Kommentar: KI-Revolution am Black Friday verschärft Auslese im Onlinehandel

Von einer „Revolution“ in der wirtschaftlichen Entwicklung zu sprechen, verlangt grundsätzlich Zurückhaltung. Bei der Künstlichen Intelligenz jedoch besteht das Potenzial, die Spielregeln im Einzelhandel revolutionär zu verändern.
Ein Chat mit einem KI-Modell ahmt ganz selbstverständlich das klassische Beratungsgespräch im Fachgeschäft nach. Der Kunde findet Schritt für Schritt genau das Produkt, das zu seinen Wünschen passt – und die KI stellt dabei sogar Fragen, auf die der Konsument selbst nie gekommen wäre.
Diese Bequemlichkeit und der damit verbundene Nutzen werden schon bald unverzichtbar sein. Die Konsequenz liegt auf der Hand. KI wird sich nicht nur am Black Friday rasch zur ersten Anlaufstelle für einen Großteil der Einkäufe entwickeln und die Händler verlieren zunehmend den direkten Kontakt zu ihren Kunden.
Das gilt sogar für Einkäufe, bei denen der Kunde eigentlich keinerlei Beratung benötigt. Etwa beim Nachkauf von Rasierklingen, Hundefutter oder Müsli. Dank ihres vollständigen Überblicks findet die KI das beste Angebot und übernimmt Bestellung, Lieferung und Bezahlung.
Für Onlinehändler ergeben sich damit zwei Wege. Sie können versuchen, eigene KI-Agenten zu entwickeln, um das erste Beratungsgespräch auf die eigene Plattform zu ziehen. Doch in den meisten Fällen wird dieses Vorhaben scheitern. Mit der Reichweite und den technischen Möglichkeiten von ChatGPT, Gemini und Co. kann kaum ein Händler mithalten.
KI setzt neue Maßstäbe bei der Beratungsqualität
Deshalb bleibt in der Regel nur die zweite Option: Händler müssen zum idealen Dienstleister für die KI-Modelle werden. Mit umfangreichem Content, der alle Fragen der KI abdeckt, kombiniert mit exzellentem Service und zuverlässiger Logistik, müssen sie dafür sorgen, dass die KI möglichst viele Kunden an sie weiterleitet.
Noch vor Kurzem stand für jeden Händler die Existenzfrage im Raum: Was kann ich anbieten, was Amazon nicht auch liefert? Heute lautet die entscheidende Frage: Was kann ich besser als die KI?
Plötzlich eröffnet sich für stationäre Händler mit ihren Innenstadtniederlassungen wieder ein potenzieller Wettbewerbsvorteil. Ein neues Gerät auszuprobieren, ein Kleid anzuprobieren oder eine eingelegte Olive zu kosten: All das wird die KI niemals ersetzen können.
Um von dieser Entwicklung zu profitieren, müssen auch stationäre Händler ihre Hausaufgaben machen. Entscheidend ist vor allem die Investition in Beratung, also in qualifiziertes Personal. Denn die KI hat die Erwartungen der Verbraucher an die Beratungsqualität deutlich angehoben.
Außerdem müssen die stationären Händler dafür sorgen, dass die KI sie findet und in ihren Antworten erwähnt. Am Ende könnten dann sie die Gewinner dieser Entwicklung sein.