Kommentar: Kein Ende für Boeings Probleme in Sicht
Der Flugzeugbauer hat wegen Betrugs- und Verschwörungsvorwürfen im Zusammenhang mit dem Skandal Strafzahlungen von mehr als 2,5 Milliarden Dollar zur Beilegung strafrechtlicher Verfahren zugestimmt.
Foto: dpaBoeing kommt aus seiner Krise nicht heraus. Der jüngste Absturz in Indonesien dürfte dem Image des Airbus-Konkurrenten noch weiter schaden.
Zwar steht die Unfallursache noch nicht fest, aber es ist wieder einmal eine Boeing-Maschine, die verunglückt ist. Und die Nachricht kommt nur zwei Tage nachdem an diesem Donnerstag bekannt wurde, dass Boeing wegen der 737-Max-Abstürze 2,5 Milliarden Dollar zahlen muss.
Der Börsenkurs hatte angesichts der Nachricht gerade einmal kurz gezuckt. Das liegt nicht nur daran, dass Boeing zwei Drittel der Summe bereits zur Seite gelegt hat. Es liegt vor allem daran, dass eine Summe, die in normalen Zeiten ein Schock wäre, in diesen Zeiten kaum mehr ins Gewicht fällt. Die Probleme von Boeing sind bedeutend größer als die 2,5 Milliarden Dollar, die der Konzern jetzt in einer außergerichtlichen Einigung zahlt, um zumindest den Strafprozess zu vermeiden.
Boeing leidet wie die Konkurrenz von Airbus unter dem weltweiten Einbruch des Flugverkehrs. Wer will schon neue Flugzeuge ordern, wenn bereits die vorhandenen nicht abheben dürfen? So erklärt sich auch, dass die Flugerlaubnis für die nun verbesserte Unglücksmaschine im November nur verhaltene Freude ausgelöst hat.
Bei Boeing kommt hinzu, dass der US-Flugzeugbauer selbst dann noch Probleme haben wird, wenn es dank Massenimpfungen mit dem Fliegen wieder losgeht. Die umgebaute 737 Max wird nie wieder die Cashcow werden, die sie vor den Abstürzen war. Die Airlines werden zwar vielleicht die Maschinen in ihrem Besitz wieder fliegen. Aber die Neubestellungen dürften gering ausfallen. Man will die wegen Corona ohnehin schon verunsicherten Kunden nicht noch aufgrund von Sorgen um ein vermeintlich unsicheres Flugzeug verlieren.
Boeing steht vor dem Dilemma, keine Alternative zu haben. Die Amerikaner haben kein anderes Schmalrumpfmodell im Sortiment. Heute rächt sich die kurzfristig und nur auf Profit ausgerichtete Strategie der Vergangenheit: Weil die Konkurrenz des Airbus A320 Neo drohte, hat Boeing lieber seinen Bestseller 737 umgerüstet, als ein neues Modell zu entwickeln, was länger gedauert hätte. Doch die größeren Motoren brachten Probleme mit sich, die letztlich zu den Abstürzen führten.
Wie im Nachhinein bekannt wurde, waren Boeing die Gefahren durchaus bewusst. Das Unternehmen hat bereits in der Entwicklung an der Sicherheit gespart – und auch bei der Schulung der Piloten von Kunden wie Lion Air.
Weil Boeing in den vergangenen Jahren die Zufriedenheit der Aktionäre über die Investitionen in neue Modelle und in die Sicherheit gestellt hat, fehlt auch für die Zeit nach der Pandemie ein überzeugendes Modell. Und 2,5 Milliarden Dollar sind angesichts der voraussichtlich 4,5 Milliarden Dollar, die Boeing im vergangenen Jahr verloren hat, nur ein Schulterzucken wert.