Kommentar: Isar Aerospace: Erfolgsmodell jenseits der Staatswirtschaft

New-Space-Firmen arbeiten mit einer großen Lust auf Innovation.
Foto: Isar AerospaceDiese Geschichte zündet: Isar Aerospace, das Raketen-Start-up aus München, sammelt weitere 155 Millionen Euro ein. Die Neugründung einer Handvoll Studenten der Technischen Universität will Ende des Jahres die erste Rakete in eine erdnahe Umlaufbahn schießen. Firmenchef Daniel Metzler geht ein riskantes, aber gut kalkulierbares Wagnis ein. Es investieren vorwiegend private Geldgeber – und das ist gut so.
Denn bislang war Raketenentwicklung in Europa Staatswirtschaft. Die europäische Weltraumagentur Esa sammelte von ihren Mitgliedstaaten Geld ein und verteilte es vorwiegend im Ariane-Konsortium, in dem vor allem staatliche Akteure den Ton angeben. Es ist ein teures und schwerfälliges System, das sich spätestens mit dem Aufkommen von SpaceX überlebt hat. Gegen Elon Musks Falcon-Raketen verliert Ariane seine kommerziellen Aufträge. Für das schnell wachsende Geschäft mit erdnahen Satelliten taugen die Ariane-Strukturen ohnehin nicht.
New-Space-Firmen hingegen arbeiten mit deutlich kleineren Teams, mehr Tempo und einer großen Lust auf Innovation. Isar Aerospace und die benachbarte Rocket Factory Augsburg erfinden die Raketentechnik nicht neu, sehr wohl aber ihre Herstellung. So setzen sie auf 3D-Drucker, mit denen sich Triebwerkskomponenten schneller und kostengünstiger herstellen lassen. Das alles garantiert im hochriskanten Geschäft mit Raketenstarts noch keinen Erfolg. Im Gegenteil: Es ist sehr gut möglich, dass die ersten Starts floppen. Aber ähnlich wie das große Vorbild SpaceX lernen diese Firmen sehr schnell aus ihren Fehlern.
Am Ende lösen privat finanzierte Risikounternehmen staatliche Planungsbürokratie ab. In Zeiten, in denen der Staat Gaspreise drücken und Kaufhausketten retten soll, ist das eine gute Nachricht.