Kommentar: K+S muss weiter um die Gunst der Investoren kämpfen
Der CEO will den Konzern operativ und bilanziell endlich wieder nach vorne bringen.
Foto: dpaWenn der Aktienkurs eines Unternehmens um 20 Prozent hochschnellt, steckt oft ein Befreiungsschlag dahinter. Als solcher wird auch der nun weitgehend festgezurrte Teilverkauf beim Düngemittelhersteller K+S interpretiert.
Zwei Dinge müssen beachtet werden: Die Aktie ist ein schwer gebeutelter Wert und immer wieder von heftigen Kursausschlägen geprägt. Sie bleibt auch nach einem solchen Sprung wie an diesem Montag billig.
Zweitens ist die bevorstehende Trennung vom amerikanischen Salzgeschäft zunächst nur ein Befreiungsversuch, dessen positive Wirkung sich erst noch erweisen muss.
Keine Frage, der Verkauf der operativen Einheit „Americas“ bringt für K+S endlich die erhoffte Entschuldung. Sie ist seit Jahren nötig und versprochen, aber nicht gelungen. Das operative Geschäft mit dem Düngemittel Kalium war in den vergangenen Jahren einfach zu schwach, um ausreichend Mittel für den Schuldenabbau abzuwerfen.
Um dabei voranzukommen, blieb dem Management um Vorstandschef Burkhard Lohr keine andere Option als der Verkauf der an sich attraktiven Einheit, in der die Salzgeschäfte in Nord- und Südamerika gebündelt sind.
Angesichts der schwierigen Lage kann dieser Deal als Notverkauf gewertet werden, der in besseren Zeiten nicht angegangen wäre. Schließlich ist das Salzgeschäft trotz aller witterungsbedingten Probleme beim Auftausalz eines, das vergleichsweise starke freie Mittel abwirft. Die werden den Kasselern künftig fehlen.
Schuldenberg lastet schwer auf K+S
Dennoch ist der Verkauf ein richtiger, weil einzig möglicher Schritt, damit K+S überhaupt wieder an Flexibilität und Finanzkraft für Investitionen gewinnt. Der Schuldenberg von drei Milliarden Euro hätte bei vorerst schwacher operativer Entwicklung weiter schwer auf dem Konzern gelastet. Nebenbei: Es war an der Zeit, dass die K+S-Führung nach den Gewinnwarnungen der vergangenen Jahre gegenüber den Aktionären mal ein Versprechen einlöst, nämlich das des Schuldenabbaus.
Das Management kann den Kurssprung durchaus auf der Habenseite verbuchen. Die Anleger honorieren, dass beim Verkauf des amerikanischen Salzgeschäfts mehr eingenommen wird als erwartet. Ob K+S die Gunst der Investoren aber behalten und ausbauen kann, wird davon abhängen, was mit dem Rest des Unternehmens passiert.
Der Konzern ist künftig nahezu vollständig auf das Düngemittelgeschäft fokussiert und damit noch abhängiger davon, wie das auf diesem Markt dominierende Oligopol funktioniert. K+S wird nur mithalten können, wenn seine nun voll im Zentrum stehende Kaliförderung aus eigener Kraft einen starken Cashflow erwirtschaftet, der die Zukunft des ganzen Unternehmens sichert.