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Kommentar Europa braucht schnell eine eigene Mega-Chip-Fabrik

Die EU sollte sich um eine Ansiedlung der großen Auftragsfertiger aus der Chipbranche bemühen. Das ist nicht so aussichtslos, wie es zunächst scheint.
26.01.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
Der weltgrößte Auftragsfertiger baut eine neue Fabrik in den USA. Europa steht als Produktionsstandort bei den Taiwanern bislang nicht auf der Agenda. Quelle: Reuters
TSMC

Der weltgrößte Auftragsfertiger baut eine neue Fabrik in den USA. Europa steht als Produktionsstandort bei den Taiwanern bislang nicht auf der Agenda.

(Foto: Reuters)

Seine letzten Tage im Weißen Haus waren turbulent. Am Ende wurde Donald Trump mit Schimpf und Schande in Washington vom Hof gejagt. Dabei ging völlig unter, dass nicht alles schlecht war, was der ehemalige US-Präsident in den vergangenen vier Jahren angepackt hat.

Trump hatte früher als viele andere Politiker erkannt, welch wichtige Rolle Halbleiter in der modernen Welt spielen. Er schaffte es, den wichtigsten Auftragsfertiger der Branche zu einem Werksneubau in den USA zu bewegen: Der taiwanische Konzern TSMC steckt jetzt über mehrere Jahre hinweg zwölf Milliarden Dollar in eine moderne Fabrik in Arizona. Damit werden die USA ein Stück weit unabhängiger von Lieferungen aus Asien.

Daran sollte sich Europa ein Beispiel nehmen. Die EU muss alles dafür tun, dass die weltgrößten Auftragsfertiger, also TSMC und Samsung, auch hier investieren. Denn es zeigt sich in diesen Tagen, wie abhängig eine europäische Schlüsselindustrie von den Herstellern aus Fernost ist: Überall auf dem Kontinent stehen die Bänder in den Autofabriken still, weil Halbleiter fehlen.

Es ist schon fast demütigend, wenn sich Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) in einem Brief an seine taiwanische Kollegin wenden muss. Seine Bitte: Sie möge sich bei TSMC für die deutsche Autoindustrie einsetzen.

Die Chancen für eine Ansiedlung einer sogenannten Foundry stehen gar nicht einmal so schlecht. Das zeigt sich ebenfalls in Amerika: Denn inzwischen denkt auch Samsung über eine eigene Fabrik in den USA nach. Dazu braucht es inzwischen nicht einmal mehr die mitunter brachialen Drohungen eines Donald Trump, die bei TSMC sicher eine Rolle gespielt haben. Offenbar hat Samsung erkannt, wie attraktiv eine Fertigung näher an den Kunden ist.

Finanzielle Anreize schaffen

Natürlich sind dazu die entsprechenden finanziellen Anreize nötig. Neue Halbleiterfabriken werden in Asien und den USA üppig gefördert. TSMC hat sich das Geld schon gesichert, Samsung verhandelt noch. Da müsste Europa mitziehen, keine Frage.

Wichtiger aber sind die Kunden – und die gibt es in Europa zweifellos. Es sind nicht nur stark expandierende, große Chipkonzerne wie Infineon, NXP und ST Microelectronics. Es existieren auch zahlreiche Halbleiterfirmen in der zweiten Reihe wie der Apple-Zulieferer Dialog Semiconductor. Zudem könnte eine solche Fabrik interessant für Autozulieferer wie Continental sein, die bislang keine eigenen Halbleiter entwickeln.

Denn das ist der nächste große Trend: Nicht nur die Chiphersteller kaufen bei den Auftragsfertigern ein, sondern immer mehr branchenfremde Firmen. Apple ist das beste Beispiel dafür – die Kalifornier sind der größte Kunde von TSMC. Inzwischen forschen aber auch Microsoft, Amazon und Google an eigenen Chips. Wahrscheinlich werden künftig immer mehr Konzerne ihre maßgeschneiderten Halbleiter entwickeln und dafür Produktionskapazitäten benötigen.

Europa sollte sich nicht lange Zeit lassen, wenn es um neue Chipfabriken geht. Denn bis sie einmal laufen, vergehen mehrere Jahre. Die Misere der Autoindustrie zeigt, dass die Zeit drängt.

Mehr: Chip-Mangel und drohender Shutdown: Die Autoindustrie kämpft an zwei Fronten

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