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Kommentar Fangt endlich mit dem Testen an, statt Reiseverbote zu verhängen

Die Luftfahrt ist in der Pandemie zum Prügelknaben geworden. Ständig drohen neue Reiseverbote. Dabei gibt es viel bessere Lösungen gegen die Corona-Pandemie.
28.01.2021 - 08:27 Uhr 2 Kommentare
Die Bundesregierung denkt über eine massive Einschränkung des Luftverkehrs nach und verweist dabei auf das Beispiel Israel. Quelle: dpa
Passagiere am Flughafen Ben Gurion International

Die Bundesregierung denkt über eine massive Einschränkung des Luftverkehrs nach und verweist dabei auf das Beispiel Israel.

(Foto: dpa)

An diesem Donnerstag will der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) auf das vergangene Jahr zurückblicken und einen Ausblick auf das neue wagen. Das eine wie das andere dürfte bitter werden. Auch ein Jahr nach Beginn der Corona-Pandemie sieht es für die Luftfahrt düster aus.

Immer wieder ersticken neue Entwicklungen in der Coronakrise Hoffnungsfunken bei Airlines und Flughäfen, dass es zumindest etwas aufwärtsgehen könnte. Aktuell ist es die Furcht vor hochansteckenden Mutationen, die sogar ein weitgehendes Verbot von Reisen auf die Tagesordnung der Regierenden in Berlin gebracht hat – für die Branche ein neuer Schock.

Dabei ist das Virus nicht auf das Flugzeug festgelegt. Wenn ihm dieser Weg versperrt ist, „bucht“ es einen anderen – zum Beispiel die Straße. Ein Verbot von Flugreisen ist Aktionismus. Statt ständig weiter auf die eh schon am Boden liegende Luftfahrt einzutreten, sollte endlich mit einem engmaschigen Testkonzept und harten Kontrollen begonnen werden.

Der Gedanke ist verlockend, ein Land vorübergehend abzuriegeln, um die Corona-Mutationen quasi an der Grenze zu stoppen. Doch was in Israel vielleicht noch funktioniert, geht in Deutschland nicht. Israel ist ein Land, dessen Außengrenzen seit Jahrzehnten streng und engmaschig kontrolliert werden. Wenn man wie jetzt geschehen auch noch die Flughäfen schließt, ist das Land tatsächlich isoliert.

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    Deutschland mit seiner Lage mitten im vereinten Europa kann sich nicht so einfach abriegeln. Mit einer Außengrenze von fast 3900 Kilometer Länge ist das Land in Europa das mit den meisten Nachbarstaaten.

    Deutschland kann sich nicht abriegeln

    Diese Linie komplett zu schließen ist ohne erhebliche Folgeschäden nicht möglich. Was geschieht mit all den beruflichen Grenzgängern? Wie soll der Warenverkehr funktionieren? Wie sollen Firmen wichtige Servicemitarbeiter zu Kunden schicken? Natürlich könnten Ausnahmen all das sicherstellen. Doch stets reist dann eben auch das Virus mit.

    Es geht einfach nicht ohne den Transport von Personen und Waren. Das wissen wir spätestens seit dem ersten Lockdown. Die Frage ist, warum wir dieses Wissen nicht viel besser genutzt haben. Reisen in Pandemiezeiten geht – mit einer engmaschigen Teststrategie und Überwachung, ob die Vorgaben auch eingehalten werden.

    Testpflicht für alle Passagiere

    Dass die Polizei bei Kontrollen am Frankfurter Flughafen rund 100 Verstöße gegen die aktuellen Reisebestimmungen festgestellt hat, ist gerade kein Beleg dafür, dass das nicht funktioniert. Sicher mag der eine oder andere dabei gewesen sein, der bewusst die Vorgaben ignorierte. Doch in Summe zeigt die Zahl der Verstöße, dass die Menschen und sicher auch die Verantwortlichen bei den Airlines einfach nur noch verwirrt sind von der Vielzahl an unterschiedlichen Vorgaben, die sich zudem auch noch beinahe stündlich ändern.

    Warum hat man nicht längst eine Testpflicht für alle Passagiere beschlossen – unabhängig davon, ob sie aus einem Risikogebiet kommen oder nicht? Der Welt-Airlineverband Iata hat dafür längst die Voraussetzungen geschaffen – mit dem sogenannten „Travel Pass“, in dem unter anderem Testergebnisse digital hinterlegt werden können.

    Wäre die Arbeit an einem solchen Konzept im vergangenen Frühjahr begonnen worden, es wäre wohl längst startklar. In allen Ländern würde es an Flughäfen zertifizierte Testzentren geben. Der Testvorgang wäre in das Abfertigungsprozedere integriert.

    Quelle: Kostas Koufogiorgos
    Karikatur
    (Foto: Kostas Koufogiorgos)

    Jetzt hingegen läuft die Regierung stets aktuellen Entwicklungen hinterher, und das relativ hilflos, wie die Vorgänge rund um Weihnachten gezeigt haben. Weil sich in Großbritannien und in Südafrika Mutationen des Coronavirus ausbreiteten, verbot man über Nacht die Landung von Flügen aus beiden Ländern. Airlines, die Passagiere aus beiden Ländern über Drehkreuze etwa am Persischen Golf nach Deutschland brachten, durften dagegen weiter landen. Ein Chaos.

    Nun könnte man sagen, die Luftfahrt solle sich nicht so anstellen – schließlich werde ohnehin kaum geflogen. Doch das greift zu kurz. Zwar liegt der Luftverkehr tatsächlich am Boden. Im Dezember wurden an den deutschen Verkehrsflughäfen fast 88 Prozent weniger Passagiere abgefertigt als im vergleichbaren Vorjahresmonat.

    Doch es geht um das, was die Menschen und auch die Unternehmen nach einem Jahr Pandemiebekämpfung dringender denn je benötigen: die Mischung aus Mahnung zur erhöhten Vorsicht und einer Perspektive.

    Das nun im Raum stehende Reiseverbot hält die Menschen davon ab, ihre Reisen etwa an Ostern oder im Sommer zu planen. Damit wachsen der Frust und die Pandemiemüdigkeit weiter.

    Mehr: Die Not der Flughäfen wächst – und noch immer fließen keine Finanzhilfen

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    2 Kommentare zu "Kommentar: Fangt endlich mit dem Testen an, statt Reiseverbote zu verhängen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Alles sicher richtig, aber nutzlos. Bei unseren Regierenden ist die Platte hängengeblieben.

    • Sehr guter Kommentar. Und statt zu lamentieren wäre es wünschenswert, wenn die Regierung klare verständliche Regeln erlässt und diese durchsetzt - auch mit Strafen gegen Airlines und einem Einreiseverbot für Nichtgetestete.

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