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KommentarJens Weidmann sollte bei der Commerzbank ein unbequemer Aufsichtsratschef sein

Der ehemalige Bundesbank-Präsident ist als neuer Chefkontrolleur des Frankfurter Geldhauses eine gute Wahl. Nur seine fehlende Erfahrung als Banker könnte ein Problem werden.Andreas Kröner 21.11.2022 - 16:58 Uhr Artikel anhören

Der ehemalige Bundesbank-Präsident soll im Mai 2023 die Nachfolge von Helmut Gottschalk als Aufsichtsratschef der Commerzbank antreten.

Foto: Handelsblatt

Als die Deutsche Bank Alexander Wynaendts 2021 als neuen Aufsichtsratschef vorstellte, fragten sich viele: Alexander wer? Als die Commerzbank nun bekannt gab, dass Jens Weidmann ihr neuer Chefcontroller werden soll, dachten die meisten Beobachter: Wow!

Mit der Verpflichtung des Ex-Bundesbankpräsidenten ist Deutschlands zweitgrößter Privatbank ein Coup gelungen. Weidmann genießt nicht nur in der Finanzbranche hohes Ansehen. Er verfügt als ehemaliger Leiter der Abteilung Wirtschafts- und Finanzpolitik im Kanzleramt auch über politisches Gespür.

Für die Commerzbank ist das besonders wichtig, schließlich hängt ihre Zukunft maßgeblich davon ab, was die Bundesregierung mit ihrem Anteil von gut 15 Prozent an dem Geldhaus vorhat. Verkauft sie ihn im Rahmen einer Fusion an ein anderes europäisches Institut? Oder sorgt sie dafür, dass die Commerzbank als großer Finanzierer des deutschen Mittelstands unabhängig bleibt?

Um die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft zu schaffen, muss die Commerzbank zunächst ihren Umbau vorantreiben und dann eine Strategie entwickeln, wie sie sich als mittelgroßes Institut im weltweiten Wettbewerb behaupten will. Weidmann hat mit seinen 54 Jahren die Möglichkeit, diesen Prozess langfristig mitzugestalten.

Kann Weidmann Vorstandschef Knof im Zaum halten?

Ein Manko ist allerdings, dass Weidmann keine Erfahrung als Banker vorzuweisen hat. Manche Investoren befürchten, dass er Vorstandschef Manfred Knof deshalb nicht so kontrollieren kann wie sein Vorgänger Helmut Gottschalk. Erschwerend kommt hinzu, dass Knof selbst den Großteil seiner Karriere nicht im Banking verbracht hat, sondern beim Versicherungskonzern Allianz.

Dass eine intensive Kontrolle des Vorstands bei der Commerzbank dringend geboten ist, zeigt ein Blick in die jüngere Vergangenheit. Da steuerte das Management mit seinem Festhalten an einem zu großen Filialnetz jahrelang in die falsche Richtung, ohne dass die Kontrolleure eingriffen. Zudem gewährte die Bank der Pleitefirma Wirecard einen Großkredit – und musste diesen später abschreiben.

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Auch heute gibt es bei der Commerzbank noch zahlreiche Baustellen: Die Dauerkrise bei der polnischen Tochter M-Bank und Probleme beim Versand von Steuerbescheinigungen sind dafür nur zwei von vielen Beispielen.

Weidmann tritt bei der Commerzbank also eine anspruchsvolle Aufgabe an, bei der er sich noch tiefer ins Bankgeschäft einarbeiten muss. Dass dies gelingen kann, hat sein Vorgänger bei der Bundesbank gezeigt: Axel Weber heuerte als Verwaltungsratspräsident bei der Schweizer Großbank UBS an und stutzte dort das Investmentbanking zusammen. Heute steht das Institut deshalb deutlich besser da als die meisten Konkurrenten in Europa.

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