im Weißen Haus um mehr als acht Prozent gesunken. In den vergangenen vier Wochen allein wurde ein Vermögen in Höhe von vier Billionen Dollar vernichtet. Verluste müssen auch die amerikanischen Autobauer GM und Ford einstecken, weil teurere Importe von Zulieferteilen die Kosten pro Fahrzeug nach Schätzungen von Analysten um bis zu 6700 Dollar in die Höhe treiben könnten.

Selbst US-Autohersteller wie Ford leiden unter den Einfuhrzöllen, weil ihre Zulieferteile teurer werden. Foto: MOHAMED SADEK/The NewYorkTimes/Redux/laif

Das Verbrauchervertrauen in den USA ist bereits auf den niedrigsten Stand seit mehr als zwei Jahren abgestürzt. Die OECD rechnet für 2026 nur noch mit einem Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent. Ökonomen sagen für die USA einen Stagflationsmix aus steigenden Preisen und stagnierendem Wachstum voraus. Für das wachstumsschwache Europa wären die Folgen eines Handelskriegs womöglich noch gravierender.

Zu den Verlierern zählen aber auch all die Topmanager, die Trump in dem naiven Glauben unterstützt haben, seine Zolldrohungen seien nur eine Verhandlungstaktik. Geht es Trump diesmal doch offensichtlich nicht um einen schnellen „Deal“, sondern darum, seine nationalistisch-merkantilistische Weltsicht durchzusetzen, wonach sich der Wohlstand der Nationen nur an ihrem Handelsüberschuss bemisst. Dass seine Apologeten dabei selbst die nicht-diskriminierende Mehrwertsteuer in Europa als unfaire Handelsbarriere brandmarken, zeigt, wie schwer es ökonomische Vernunft im Zeitalter des Protektionismus hat.

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Liberaler Populismus

Noch ist unklar, ob sich am Ende die ideologischen Handelskrieger im Trump-Lager durchsetzen. Gut möglich, dass Europa dem Beispiel des kanadischen Premierministers Mark Carney folgen muss, der dem Populisten im Weißen Haus einen liberal gesinnten Populismus entgegensetzt. „Das ist ein direkter Angriff auf die kanadischen Arbeiter“, sagte Carney mit Blick auf die gegen sein Land verhängten Autozölle. Er werde Kanadas Industrie schützen und „ein starkes Kanada aufbauen“. Europas Bürger erwarten von ihren Regierungen nicht weniger.

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