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KommentarFür die russische Luftfahrt ist kein Comeback in Sicht

Russland hat sich auf die Rolle als Rohstofflieferant verlassen und zu wenig in Technologie investiert. Nun ist es schwer, vom Westen unabhängig zu werden.Jens Koenen 16.04.2022 - 15:45 Uhr Artikel anhören

Die russische Airline Aeroflot hat einige der Regionalflugzeuge aus russischer Produktion gekauft. Darüber hinaus fand das Flugzeug aber kaum Kunden.

Foto: Reuters

Wer das Technikmuseum in Speyer besucht, für den ist ein Abstecher zur Antonow AN 22 Pflicht. Im gewaltigen Laderaum des Frachtflugzeugs wird deutlich, was Luftfahrtingenieure in den 1960er-Jahren geleistet haben. Das größte in Serie gebaute Propellerflugzeug ist eine Legende.

Heute liegt der Firmensitz von Antonow zwar in der Ukraine. Doch das Flugzeug wurde seinerzeit in der Sowjetunion entwickelt, unter maßgeblicher Beteiligung russischer Luftfahrtingenieure wie dem nahe Moskau geborenen Namensgeber Oleg Konstantinowitsch Antonow.

Antonow, Suchoi oder Tupolew – diese Namen stehen für die goldene Ära der russischen Luftfahrtindustrie. Vor allem die beiden Letztgenannten stehen aber auch für den Sturz in die Bedeutungslosigkeit. Er begann mit dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion und zeigt sich mit voller Wucht nun im Ukrainekrieg.

Seit Jahren fliegen russische Airlines lieber mit westlichem Gerät, was wegen der Sanktionen immer schwieriger wird. In der Not werden teils betagte russische Jets aus den Hangars gerollt. Doch die Hoffnung auf ein Comeback heimischer Flugzeugbauer ist trügerisch.

Die russische Luftfahrt kann nicht schnell wieder eigenständig werden. Sosehr sich Deutschland auf Rohstofflieferungen aus Russland verlassen hat, so sehr hat sich der Kreml seinerseits auf seine Lieferantenrolle verlassen. Es wurde viel zu wenig in Technologie investiert – gerade in der Luftfahrt.

Airbus und Boeing sind den einstigen Ikonen in Russland enteilt

Längst sind Airbus, Boeing enteilt. Wie sehr die russischen Flugzeughersteller vom Know-how des Westens abhängig sind, zeigt sich beim Suchoi Superjet 100, der vor einigen Jahren antrat, dem europäisch-amerikanischen Duopol die Stirn zu bieten. Zwar wurde zuletzt damit begonnen, westliche Komponenten in dem Jet durch russische zu ersetzen. Doch immer noch stammen über 50 Prozent der Teile aus dem Westen.

Noch dazu hält sich der Erfolg in engen Grenzen. Es sei aus kommerzieller Sicht kein sehr effektives Flugzeug, beklagte der russische Verkehrsminister Witali Saweljew kürzlich überraschend ehrlich. Selbst die TU-214 – die Produktion des Mittelstreckenflugzeugs soll nun hochgefahren werden – wird die Situation nicht retten. Zu gering sind die Produktionskapazitäten, und der Kerosinverbrauch des Flugzeugs gilt ebenfalls als zu hoch.

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Für die Airlines in Russland ist das ein Debakel. Ihnen geht langsam das Gerät aus, und probater Ersatz ist nicht in Sicht. Die russische Regierung will Fluglinien und Airports nun mit Finanzhilfen stützen. Doch das stabilisiert vielleicht, es verschafft der Branche nicht mehr Eigenständigkeit.

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