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KommentarHaben die Banker die Oberhand, droht früher oder später Ungemach

Nur wer den Mut hat, kurzfristig auf riskante Gewinne zu verzichten, wird langfristig profitabel arbeiten. Was die Deutsche Bank schmerzhaft erfahren musste, spürt jetzt die Credit Suisse.Michael Maisch 25.10.2022 - 16:55 Uhr Artikel anhören

Die Schweizer Großbank wird am Donnerstag nicht nur Quartalszahlen, sondern auch ein Sanierungskonzept vorlegen.

Foto: dpa

Nur noch wenige Tage hat die Schweizer Großbank Credit Suisse Zeit, um ein Sanierungskonzept vorzulegen. Eine lange Reihe von Skandalen und Fehlentscheidungen hat das Geldhaus in eine derart prekäre Lage gebracht, dass für einige Tage sogar Gerüchte um die Stabilität der Bank die globalen Märkte nervös machten.

Am Donnerstag wird Credit-Suisse-Chef Ulrich Körner eine neue Strategie präsentieren, und er wird den leidgeprüften Investoren sicher auch erklären, wie er die Sanierung finanzieren will. Aber das reicht nicht.

Um wirklich aus der Krise zu kommen, muss die Credit Suisse etwas hinbekommen, für das es leider keinen anderen Begriff gibt als das überstrapazierte Wort „Kulturwandel“.

Wie wichtig das amorphe, nur schwer greifbare Konzept der Unternehmenskultur ist, zeigt die Geschichte der Deutschen Bank. Wer das Schicksal des Frankfurter Finanzinstituts verfolgt hat, der erlebt heute ein Déja-vu.

Ähnlich wie die Deutsche Bank stieg Credit Suisse vor Jahrzehnten mit einer Übernahme in großem Stil ins Investmentbanking ein. Wie die Frankfurter merkten die Schweizer viel zu spät, dass das Geschäftsmodell nach der Finanzkrise nicht mehr trägt.

Beide Institute leisteten sich viel zu lange eine völlig überdimensionierte Investmentbank, die viel zu viel Kapital verbrauchte, die in schöner Regelmäßigkeit für teure Skandale sorgte und die vor allem die eigenen Banker reich machte.

2013 hatte sich die damalige Doppelspitze der Deutschen Bank Anshu Jain und Jürgen Fitschen den Kulturwandel auf die Fahnen geschrieben. Sechs Werte – von Integrität über Kundenorientierung bis zu Partnerschaft – dachten sich die Bankchefs aus.

Und weil die Zahl so gut passte, ließen sie die sechs Prinzipien auf Würfel drucken – Kulturwandel als Glücksspiel. Es brauchte fünf weitere Jahre, zwei weitere Vorstandschefs und den weitgehenden Austausch der ersten und zweiten Führungsebene, um die Herrschaft der Hasardeure zu brechen.

Ein konkretes Indiz für eine dysfunktionale Unternehmenskultur in der Finanzbranche ist das Machtverhältnis zwischen Bankern und Risikomanagern. Die erste Gruppe giert nach Profiten, die zweite fürchtet Verluste.

Haben die Banker die Oberhand, droht früher oder später Ungemach. Das war bei der Deutschen Bank so, und das ist bei der Credit Suisse so.

Anders lässt sich die Häufung der „Unfälle“ bei den Schweizern kaum erklären, vom Milliardenschaden beim Zusammenbruch des Hedgefonds Archegos bis zum leichtfertigen Vertrieb von Fonds für den kollabierten Lieferkettenfinanzierer Greensill.

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Nur wer den Mut und die Disziplin hat, kurzfristig auf riskante Gewinne zu verzichten, wird langfristig profitabel arbeiten können. Genau diese Tugend ist eine Frage der Kultur.

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