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KommentarGebt der Lindner-Rente eine Chance

Das Altersvorsorgedepot der FDP existiert bislang nur als Entwurf. Sie kann vielen Menschen eine reiche Rente bescheren. Doch bis sie sie tatsächlich kommt, werden die Widerstände groß sein.Markus Hinterberger 01.10.2024 - 14:32 Uhr
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Christian Lindner: Nicht nur der FDP-Chef hat erkannt, dass sich bei der privaten Altersvorsorge etwas ändern muss. Foto: dpa

Wenn Politiker Neues ankündigen, ist in der Regel kein Superlativ groß genug. Sind die Superlative abgenutzt, müssen Begriffe aus dem angelsächsischen Sprachraum herhalten, um das Neue möglichst vollmundig zu umschreiben. Doch bei näherem Hinschauen entpuppt sich das, was da angepriesen wird, oft nur als mittelmäßig.

Beim Altersvorsorgedepot, das FDP-Chef und Bundesfinanzminister Christian Lindner kürzlich vorgestellt hat, ist das anders. Das von Lindner bemühte Bild des Gamechangers ist nicht abwegig. Das Depot, einige nennen es bereits „Lindner-Rente“, kann die Spielregeln der Altersvorsorge verändern, vorausgesetzt, der vorgelegte Gesetzentwurf wird Realität.

Das Altersvorsorgedepot soll Menschen helfen, ihr Geld in Aktien zu stecken. Dabei gibt es auch eine staatliche Förderung. Diese Idee soll  eine Alternative zur Riester-Rente werden. Schließlich ist die nach dem einstigen SPD-Arbeitsminister Walter Riester benannte Zusatzrente inzwischen alles andere als ein Verkaufsschlager. Von den gut 15 Millionen noch laufenden Riester-Verträgen werden längst nicht mehr alle so bespart, dass die komplette Förderung gezahlt wird. Und die nicht ganz unberechtigte Kritik an den Produkten, die nicht selten vor allem für die Produktgeber ein gutes Geschäft sind, wird eher lauter als leiser.

Wenn nun etwa Menschen mithilfe von Aktien, Fonds und ETFs sparen, pro eingezahltem Euro 20 Cent vom Staat dazubekommen und der Fiskus erst im Rentenalter zugreift, würde das die Spielregeln verändern.

Wer ein wenig nachrechnet, wird feststellen, dass derjenige, der jedes Jahr aus eigener Tasche 3000 Euro ansparen kann, nach 20 Jahren bei einer für den Aktienmarkt konservativ gerechneten langfristigen Rendite von fünf Prozent knapp 120.000 Euro im Depot hat. Das im Laufe der beiden Jahrzehnte eingezahlte Kapital hat sich in diesem Fall fast verdoppelt.

Viele mögen nun einwenden, dass der Vorschlag erstens nicht neu ist und zweitens viele Punkte unklar sind. So bleiben die Liberalen etwa auf die Frage, welche Finanzprodukte und Wertpapiere überhaupt und wenn dann von wem als förderwürdig deklariert werden sollen, eine Antwort schuldig.

Doch es geht vielmehr um das Signal, das dieser Vorschlag gibt. Wer mithilfe des Staats fürs Alter vorsorgen will, soll das eigenverantwortlich tun können und nicht mehr auf teure Finanzprodukte zurückgreifen müssen. Eine Idee, die tatsächlich zur DNA der FDP passt. Sind die Liberalen nicht die Partei der mündigen Bürgerinnen und Bürger?

Das Lager der Gegner ist groß und mächtig

Das Altersvorsorgedepot wird wahrscheinlich weichgespült werden, und das wird auch an denen liegen, für die die FDP auch gern als deren natürliche Heimat gesehen wird: Lobbyisten aus der Versicherungs- und Finanzbranche. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich die Geldgeber dieser Menschen das lukrative Geschäft mit Rentenversicherungen und überteuerten Mischfonds im Mantel der staatlich geförderten Vorsorge fürs Alter abnehmen lassen.

Unterstützung werden diese Lobbykräfte von all jenen aus dem gesamten Parteienspektrum bekommen, für die Aktien ohnehin Teufelswerk sind.

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Glücklicherweise kommen nach und nach immer mehr Menschen in die Situation, Geld anzulegen, die nicht mehr von Eltern und anderen Verwandten ans Platzen der New-Economy-Blase und die daraufhin wertlos gewordenen Depots erinnert werden. Doch die Erkenntnis, dass bei Investments in viele verschiedene Aktien in Form von Fonds und ETFs auf Sicht von zwölf, spätestens 15 Jahren zumindest in der Vergangenheit Verluste ausgeschlossen waren, hat sich noch lange nicht durchgesetzt, leider!

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